Trotz Ölboom
Kasachstan lässt deutsche Firmen kalt

Kasachstan investiert, als ob es kein Morgen gäbe. Das Land entpuppt sich immer mehr zur Goldgrube für internationale Investoren. Die Deutschen indes haben sich aus Kasachstan weitgehend zurückgezogen. Ein Fehler? Staatspräsident Nursultan Nasarbajew ist jedenfalls sauer auf Angela Merkel, die heute in die Landeshauptstadt Astana reist.
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ASTANA. Jüngstes Beispiel für Kasachstans Investitionslust ist die 150 Meter hohe Zeltkonstruktion „Khan Shatyr“, die der Stararchitekt Norman Foster für 150 Millionen Dollar auf eine kahle Wiese der Retorten-Hauptstadt Astana gestellt hat. Rund eine Million Menschen finden in dem Vergnügungstempel Platz, den Foster mit Kinosälen, einem Schwimmbad, künstlichen Flüssen und einen Freefall-Tower ausstatten ließ.

„Khan Shatyr“ – das große Zelt, finanziert mit Ölmillionen – ist ein Exempel für zentralasiatische Dekadenz. Der Bau zeigt aber auch, welche eine Goldgrube Kasachstan für internationale Investoren werden kann. Die Deutschen indes haben sich aus Kasachstan weitgehend zurückgezogen. Ein Fehler?

Staatspräsident Nursultan Nasarbajew ist jedenfalls reichlich sauer auf die Bundeskanzlerin, die am Mittwoch zum Gipfel der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) nach Astana reist. Denn seit zwei Jahren vergibt Deutschland keine Hermes-Bürgschaften mehr für Projekte in Kasachstan. Der Grund: als Kasachstans Banken in Folge der Finanzkrise in Schieflage gerieten, blieben deutsche Investoren auf Verbindlichkeiten in Höhe von 500 Millionen Euro sitzen. Zwar stehen vor allem sicherheitspolitische Themen auf der Agenda des ersten OSZE-Gipfels seit 1999. Es gilt aber als ausgemacht, dass der seit 20 Jahren regierende Autokrat Nasarbajew das Bürgschaftsmoratorium mit Merkel besprechen wird.

„Sehr gern würden wir aus Deutschland moderne Anlagen importieren, auch Ölexporte könnten wir erhöhen“, verspricht Vize-Industrieminister Albert Rau. In der Regierung ist der Kasache mit deutschen Wurzeln für die Handelsbeziehungen mit der Bundesrepublik zuständig. Der bilaterale Warenaustausch und mehr noch das Niveau deutscher Direktinvestitionen seien allerdings ausbaufähig.

Albert Rau nennt Zahlen: Von Januar bis September sei das Handelsvolumen zwischen Deutschland und Kasachstan im Vorjahresvergleich um 45 Prozent auf 3,8 Milliarden Euro gestiegen – vor allem, weil der Steppenstaat mehr Öl und Gas in die Bundesrepublik pumpt; die Importe aus Deutschland gingen in demselben Zeitraum zurück. Deutsche Investitionen gingen dagegen um 41 Prozent auf 92 Millionen Dollar zurück – ein Tiefstand.

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  • Das ist ja mal erfreulich, dass sich die Deutschen hier nicht wieder vorführen lassen wollen. Dubai hat genug gekostet, sitzt auch auf Rohstoffen und lebt im Größenwahn. Kasachstan ist sicherlich interessant, da es mehr als Öl gibt. Dafür fehlt jegliche Rechtssicherheit. Wenn er investoren will, dann soll er werthaltige, z.b. in der Schweiz hinterlegte, Sicherheiten bieten. Diese irren Diktatoren und "Visionäre"...

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