Trump-Unterstützer
Tod aus Verzweiflung

Weiße Amerikaner mit niedrigem Bildungsgrad, eine wichtige Wählerschaft für den US-Präsidenten Donald Trump, sterben immer früher. Eine neue Studie geht den Ursachen nach.
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New YorkEin Saal hoch oben im Gebäude des Bundesgerichts von Süd-Manhattan: Vorne thront erhöht die Richterin unter der US-Flagge, rechts davon ist durchs Fenster die Brooklyn-Bridge zu sehen, noch weiter rechts die Bank der Geschworenen, und vor der Richterin, mit dem Rücken zum Publikum, sitzen die Anwälte und der Angeklagte. Ein Mann im mittleren Alter wird in grauer Anstaltskleidung hereingeführt. Er ist bereits wegen Drogendelikten verurteilt und wird später eine milde Strafe bekommen, weil er in diesem Prozess als Zeuge auftritt.

Mit ruhiger sachlicher Stimme schildert der Mann seine Karriere zum Dealer. Am Anfang stand eine Sport-Verletzung, die bei ihm chronische Schmerzen hinterließ. Ein Arzt verschrieb ihm daraufhin „Painkiller“, schwere Schmerzmittel, und im Laufe der Zeit wurde er davon abhängig, weit über die medizinisch sinnvolle Dosis hinaus. Ob er dem Arzt die Schuld für seine Sucht zuschieben will, wird er gefragt: „Nein, dafür trage ich selber die Verantwortung“, sagt der Mann. Aus der Tablettensucht wurde Heroinsucht, weil das Rauschgift billiger ist als die Medikamente. Um seinen Drogenkonsum zu finanzieren, begann der IT-Experte schließlich, damit zu handeln.

Dieser Abstieg – von Übermedikation mit Painkillern bis hin zur Abhängigkeit und möglicherweise dem Umstieg auf Rauschgift, ist keineswegs selten. Der Missbrauch von Painkillern kommt nach einer neuen Studie des Ehepaares Anne Case und Angus Deaton besonders häufig bei Weißen ohne Studium vor. Ohne Studium zu sein, bedeute in den USA praktisch, ohne Berufsausbildung zu sein. Rund die Hälfte der arbeitslosen Männer in der Gruppe nimmt die Medikamente, zum Teil sogar auf Staatskosten, zitieren die Autoren medizinische Untersuchungen, mit der Bemerkung: „Die Abhängigkeit vom Staat bekommt so eine ganz eigene Bedeutung.“

Ihr Papier ist die Fortsetzung einer Analyse aus dem Jahr 2015, und nach Beobachtung der beiden ist seither alles noch schlimmer geworden. In der von Nobelpreisträger Deaton und seiner Frau untersuchten Bevölkerungsgruppe, die als wichtige Wählergruppe für US-Präsident Donald Trump gilt, steigt die Mortalität. Das ist die Quote der Todesfälle im Verhältnis zur Bevölkerung.

Diese Kennzahl ist auf den ersten Blick das Spiegelbild der Lebenserwartung, aber der statistische Zusammenhang ist auf den zweiten Blick etwas komplizierter, deswegen vermeiden die Autoren, von Lebenserwartung zu sprechen.

Die Mortalität steigt nur in der Bevölkerungsgruppe der Weißen mit geringer Bildung, in allen Bevölkerungsgruppen der USA und in allen vergleichbaren Grußßen Europas sinkt sie dagegen. Ein Beispiel: In der Gruppe der 25- bis 29-jährigen Weißen ohne höheren Abschluss sind 1999 im Schnitt 146 von 100.000 Menschen gestorben. 2015 waren es 266, eine drastisch größere Zahl. Bei den 50- bis 54-Jährigen ist die Ziffer von 722 auf 927 gestiegen, bei den 60- bis 64-Jährigen von 1558 auf 1785. Die größten Verbesserungen, allerdings von einem niedrigen Niveau aus, gab es dagegen bei schwarzen Amerikanern. Deren Mortalität ist deutlich gesunken und gleicht sich der der Weißen an.

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  • Der Grund des Weltweiten Niedergangs, der in Amerika sicherlich mit dem ins Leben gerufenen Kreditkartenkultur seinen Anfang nahm, liegt in der zunehmenden Gier der, nicht verdientermassen, Besitzenden. Selbige haben ein System der Kreditexpansion (Kreditkartengesellschaft) ins Leben gerufen, wo Geld nicht mehr verteilt sondern nur noch verliehen wird. Dadurch ist es zu einer stetig sich verschlimmernden Erosion des Geldes auf der Konsumentenseite gekommen mit all seinen negativen Folgen für die produzierende Wirtschaft. Geld wurde nicht mehr dafür eingesetzt Kapital (Produktionskapital), zur stetigen Verbesserung durch regelmässige Anpassung der Einkommen, der allgemeinen Lebensqualität einhergehend mit (Menschenwürdiger) Vollbeschäftigung, zu schaffen. Sondern es wurde mit dem Verleihen des Geldes eine Maschinerie geschaffen in der Geld mit Geld geschöpft wird und damit gleichzeitig bereits existierendes Kapital vernichtet wurde. Herr Trump verkündet zwar in seinem Populismus „make America great again“, ihm sind aber die Ursachen anscheinend nicht bewusst, die zu dieser Krise geführt haben. Im Gegenteil verdrängt er sie wohl eher zumal er ja gerade zu der Klasse gehört, die, wie bereits erwähnt unverdienter massen, von diesem System sein schönes Luxusleben lang profitiert haben.

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