Ukraine-Konflikt
Schlachtfeld Youtube

Ein Youtube-Video bringt die ukrainische Ex-Regierungschefin Timoschenko in Bedrängnis. Nicht zum ersten Mal tauchen pikante Gespräche zum Ukraine-Konflikt dort auf. Bei Youtube tobt der Kampf um die Meinungshoheit.
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DüsseldorfEs ist nur ein kurzer Ausschnitt, aber er reicht aus um Zweifel am Geisteszustand der wichtigsten ukrainischen Politikerin zu wecken. In einem offensichtlich abgehörten Telefonat droht die Ex-Regierungschefin Julia Timoschenko dem russischen Präsidenten Wladimir Putin mit dem Tod. „Ich bin selbst bereit, eine Kalaschnikow in die Hand zu nehmen und dem Dreckskerl in den Kopf zu schießen“, sagt Timoschenko über Putin einem  bei Youtube veröffentlichten Telefonat mit Nestor Schufritsch, dem früheren Vizesekretär des Nationalen Sicherheitsrates der Ukraine.

Seit sich der Konflikt in der Ukraine zugespitzt hat, sind gleich mehrere solcher Youtube-Videos mit pikantem Inhalt aufgetaucht. Dabei gibt es eine auffällige Gemeinsamkeiten: Stets sind es westliche und ukrainische Politiker, die in Fettnäpfchen tappen. Etwa die amerikanische Europaberaterin Victoria Nuland. Sie lässt sich in einem abgehörten Telefonat zu der Aussage „Fuck the EU“ hinreißen. In einem anderen Gespräch kritisiert die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton die neue ukrainische Regierung.  Der Konflikt in der Ukraine ist ein Kampf um die öffentliche Meinung. In diesem Kampf ist die Plattform Youtube zu einem wichtigen Schlachtfeld geworden. Das zeigen vier Youtube-Fettnäpfchen aus den vergangenen Wochen.

Fettnäpfchen 1: „Ich werde die ganze Welt gegen Russland erheben“

Der aktuellste Fall betrifft Julia Timoschenko. Sie hat inzwischen bei Twitter die Echtheit des Mitschnitts in Teilen bestätigt. Gleichzeitig widersprach sie aber Angaben, wonach sie in dem Gespräch vom 18. März den Einsatz von Atomwaffen gegen die russische Minderheit in der Ukraine gefordert habe. An dem Tag hatte Putin den Vertrag über die Aufnahme der völkerrechtlich zur Ukraine gehörenden Halbinsel Krim in die Russische Föderation unterzeichnet.

In der Aufnahme sagt eine Stimme, die angeblich Timoschenkos sein soll: „Ich werde die ganze Welt (gegen Russland) erheben, sobald ich es kann, damit – verdammt – von Russland nicht einmal ein verbranntes Feld übrig bleibt.“ Eine Serie von Flüchen gipfelt am Ende des Telefonats in der Aussage, dass die acht Millionen Russen, die auf dem Territorium der Ukraine leben, mit Atomwaffen zu erschießen seien. Diesen Teil des Gesprächs hat Timoschenko via Twitter dementiert. Die Aussage über die acht Millionen Russen sei „eine Montage“. Tatsächlich habe sie gesagt: „Die Russen in der Ukraine sind auch Ukrainer."

Putins Sprecher Dmitri Peskow wollte den Vorfall zunächst nicht kommentieren. Es sei unklar, welcher Teil des Telefonats nach Timoschenkos Darstellung wahr und welcher unwahr sei, sagte Peskow. Eines Kommentars bedurften Timoschenkos Aussagen auch gar nicht. Ihrem Ansehen haben sie so oder so geschadet.

Fettnäpfchen 2: „Fuck the EU“

„Fuck the EU.“ Zu Deutsch: „Scheiß' auf die EU.“ Viel deutlicher hätte Victoria Nuland nicht mehr sein können. Peinlich nur, dass sie die Europabeauftragt von US-Außenminister John Kerry ist. Vielleicht hätte die Welt von dieser unpassenden Äußerung niemals etwas erfahren. Wenn nicht auch dieses vertrauliche Telefonat abgehört, mitgeschnitten und ins Netzt gestellt worden wäre– von Unbekannt.

Mister Unbekannt soll Wladimir Putin sein, wenigstens wenn es nach der Meinung der USA geht. Denn Russland habe ein Interesse daran, die damals noch andauernden Vermittlungen des Westens und der Ukraine – vor der Eskalation auf der Krim – zu torpedieren. Ausgeschlossen ist das nicht, doch auch nicht bewiesen. Sympathie in der Ukraine und im Westen haben Nuland diese Worte wohl eher nicht eingebracht.

So oder so, der Mitschnitt des Gesprächs zwischen Nuland und dem US-Botschafter in Kiew, Geoffrey Pyatt, zeigt deutlich die amerikanische Haltung. Offen sprechen sie über den mittlerweile gescheiterten Versuch von Präsident Viktor Janukowitsch, die Oppositionsführer Arseni Jazenjuk und Vitali Klitschko in die Regierung zu holen. Der frühere Boxweltmeister im Kabinett? „Ich glaube nicht, dass das notwendig und eine gute Idee ist“, sagt Nuland.

Kommentare zu " Ukraine-Konflikt: Schlachtfeld Youtube"

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  • "Mister Unbekannt soll Wladimir Putin sein, wenigstens wenn es nach der Meinung der USA geht."
    Tja, ihr widerlichen Kriegstreiber - was ihr könnt, kann mein Freund Putin schon lange .......

  • "In einer Welt von universeller Täuschung ist das Aussprechen von Wahrheit ein revolutionärer Akt".
    GOERGE ORWELL
    Das bitterböse Schauspiel in der Ukraine verdeutlicht dies umso mehr. Es bedarf noch einer ganzen Menge an solchen revolutionären Taten, damit die Welt eine Gerechtere wird und Begriffe wie Frieden, Freiheit, Solidarität und Menschenrechte nicht weiterhin zu leeren Worthülsen verkommen.

  • "Ukraine-KonfliktSchlachtfeld Youtube
    Ein Youtube-Video bringt die ukrainische Ex-Regierungschefin Timoschenko in Bedrängnis."
    Falsche Wortwahl.
    Es ist NICHT das Schlachtfeld Youtube! Es ist das Schlachtfeld menschlicher Handlungsweisen und deren Äußerungen, Es ist das Schlachtfeld derer, die um die Macht kämpfen und denen die Menschen egal sind.
    Nicht der Mitschnitt des Telefonates und das Video bringt die Oligarchin in Bedrängnis. Sie selbst ist es.
    Wer sich allerdings fragen lassen muss, mit welchen Freundinnen sie sich umgibt ist unsere Kanzlerin.

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