Übereinkunft
EU und USA erkennen Bio-Produkte gegenseitig an

Obwohl zwischen den Bio-Standards von EU und USA Unterschiede bestehen, wollen beide Länder Bio-Produkte gegenseitig anerkennen. Die Übereinkunft soll Bauern entlasten und das Angebot erweitern, so EU-Kommissar Ciolos.
  • 2

NürnbergBio-Lebensmittel aus der EU und den USA dürfen künftig auf beiden Seiten des Atlantiks als Öko-Erzeugnisse verkauft werden. Die EU und die Vereinigten Staaten unterzeichneten am Mittwoch eine entsprechende Übereinkunft, wie EU-Landwirtschaftskommissar Dacian Ciolos und die stellvertretende US-Landwirtschaftsministerin Kathleen Merrigan zum Auftakt der Branchenmesse „BioFach“ in Nürnberg bekanntgaben. Damit erkennen beide Seiten ihre Bio-Standards erstmals gegenseitig an. Die Vereinbarung gilt ab dem 1. Juni.

Obwohl zwischen den Bio-Standards der EU und der USA „kleine Unterschiede“ bestünden, seien die Verhandlungsparteien zu der Auffassung gekommen, dass die Anforderungen an Bio-Lebensmittel im europäischen Wirtschaftsraum wie den Vereinigten Staaten „gleichwertig“ seien, erklärten EU-Kommissar Ciolos und US-Vizeagrarministerin Merrigan. Es handele sich um eine „historische neue Partnerschaft“. Künftig könnten alle Erzeugnisse, welche die Bedingungen der Übereinkunft erfüllten, sowohl in der EU als auch den USA gehandelt werden. Beispiele seien Bio-Fleisch, Bio-Getreide oder Wein.

Ausgenommen von der Übereinkunft seien Lebensmittel, die unter Verwendung von Antibiotika hergestellt würden, erklärten Ciolos und Merrigan. Die US-Bestimmungen sähen vor, dass Ökoprodukte vollkommen ohne Verwendung von Antibiotika hergestellt sein müssten. Nur zu Bakterienbekämpfung bei Bio-Äpfeln und -Birnen sei deren Einsatz erlaubt. In der EU hingegen dürfen Antibiotika auch zur Behandlung erkrankter Tiere eingesetzt werden.

Ziel der Übereinkunft sei es unter anderem, bürokratische Hürden für Bauern und Agrarbetriebe zu verringern, erklärte EU-Kommissar Ciolos. Wollten EU-Landwirte etwa bisher ihre Bio-Produkte neben der Europäischen Union auch in den USA verkaufen, mussten diese ihre Waren auf beiden Seiten des Atlantiks zertifizieren lassen, um die jeweiligen Bio-Siegel zu erhalten. Die nun unterzeichnete Erklärung bedeute für die Landwirte neben weniger Bürokratie aber auch weniger Kosten.

Für Verbraucher werde sich durch die Übereinkunft die Auswahl in den Supermärkten erhöhen, sagte die stellvertretende US-Landwirtschaftsministerin Merrigan im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AFP. „Wir hoffen, dass die Verbraucher profitieren. Wir gehen davon aus, dass sie es tun werden.“ EU-Kommissar Ciolos sagte, durch die Übereinkunft könnten teils die Preise für importierte Bio-Lebensmittel beim Einkaufen sinken, weil sich mit dem Wegfall bürokratischer Hürden auch die Kosten für die Unternehmen verringerten.

Die EU und die USA sind die zwei weltgrößten Märkte für Bio-Lebensmittel. Das Geschäft mit Öko-Nahrung wächst von Jahr zu Jahr auf beiden Seiten des Atlantiks. Dabei überflügelt die Nachfrage der Verbraucher das Produktionsvolumen der Landwirtschaft.

Agentur
afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Übereinkunft: EU und USA erkennen Bio-Produkte gegenseitig an"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • US-amerikanische Bio-Lebensmittel lönnen auch gentechnisch veränderte Lebensmittel sein.
    Das ist deutlich mehr als ein "kleiner Unterschied".

    Unsere Presse sollte das nicht herunterspielen.

  • Auf die Idee, die Subventionen für die Land- und Viehwirtschaft gänzlich zu streichen, scheint noch niemand gekommen. An dieser Stelle würde ich denen, die das immer noch bejahen mit auf den Weg geben, macht doch einmal eine Umfrage bei den mittleren und kleineren Betrieben in diesem "Wirtschaftszweig". Sie werden mächtig die Augen verdrehen, ob der Akzeptanz ohne Subvention sind natürliche Produkte ohne Konkurrenz. Gerade dies kann ein Lloyds allgegenwärtiger Lobbykraten nachhaltig, weil gewohnheitsmäßig unterlaufen.

    Wissen wir nur zu gut, wo "bio" oder "Bio" draufsteht, das hat man gefälligst zu lesen. Ob es so sei, muß man nicht unbedingt glauben.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%