Trumps Chefstratege Steve Bannon muss gehen
Sieg der Moderaten

Der Chefstratege von Donald Trump tritt zurück. Damit gewinnen gemäßigte Stimmen im Weißen Haus an Gewicht. Mit der Abdankung kam Bannon einem Rauswurf zuvor.
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New YorkSteve Bannon ist ein ungewöhnlicher Mann. Fast immer ungekämmt, den Anzug unordentlich zugeknöpft oder den Schlips schief gebunden, lief der ehemalige Investmentbanker durch das Weiße Haus. In Gesprächen zitierte er gerne John Wayne aus alten Wild West-Filmen oder griechische Philosophen. Doch das ist vorbei. Mit Wirkung von heute, so das Weiße Haus in einer Mitteilung, ist Bannon von seinen Aufgaben entbunden.

Er mag den Eindruck eines zerstreuten, liberalen Professors machen. Aber Bannon vertritt ganz andere Ansichten. Der ehemalige Herausgeber von der ultrarechten Breitband News glaubt nicht an globale Klimaerwärmung, will eine Mauer nach Mexiko bauen, preist Le Pen in Frankreich. Nach dem Aufmarsch von Rechtsradikalen in Charlottesville am vergangenen Wochenende, das mit zahlreichen Verletzten und einer Toten endete, setzte sich Bannon für eine weiche Linie gegen die Ultrarechten ein.

Mit seinen Ansichten beeinflusste Bannon Trump maßgeblich. Der 64-Jährige kam fast genau vor einem Jahr an Bord der Wahlkampagne von Trump und gilt als Architekt dessen Wahlsiegs im November. Als Dank ernannte Trump ihn zum Chefstrategen. Nur sieben Monate später ist er raus.

Mit dem Rücktritt kam Bannon seinem Rauswurf zuvor. Trump war zutiefst verärgert über ein Interview mit dem American Prospect, einem liberalen Magazin. Dort bezeichnete er die Vertreter der ultrarechten Alt-Right-Bewegung als „Clowns“, machte sich über wirtschaftsnahe Vertreter im Weißen Haus lustig und widersprach Trump direkt im Umgang mit Nordkorea. Die Offenherzigkeit erklärt sich durch ein Missverständnis: Bannon dachte, das Gespräch wäre unter vier Augen.

Mit dem Abgang von Bannon haben moderate Berater im Weißen Haus das Sagen. Trumps Schwiegersohn Jared Kushner und seine Frau Ivanka Trump vertreten deutliche andere Ansichten, ihre Beziehungen zu Bannon müssen denkbar schlecht gewesen sein. Auch Wirtschaftsberater und Demokrat Gary Cohn und Außenminister Rex Tillerson gelten als gemäßigt und dürften an Einfluss gewinnen.

Mit Bannon verlässt bereits der vierte Berater in fünf Wochen das Weiße Haus. Das Chaos sollte eigentlich der Stabschef und ehemaliger General John Kelly in den Griff kriegen. Laut US-Medienberichten wollte Kelly, der schon Anthony Scaramucci abservierte, auch den Kopf von Bannon. Er hat ihn bekommen.

Der Autor ist Managing-Editor des Handelsblatts in den USA. Quelle: Frank Beer für Handelsblatt
Thomas Jahn
Handelsblatt / Korrespondent New York

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