Ukraine-Konflikt
Russische Rebellen starten Großoffensive

In der Ostukraine bekämpfen sich Separatisten und ukrainische Truppen weiter aufs Schärfste. Ein Krankenhaus wurde von einer Granate getroffen. Bundesaußenminister Steinmeier nennt die Lage „brandgefährlich“.
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Kiew/BerlinDie prorussischen Separatisten haben nach Angaben des ukrainischen Militärs im Osten des Landes eine Großoffensive gestartet. Allein in den vergangenen 24 Stunden seien 80 Ortschaften und Stellungen mit Raketen sowie Artillerie angegriffen worden, sagte ein Militärsprecher am Mittwoch. Zwei Soldaten seien getötet und 18 verletzt worden. Die Verwaltung der Rebellenhochburg Donezk meldete unterdessen, ein Krankenhaus sei von einer Granate getroffen worden. Es habe Tote und Verletzte gegeben, hieß es auf der Internetseite der Stadtverwaltung. Bundeskanzlerin Angela Merkel sprach von einer "sehr ernsten Lage".

Die US-Regierung teilte mit, dass bei Gesprächen von Vizepräsident Joe Biden mit Merkel am Wochenende in München auch über die "Notwendigkeit höherer Kosten für Russland" gesprochen werde. Der Kandidat für den Posten des US-Verteidigungsministers, Ashton Carter, sprach sich in einer Anhörung des Senats in Washington dafür aus, die Ukraine auch mit Waffen zu versorgen. Am 12. Februar sollen die EU-Regierungen über weitere Sanktionen entscheiden.

Besonders umkämpft ist die Ortschaft Debaltsewe nordöstlich von Donezk. Die Separatisten wollen diesen Eisenbahnknotenpunkt erobern, der nach Angaben westlicher Beobachter im Minsker Abkommen aber der Kontrolle durch die ukrainische Armee zugeschlagen würde. Mit der Eroberung der Stadt würden die Separatisten eine Verbindung zwischen den beiden von ihnen kontrollierten Gebieten Luhansk und Donezk erhalten.

Der ukrainische Ministerpräsident Arseni Jazenjuk sprach der Agentur Interfax-Ukraine zufolge von 2500 Zivilisten, die in Sicherheit gebracht worden seien. Die ukrainische Generalstaatsanwaltschaft teilte mit, dass bei einem Artillerieangriff nahe eines Krankenhauses bei Donezk bis zu zehn Zivilisten getötet worden seien sollen.

Seit der Vereinbarung einer Waffenruhe im September haben pro-russische Rebellen Militärangaben zufolge etwa 300 ukrainische Soldaten getötet. Am Wochenanfang kündigten die Separatisten eine Massen-Mobilmachung an. Ziel sei eine Streitmacht von 100.000 Mann. Die USA hatten sich zuletzt zu möglichen Waffenlieferungen an die ukrainische Armee zurückhaltend geäußert.

Trotz der Eskalation betonte Merkel, dass sie an der Politik von Verhandlungen mit Russland festhalten wolle. "Ich halte den Ansatz nicht für gescheitert", sagte sie in Berlin. Auch Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier warnte davor, die im September zwischen Russland, der Ukraine und den Separatisten erzielten Vereinbarungen von Minsk nun über Bord zu werfen. "Ich sehe es als unsere Verantwortung, alles in unser Macht stehende zu tun, damit dieser Konflikt nicht vollkommen außer Kontrolle gerät", sagte er den "Nürnberger Nachrichten". Zudem sprach er sich gegen Waffenlieferungen an die Ukraine aus. "Aber zu hoffen, dass mehr Waffen zur Entschärfung des Konfliktes beitragen, geht weit an der Realität in der Ostukraine vorbei. Im schlimmsten Falle würden sie den ohnehin schon so blutigen Konflikt noch weiter verlängern."

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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  • werter Herr Stark, sie können 1000mal schreiben und nach Beweisen rufen, alle, die ganze Welt weiß was hier wirklich gespielt wird. Der Putin und seine Kampfgenossen vertuschen das alles so geschickt dass keine "Beweise" entstehen können. Will das nicht in ihren und in den Kopf ihrer Schreibgenossen!!??

  • 1. Im Vergleich zum BSP hat Russland das weit höhere ausgewiesene Militärbudget als di USA. Ich betone ausgewiesene, da nur Schätzungen möglich sind, vieles läuft verdeckt ab.

    2. 150 haben Sie aus der Tasche gezogen. Fakt ist, kein Land indem US Streitkräfte stationiert sind, wurde annektiert, die Bevölkerung deportiert. Diese Vorgehensweise ist russisch, die Polen, Finnen, Japaner, u.v.A. müssen das erdulden.

    3. Es ist richtig dass die US nicht immer richtig lagen, speziell im Nachhinein ist es einfach zu kritisieren. Im koreanischen Krieg sind hunderte von russischen Maschinen abgeschossen worden, die meisten russischen Piloten haben es nicht überlebt. Russland zieht es vor, Stellvertreterkriege zu führen und die Beteiligung abzustreiten, wie heute in der Ukraine.

    4. Die Nato ist Initial genau so wie sie bei ihrer Gründung war. Die neuen Mitglieder sind die, die vom russischen Bären bedroht werden.

    Ich möchte hier festhalten, dass die russische Bevölkerung nicht viel vom natürlichen Reichtum des russischen Bodens gesehen hat. Die allermeisten Siedlungen ausserhalb der grossen Städte haben einen mittelalterlichen Entwicklungsstand. Nur die obersten Zehntausend feiern ihre Orgien und stützen Putin, der sie seinerseits gewähren lässt, inklusive die Ultranationalisten. Das ist die russische Realität.
    Schade um das wunderbare Land, das zahllose Dichter und Komponisten hervorgebracht hat. Nur damals waren keine Retrokommunisten an der Macht, das war der Unterschied.

  • @Herr Josef Duffner
    Tue ich nicht. Ich habe auch nie behauptet, dass es in den USA nicht mehr als genug Leute gäbe, die Putin an Skrupellosigkeit und Rücksichtslosigkeit in nichts nachstehen. Oder dass die Amis bessere Menschen als die Russen seien (kultiviertere schon mal gar nicht).
    In den USA vereint aber keine Einzelperson solch eine gefährliche Machtfülle auf sich, dass er quasi nach Belieben über das Schicksal aller bestimmen kann.
    Und alle anderen de facto kaum eine Möglichkeit haben, selbst etwas zu bewegen, damit sich an Missständen etwas ändert.
    Oder korrigierend einzugreifen, wenn etwas außer Kontrolle zu geraten droht.

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