Tschernobyl
Greenpeace hält bundesweit Mahnwachen ab

Am 26. April jährt sich die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl zum 20. Mal. Und noch immer gibt es 443 Atomkraftwerke weltweit, die aber nur einen Anteil von sechs Prozent am Primärenergieverbrauch decken. Ab Dienstag hält die Umweltschutzorganisation Greenpeace – die eine eigene Studie zu den Opferzahlen herausgebracht hat – bundesweit Mahnwachen ab.

HB BERLIN. Mit einem Glockenschlag 23 Minuten nach jeder vollen Stunde erinnert Greenpeace von Dienstag Mittag an vor dem Brandenburger Tor in Berlin an den schlimmsten Unfall in der Nutzung der Atomenergie. Um 1.23 Uhr explodierte in der Nacht zum 26. April 1986 in Tschernobyl der Atomreaktor und verstrahlte in der Folge riesige Gebiete der nördlichen Erdhalbkugel. Die Umweltschützer haben in Berlin Kerzen in Form eines Radioaktivitätszeichen angezündet und halten ein Banner mit der Aufschrift: „Tschernobyl zeigt: Atomkraft ist todsicher. Abschalten!“. Bis Mittwoch Abend 20 Uhr wollen die 15 Greenpeace-Aktivisten der Katastrophe gedenken.

Insgesamt finden rund um den Jahrestag in 70 Städten Deutschlands Mahnveranstaltungen und lokale Protestaktionen von Greenpeace-Gruppen statt. In Hamburg eröffnet Greenpeace am Mittwoch zum 20. Jahrestag der Katastrophe eine Ausstellung mit Fotos von Opfern der Radioaktivität. Die 80 Portraitbilder von Robert Knoth zeigen Menschen aus dem Gebiet um Tschernobyl und aus den Regionen um die russischen Atomanlagen Tomsk und Majak sowie dem ehemaligen russischen Atombombentestgebiet Semipalatinsk/Kasachstan. Die Ausstellung wird derzeit weltweit in 27 Ländern gezeigt. Dieses Jahr wird sie noch in Berlin, München und Köln zu sehen sein.

„Tschernobyl hat der Welt vor Augen geführt, dass Atomkraft nicht beherrschbar ist. Heute, nach 20 Jahren, muss endlich die Lehre daraus gezogen werden. Weltweit müssen die Atomkraftwerke abgeschaltet werden“, fordert Jörg Feddern, Energieexperte von Greenpeace. „Keiner kann sicher sagen, wie viele Menschen an den Folgen von Tschernobyl sterben werden, wie viele erkranken werden. Aber es ist klar: Das Leiden in den betroffenen Regionen geht weiter.“

Letztes Jahr behauptete die Internationale Atomenergieorganisation (IAEO), die Reaktorkatastrophe würde voraussichtlich 4000 Todesopfer zur Folge haben. Dagegen zeigte eine vergangene Woche veröffentlichte Greenpeace-Studie, dass viele Experten deutlich mehr Opfer erwarten. Die Russische Akademie der Wissenschaften geht von 270 000 zusätzlichen Krebserkrankungen mit 93 000 Todesfällen aus. Weitere Studien vermuten noch schlimmere Folgen. Greenpeace fordert die Mitgliedsländer der IAEO auf, sich für einen Kurswandel der Organisation stark zu machen. Statt wie bisher den Bau von Atomkraftwerken zu fördern, soll die Organisation den weltweiten Ausstieg aus der Atomkraft überwachen. „Nur so lässt sich auch die Gefahr von Atombomben bannen. Das zeigt das Beispiel Iran gerade wieder ganz besonders deutlich. Wer Atomkraftwerke betreibt, kann letztendlich auch Bomben bauen“, so Jörg Feddern.

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