Tschechien
Die Wirtschaft wähnt sich auf dem Wege der Besserung

Damit haben nicht einmal die optimistischen unter den Ökonomen gerechnet: Nach Monaten der wirtschaftlichen Talfahrt schaffte die tschechische Wirtschaft im zweiten Quartal 2009 ein leichtes Wachstum. Dabei profitierten die tschechischen Fabriken vor allem von der deutschen Abwrackprämie.

PRAG. 0,3 Prozent waren es zwar nur, aber das Plus reichte, um die düstere Stimmung im Land etwas aufzuhellen. „Angesichts der Konjunkturerholung in Westeuropa gehen wir davon aus, dass die Rezession in Tschechien bald vorbei ist“, sagt Pavel Mertlik, Chef-Ökonom bei der Raiffeisenbank in Prag. Das Kreditinstitut ist eine Tochter der gleichnamigen österreichischen Gruppe.

In die Rezession war Tschechien im Zuge der weltweiten Finanzkrise nach Jahren üppigen Wachstums gerutscht. Der Abschwung ist zwar weniger heftig als in anderen ost- und südosteuropäischen Ländern. Er trifft aber insbesondere die stark spezialisierte Industrie. Ihr Schwerpunkt liegt im Maschinen- und Fahrzeugbau. Ausländische Autokonzerne lassen in Tschechien einige ihrer Modelle produzieren und exportieren diese dann in andere europäische Länder. Weil der Absatz im Zuge der Krise einbrach, hat die tschechische Autoindustrie nun Überkapazitäten. Die VW-Tochter Skoda – mit drei Werken der größte Autohersteller des Landes – gab Anfang 2009 bekannt, wegen der schlechten Auftragslage nur noch an vier Tagen pro Woche zu produzieren.

Doch dann kam die deutsche Abwrackprämie – und die erwies sich als regelrechtes Konjunkturprogramm. Um die Nachfrage befriedigen zu können, musste Skoda die Produktion wieder aufstocken. Auf die Halbjahres-Zahlen des Unternehmens wirkte sich das positiv aus. Von Januar bis Juni liefen rund 247 000 Fahrzeuge vom Band. Das ist zwar rund ein Drittel weniger als im gleichen Vorjahreszeitraum. Aber immerhin konnte der Rückgang gebremst werden. Toyota-Peugot-Citroën Automotive (TPCA), die ebenfalls in Tschechien produzieren, gelang sogar ein leichtes Plus.

Die Freude darüber dürfte allerdings von kurzer Dauer sein, denn in Deutschland sind die fünf Milliarden Euro an staatlichen Zuschüssen aufgebraucht. Und auch in den anderen europäischen Ländern, die das Modell kopierten, werden die Töpfe bald geleert sein. „Das Auslaufen der Abwrackprämien wird Spuren in der tschechischen Wirtschaft hinterlassen“, sagt Janis Hübner, Analyst bei der Dekabank in Frankfurt.

Als kleines offenes Land ist Tschechien in hohem Maße davon abhängig, wie sich seine Handelspartner entwickeln. Über 85 Prozent der Exporte gehen in EU-Länder, rund 30 Prozent davon nach Deutschland. „Die Verzahnung der beiden Volkswirtschaften ist sehr weit fortgeschritten. In der Regel folgt Tschechien der deutschen Wirtschaft mit einigen Monaten Verzögerung“, sagt Martin Lobotka, Analyst bei Ceska Sporitelna. In Berlin korrigieren zwar die Ökonomen ihre Prognosen gerade nach oben, aber ein leichtes Anziehen der Weltwirtschaft lässt ein bis dato erwartetes Minus von sechs Prozent auch nicht einfach dahin schmelzen. Dass also auch die tschechische Wirtschaft in diesem Jahr schrumpfen wird, gilt als ausgemacht. Die Nationalbank in Prag rechnet mit einem Rückgang des Bruttoinlandsproduktes von 3,8 Prozent; das Finanzministerium erwartet ein Minus von 4,3 Prozent.

Damit meistert das Land die Krise immer noch weit besser als andere EU-Länder. Den meisten Tschechen dürfte das allerdings nur ein schwacher Trost sein. Sie sehen sich als Opfer einer Krise, die anderswo verschuldet wurde. Das bestätigen ihnen indirekt auch die Ökonomen, wenn sie die tschechische Wirtschaft vom Fundament her als gesund bezeichnen. Als Beleg wird häufig angeführt, dass der Umfang an Fremdwährungskrediten gering ist, und der Bankensektor auch auf Grund seiner strengen Regularien relativ stabil. Den Stress-Test der Nationalbank haben zudem alle Institute bestanden. „Tschechien hat kein strukturelles Problem, sondern zyklisches“, sagt Analyst Lobotka.

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