Trotz angekündigter Waffenruhe
Gewalt in Syrien eskaliert erneut

Kommende Woche sollen die Waffen schweigen - doch die Gewalt in Syrien eskaliert erneut: Dutzende Menschen starben bei einer Großoffensive. Uno-Generalsekretär Moon kritisierte das Blutvergießen scharf.
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New York, KairoDie Großoffensive syrischer Truppen mit Dutzenden Toten hat wenige Tage vor der geplanten Waffenruhe die Hoffnungen auf ein Ende der Gewalt gedämpft. Das Militär nahm nach Angaben der Regierungsgegner am Samstag vor allem Gebiete der Rebellenhochburg Homs ins Visier. Die Opposition sprach von mindestens 74 getöteten Zivilisten seit Freitag. Auch 15 Rebellen und 17 regierungstreue Soldaten sollen ums Leben gekommen sein. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon verurteilte die Regierung in Damaskus scharf. Die jüngste Eskalation ließ den Flüchtlingsstrom in die Türkei abermals anschwellen.

Das Blutvergießen schürt Zweifel, ob der mit dem Gesandten von UN und Arabischer Liga, Kofi Annan, vereinbarte Friedensplan die seit einem Jahr andauernde Gewalt beenden kann. „Die Frist vom 10. April ist keine Entschuldigung für weiteres Töten“, sagte UN-Generalsekretär Ban mit Blick auf den für Dienstag vereinbarten Beginn der Truppenentflechtung. Dem soll ab Donnerstag eine Waffenruhe folgen.

Westliche Länder zweifeln die Zusage von Präsident Baschar al-Assad an, ab Donnerstag die Waffen ruhen zu lassen. Unklar ist auch, ob die Freie Syrische Armee in der Lage ist, das Ende der Kämpfe in den eigenen Reihen durchzusetzen. Im Vorfeld der Waffenruhe warfen sich beide Seiten gegenseitig vor, die Angriffe noch zu verstärken. Die syrischen Behörden tragen Ban zufolge weiter die volle Verantwortung für die schweren Menschenrechtsverletzungen. „Diese müssen sofort aufhören.“

Nach Mitteilung der in Großbritannien ansässigen Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte töteten Assads Soldaten zuletzt mindestens 74 Menschen, darunter 40 bei einem schon am Freitag begonnenen Angriff auf eine al-Latmana in der Provinz Hama. In Homs sprachen Aufständische von einem Massaker. Auf Amateurvideos unbekannter Herkunft waren den Rebellen zufolge Leichenteile zahlreicher Opfer der Angriffe zu sehen. Von der Regierung war zunächst keine Stellungnahme zu bekommen.

Auch in der Region um Aleppo tobten weiter Kämpfe. Bei einer nächtlichen Attacke der Rebellen auf einen Armeestützpunkt nördlich der zweitgrößten Stadt des Landes wurden ein Offizier und zwei weitere Männer getötet, wie die Opposition mitteilte. Die staatliche Nachrichtenagentur SANA meldete, drei Rebellen seien bei einem Angriff auf ein „Versteck von Terroristen“ getötet worden.

Nach Tagen der Kämpfe und des Bombardements suchten rund um Aleppo immer mehr Menschen Zuflucht in der Türkei: Allein am Freitag flüchteten 3000 Zivilisten über die Grenze - rund zehn Mal so viele wie bisher an einem Tag, bevor Präsident Assad vor rund zehn Tagen den Friedensplan akzeptierte. Seit Beginn des Volksaufstandes gegen Assad sind bereits mehr als 42.000 Menschen vor der Gewalt geflohen. Mehr als 9000 Personen wurden nach Zählung der UN getötet. Die Regierung Assad spricht von knapp über 6000 Toten, darunter mehr als 2500 Soldaten und Polizisten.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Trotz angekündigter Waffenruhe: Gewalt in Syrien eskaliert erneut"

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  • Und in wie weit soll mich meine Aussage diskreditieren? Gilt die Waffenruhe nicht für beide Seiten? Ist eine Unterstützung der sog. "Rebellen" - welcher Art auch immer - nicht illegal?

  • Immer wieder erstaunlich zu beobachten wie sog. Nah-Ost-Experten sich mit Aussagen wie "Es wäre nett, würden auch die Rebellen an die Einhaltung des kommenden Waffenstillstands erinnert." selbst diskreditieren.
    Wer von Land, Leuten, Nahost-Politik und der Region im Allgemeinen und den Verstrickungen darin im Speziellen keine Ahnung hat, der sollte sich lieber jeglichen Kommentar sparen oder sich zumindest vorher fachkundig und unabhängig informieren. Dazu würden sich dann auch Medien eignen, die über die "gleichgeschalteten Massensprachrohre" hinausgehen.

  • Es wäre nett, würden auch die Rebellen an die Einhaltung des kommenden Waffenstillstands erinnert. Und: Deserteure (zumal wenn sie ihre Waffen mitnehmen und sie auch einsetzen) sind keine Zivilisten. Davon ab zeigt das Photo wohl eher sog. "Rebellen".

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