Troika-Prüfungen
Griechenland im Dauer-Reformstress

Ausgerechnet der Monat August, in dem ganz Griechenland traditionell ausspannt, wird in diesem Jahr zu einer Zitterpartie. Die Regierung muss zahlreiche Reformen umsetzen. Gelingt dies nicht, droht die Pleite.
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AthenDie Sommerferien verbringt Giannis Stournaras am liebsten in seinem Landhaus auf der Kykladeninsel Syros. Vom kleinen Strand unterhalb des Grundstücks schwimmt er gern hinüber zum Leuchtturm – drei Kilometer hin, drei Kilometer zurück. Aber jetzt ist die Ausdauer des Langstreckenschwimmers Stournaras anderweitig gefragt.

Im 6. Stock seines  Ministeriums am Athener Syntagmaplatz brütet der griechische Finanzminister über einem viele Seiten umfassenden Zahlenwerk. In den kommenden zwei Jahren soll Griechenland seinen Haushalt um 11,5 Milliarden Euro entlasten, um die Defizitquote 2014 unter die Dreiprozentmarke zu drücken, die der Stabilitätspakt als Obergrenze festschreibt. So sehen es die Vorgaben des zweiten-Griechenland-Rettungspakets vom  Februar vor. Das Sparprogramm ist eine Herkulesaufgabe, vor allem vor dem Hintergrund der schweren Rezession, in der sich das Land befindet.

Aber die Zeit drängt. Die Troika, die seit Mitte vergangener Woche in Athen die Umsetzung der Spar- und Reformvorgaben prüft, erwartet schnellstens Details der Finanzplanung. Die sollten eigentlich schon im Juni vorliegen. Durch die Parlamentswahlen gerieten die Griechen aber in Rückstand.

Am heutigen Montag wollen die Vorsitzenden der drei Regierungsparteien das Paket in trockene Tücher bringen. Aber auch wenn das gelingt, kann Finanzminister Stournaras nicht in Urlaub gehen. Die technischen Experten der Troika werden mindestens noch bis zum 7. August in Athen die Bücher prüfen.

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Ferien sind für Athen ein Fremdwort

Kommentare zu " Troika-Prüfungen: Griechenland im Dauer-Reformstress"

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  • Es wird kein Steuerabkommen gemacht...da man Griechebland Pleite gehen lassen möchte. Es ist nicht so das Sie das Geld von Griechenland wollen, sondern Griechenland selbst!!! Ganz einfach!

  • @HotSix: Eine Aussage die der A. Hitlers nahe kommt.

  • Die griechische Elite nutzt in einer unverschämten Art und Weise große Teile der eigenen Bevölkerung als Schutzschild um ihre Macht und ihr Vermögen zu schützen. Ich verstehe voll und ganz, dass die bisherigen Anstrengungen für weite Teile der Bevölkerung sehr schlimm sind, und weitere Einsparungen kein Lösungsweg sind. Was die griechischen Eliten allerdings nicht sagen, ist dass viele reiche Griechen bisher praktisch kaum einen Rettungsbeitrag geleistet haben!

    Laut einer Studie des griech. Finanzministeriums liegen mindestens 200 Mrd. Euro auf griech. Konten in der Schweiz. Dabei wird vermutet, dass ein großer Teil dieser Vermögen unversteuertes Schwarzgeld ist. Warum wird hier kein Steuerabkommen zwischen Griechenland und der Schweiz ausgehandelt, wie es auch England und Deutschland gemacht haben? Mit einer einmaligen Quellenbesteuerung wird das Geld legalisiert und kann in Zukunft dann ganz regulär besteuert werden. Bei einer ähnlichen Besteuerung wie Deutschland oder England würde Griechenland auf einen Schlag 40-60 Mrd. Euro einnehmen können und zukünftig einige Mrd. Euro pro Jahr! Das schweizer Vermögen der Griechen trägt nicht zum Wachstum in Griechenland bei, und eine Besteuerung wird sich deshalb im Vergleich zu anderen Steuerhöhungen und Leistungskürzungen im Inland nicht negativ auf das griechische Wachstum auswirken!

    Dass die griechischen Politiker (praktisch aller Parteien) das nicht frewillig umsetzen ist klar, da ein Teil der schweizer Konten ja von den Politikern selbst sind, und ein weiterer Teil von ihren Freunden und Unterstützern. Aber warum zwingt hier die Troika (oder das griechische Volk) die griechischen Politiker nicht zu einem solchen Schritt? Anstatt das Geld von europäischen Steuerzahlern zu nehmen, sollte als erstes Mal Geld von den reichen Griechen genommen werden! Dann könnte man auch die Sparprogramme für große Teile der Bevölkerung sofort wieder etwas lockern und die Wirtschaft ankurbeln.

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