Trump wehrt sich gegen Kritik
„Demonstranten und Rassisten nie auf einer Stufe“

Nach den gewaltsamen Ausschreitungen in Charlottesville haben Städte und Gemeinden angekündigt, Monumente zum Gedenken an die Konföderierten zu entfernen. Der Präsident lehnt das ab. Und geht in die Offensive.
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New York/WashingtonUS-Präsident Donald Trump ist im Streit um die Bewertung rechtsgerichteter Demonstrationen in der Stadt Charlottesville in die Offensive gegangen. In einer Serie von Twitternachrichten verteidigte er am Donnerstag seine Haltung und warf den Medien Fehlinterpretation seiner Worte vor.

Er habe niemals Mitglieder des rassistischen Ku-Klux-Klans, Neonazis und Rassisten auf eine moralisch gleiche Ebene mit friedlichen Demonstranten gestellt. Dem republikanischen Senator Lindsey Graham, einem innerparteilichen Kritiker Trumps, warf der Präsident deshalb „eine widerliche Lüge“ vor.

Eine Entfernung von Monumenten aus der Zeit der Konföderierten hat Trump derweil erneut abgelehnt. Ein solches Vorgehen zerreiße die Geschichte und die Kultur des Landes, erklärte er bei Twitter. Die Denkmäler seien wunderschön. Man könne die Geschichte nicht ändern, „aber man kann aus ihr lernen“. Nach den rassistisch motivierten Ausschreitungen in Charlottesville hatten mehrere Städte angekündigt, solche Monumente zu entfernen.

„Robert E. Lee, Stonewall Jackson – wer kommt als nächstes, Washington, Jefferson?“, schrieb Trump. Die Denkmäler würden vermisst und könnten niemals ersetzt werden. Baltimore und andere Städte haben bereits Monumente abgebaut oder entfernt, weil sie als Symbole des Rassismus betrachtet werden. Der Aufmarsch in Charlottesville richtete sich gegen die Entfernung eines Denkmals für Lee, den wichtigsten General des konföderierten Heeres. Die Konföderierten wollten an der Sklaverei festhalten.

Der Gouverneur von Maine, Paul LePage, will solche Monumente ebenfalls behalten. Eine Entfernung wäre genauso, als würde man Monumente für die Todesopfer des 11. Septembers abbauen, sagte der Republikaner dem Fernsehsender WGAN-AM. Er schloss sich Trumps Einschätzung an, dass in Charlottesville „beide Seiten“ verantwortlich für Gewalt seien. Linksgerichtete Demonstranten, die Monumente abbauen wollten, verglich er mit den Taliban in Afghanistan. LePage erklärte, er habe erst am Dienstag von den Vorfällen in Charlottesville erfahren, weil er kein Fernsehen schaue und keine Zeitung lese.

Der von Trump zuvor scharf kritisierte republikanische Senator Lindsey Graham meldete sich ebenfalls zu Wort. Er erklärte, mit seinen umstrittenen Äußerungen zu den Vorfällen in Charlottesville habe Trump Lob von „einigen der rassistischsten und hasserfülltesten Personen und Gruppen“ bekommen. „Für unsere Nation, als unser Präsident, bitte beheben Sie das“, erklärte Graham an Trump gewandt.

Graham hatte zuvor Trump vorgeworfen, Rassisten „den roten Teppich auszurollen“. Trump reagierte darauf mit einer weiteren Schimpftirade und nannte den Senator einen Lügner.

Agentur
ap 
Associated Press / Nachrichtenagentur
Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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  • In den frühen Jahren der Republik hatten sogar viele Politiker aus den Südstaaten diesen Standpunkt geteilt, die – wie George Washington oder Thomas Jefferson – selbst Sklavenhalter

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