Überraschender Vorstoß
Talabani schlägt Abzug von 50 000 US-Soldaten vor

Überraschend hat Iraks Präsident Dschalal Talabani den USA den Abzug von bis zu 50 000 US-Soldaten zum Jahresende angeboten. Talabani sagte in einem Interview, der sei inzwischen dazu im Stande, die Soldaten durch eigene Kräfte zu ersetzen und damit mehr Verantwortung zu übernehmen.

HB BAGDAD. Einige US-Soldaten könnten sogar sofort abgezogen werden, sagte der Staatschef weiter unter Hinweis auf die Fortschritte beim Wiederaufbau der irakischen Armee. Talabani kündigte an, das Thema bei seinem bevorstehenden Treffen mit US-Präsident George W. Bush zu diskutieren. Ein hochrangiger Berater des irakischen Staatschefs sagte, Talabani habe mit den Aussagen keinen konkreten Zeitplan für einen Truppenabzug verknüpft. Die nötige Stärke der US-Armee hänge weiter vom Verlauf des Aufstandes irakischer Rebellen und dem Ausbildungsstand der irakischen Armee ab.

„Amerika hat das volle Recht, Kräfte vom Irak nach Hause zu verlegen, nun, da wir sie mit unseren Kräften ersetzen können“, sagte Talabani der „Washington Post“. „Nach meiner Ansicht können mindestens 40 000 bis 50 000 bis Ende des Jahres abgezogen werden.“ Noch vor wenigen Tagen hatte Talabani vor einem verfrühten Abzug von US-Soldaten gewarnt und gesagt, die Truppe könne im Verlauf der nächsten beiden Jahre nach und nach reduziert werden.

Die USA haben rund 140 000 Soldaten im Irak im Einsatz und eigenen Angaben zufolge rund 190 000 irakische Kräfte so weit ausgebildet, dass sie kampfbereit sind. Jüngste Berichte der US-Armee haben deren Fähigkeiten jedoch in Frage gestellt und Bush hat bislang keinen Termin für einen Abzug genannt. Der US-Präsident steht allerdings nach dem schleppenden Anlauf der Hilfen für die Hurrikan-Region im Süden des Landes verstärkt in der Kritik wegen des umfangreichen Irak-Einsatzes. Ein Abzug von Truppenteilen könnte den Druck auf ihn vermindern.

Die irakische Armee setzte derweil ihre Offensive in Tel Afar, einer Stadt im Grenzgebiet zu Syrien, fort. Es sei damit zu rechnen, dass der Einsatz bald beendet werden könne, sagte ein Sprecher. „Tal Afar ist von allen Seiten umstellt. Die irakische Armee jagt die Terroristen durch die engen Gassen der Stadt.“ Den Angaben zufolge tötete die Armee am Dienstag 14 weitere Aufständische und nahm 35 fest. Die Armee habe zahlreiche Waffenlager ausgehoben und unter anderem 13 Granatwerfer sowie drei Tonnen Munition gefunden.

Präsident Talabani hat in den vergangenen Tagen wiederholt unterstrichen, dass die irakischen Truppen diese Offensive erstmals selbst leiten. US-Truppen leisten lediglich Unterstützung. Die irakische Regierung und die USA betrachten die Stadt als Einfallstor für ausländische Rebellen.

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