Ukraines Mächtige befehden sich
Poroschenko feuert Geheimdienstchef

Ein Machtkampf tobt zwischen ukrainischen Oligarchen und Präsident Poroschenko. Nun errang er einen kleinen Sieg: Der Geheimdienstchef muss gehen – er war wegen zu viel Nähe zu den Oligarchen in Ungnade gefallen.
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KiewNach nur 13 Monaten im Amt ist der Chef des ukrainischen Inlandgeheimdienstes SBU, Valentin Naliwajtschenko, vom Parlament gefeuert worden. Naliwajtschenkos Abwahl wirft ein Licht auf den Machtkampf, der in Kiew zwischen Präsident Petro Poroschenko und einigen Oligarchen ausgebrochen ist.
Naliwajtschenko hat bis zum Schluss an seinem Posten festgehalten, doch als am späten Mittwochabend eine Sitzung der Fraktionschefs mit Präsident Poroschenko zu Ende war, stand fest, dass Naliwajtschenko gehen muss. Poroschenko hatte ihm noch den Posten des Auslandsgeheimdienstchefs angeboten, doch der 49-Jährige lehnte ab.

In der Werchowna Rada, dem Parlament der Ukraine, stimmten 248 von 420 Abgeordneten für den Vorschlag Poroschenkos. Naliwajtschenko, ein gelernter Englisch-Dolmetscher, kam im vergangenen Jahr in das wichtige Amt des Geheimdienstchefs – nur wenige Wochen vor dem Sieg Poroschenkos bei den Präsidentschaftswahlen. Naliwajtschenko gehört derzeit der Udar-Partei des Kiewer Bürgermeisters Vitali Klitschko an, davor war er unter anderem Mitglied der Partei des früheren Präsidenten Viktor Juschtschenko, ab 2006 hatte er bis 2010 bereits die Position des Stellvertretenden Geheimdienstchefs inne.
Kurz vor seiner Entlassung veröffentlichte das Büro Naliwajtschenkos eine Videobotschaft, in der der 49-Jährige erklärte, dass zwischen ihm und dem Milliardär und Oligarchen Dmitri Firtasch keinerlei Beziehungen bestünden. Der Oligarch sitzt seit über einem Jahr in Wien fest, dort steht er wegen Betrugs, Bestechung und Geldwäsche vor Gericht, ist aber auf Kaution frei.
Präsident Poroschenko hatte kritisiert, dass Naliwajtschenko die Untersuchungen gegen Firmen aus der Unternehmensgruppe Firtaschs nicht oder nur schleppend voranbringe. Vor allem das Geschäftsgebaren des Gaszwischenhändlers RosUkrEnergo in den Jahren 2004 bis 2009 sollte untersucht werden. Firtasch soll an dem Unternehmen zusammen mit einem Geschäftspartner zu 45 Prozent beteiligt gewesen sein, 51 Prozent gehören dem russischen Staatskonzern Gazprom.

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  • >> Der Geheimdienstchef muss gehen – er war wegen zu viel Nähe zu den Oligarchen in Ungnade gefallen. >>

    Falschinformation. Oder auch einfach Fake !

    Der Geheimdienstchef Nalivaitschenko musste gehen, weil er den Verantwortlichen für den Raffineriebrand in der Nähe Kievs, der gleichzeitig zum näheren Clan des kriminellen Oligarchen Poroschenko gehört, der Korruption bezichtigt hat.

    Nicht die Propagandameldungen der Kiever Junta weitergeben, verehrtes Handelsblatt, sondern auch mal recherchieren !

    Und auch NICHT den Kommentar mit dem Hinweis " bleiben sie sachlich" verfälschen !


  • Deutschland hätte könnte helfen und einen abgeben.

    Bei entsprechender Gegenforderung könnten auch noch einige Politiker dazu gepackt werden.

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