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Frankenfisch sticht Chlorhuhn

Die USA genehmigen erstmals den Verkauf eines genmanipulierten Tieres. Ein Fisch namens AquAdvantage soll auf die Teller. Verbraucherschützer sind entsetzt. Viele Ladenketten wollen das Biotech-Produkt boykottieren.

WashingtonDas Chlorhuhn war bisher die unumstrittene Nummer eins, wenn es darum ging, europäische Abscheu über amerikanische Essgewohnheiten zu versinnbildlichen. Nun aber erhält es Konkurrenz – und zwar vom „Frankenfisch“. Die US-Lebensmittelbehörde FDA hat sich über die Proteste von Verbraucherschützern hinweggesetzt und einem genmodifizierten Lachs die Verkaufsgenehmigung erteilt. Damit bricht ein Tabu.

Nie zuvor wurde ein genetisch modifiziertes Tier für den menschlichen Verzehr zugelassen.
AquAdvantage heißt das Geschöpf, das jetzt in den Kühlregalen von Supermärkten landen wird. Ein Copyright schützt seinen Namen. Umwelt- und Verbraucherschützer fühlen sich an einen Roman von Mary Shelley erinnert, an Frankenstein, daher der Name „Frankenfisch“.

Der Genlachs ist ein Superfisch. Er wächst doppelt so schnell wie ein normaler Lachs, weil er nicht nur einen Teil des Jahres, sondern das ganze Jahr über Wachstumshormone ausschüttet. Hersteller Aqua Bounty gelingt dies, indem Forscher das Erbgut von Atlantiklachsen mit Genen der pazifischen Königslachse und DNS-Strängen von Meeres-Dickköpfen verschmelzen. Nicht an das Leben im Meer ist das Zwitterwesen angepasst, sondern an die Verwertungsinteressen der Lebensmittelindustrie. Willkommen in der „Blauen Revolution.“
Aqua Bounty, ein Tochterunternehmen der Biotech-Firma Intrexon, macht keinen Hehl aus seinen globalen Ambitionen. Genlachs biete nicht nur einen Kostenvorteil für Produzenten, er sei auch ein „Hoffnungsschimmer für die Ozeane“. Dazu muss man wissen: Um Lachs zu züchten, wird Fischmehl verfüttert, geraspelte Sardellen etwa. Eine Praxis, die Vögel, Robben und Delfine ihrer Beute berauben und ganze Nahrungsketten destabilisieren kann. Selten war die Sorge so groß wie in diesem Jahr, in dem der Pazifik durch das Klimaphänomen El Nino aufgeheizt und der Lebensraum der Sardellen aus der Balance gerät.

„Wir müssen alle vorhandenen Technologien nutzen, um die Fischereikrise zu lösen“, sagt ein Aqua-Bounty-Sprecher. Da der Superlachs schneller wachse, fresse er weniger, bis er unters Messer komme und reduziere damit den Druck auf die Meere. Und auch zur Ernährung einer wachsenden Weltbevölkerung könne AquAdvantage beitragen. Verbraucherschützer sind entsetzt: „Die Vorstellung, mit Lachs den Hunger zu bekämpfen, ist wahnsinnig“, warnt Tim Schwab von Food and Water Watch. Sollten Genlachse entkommen und sich im Meer ausbreiten, könnten sie die natürlichen Arten verdrängen, vielleicht sogar ausrotten. Es wäre das Ende der natürlichen Auslese und der Beginn einer vom Mensch gemachten, aber nicht beherrschten Gegen-Evolution.

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Frankenfisch sticht Chlorhuhn

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Keine Kennzeichnungspflicht für AquAdvantage

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