Umfang: 275 Mrd. Dollar
Hilfe für Hausbesitzer soll US-Krise bremsen

Mit weiteren 275 Mrd. Dollar will US-Präsident Barack Obama die Krise am Wohnungsmarkt in den Griff bekommen, die Kern und Auslöser der aktuellen Rezession ist. 75 Mrd. Dollar gehen an bis zu neun Millionen Hausbesitzer, die akut bedroht sind. "Indem wir die Rate der Zwangsversteigerungen reduzieren, werden wir die Hauspreise für jeden Einzelnen stabilisieren", sagte Obama.

NEW YORK/PHOENIX. Die Hypothekenbanken Fannie Mae and Freddie Mac erhalten noch einmal 200 Mrd. Dollar, um Kreditverträge zu günstigeren Bedingungen umschulden zu können.

Die Krise am Markt für Wohnimmobilien gilt als Kernproblem der US-Wirtschaft, deren Talfahrt sich im Januar weiter verschärfte. Die Industrieproduktion sank im Vergleich zum Vormonat um 1,8 Prozent, zum Vorjahr um zehn Prozent. Der Wohnungsbau ist weiter in der Depression: Im Januar wurden 466 000 Bauten begonnen, 16,8 Prozent weniger als im Vormonat.

Um die Abwärtsspirale zu stoppen, geht Obamas Rettungsplan das Problem an verschiedenen Punkten an. So soll in Verzug geratenen Kreditnehmern durch Streckung von Tilgungs- und Zinszahlungen geholfen werden. Hausbesitzer, die noch Raten zahlen können, deren Gebäude aber weniger Wert sind als die Hypothek, sollen eine günstigere Refinanzierung erhalten. Ohne einen Rettungsplan könnten nach Schätzungen der Großbank Credit Suisse bis 2012 rund 16 Prozent der Hausbesitzer in die Zwangsversteigerung geraten.

Die größte Volkswirtschaft der Welt war 2007 in den Teufelskreis geraten, als die Überschuldung vieler Haushalte die Immobilienblase platzen ließ. Immer mehr Zwangsversteigerungen drückten die Preise, das trieb noch mehr Haushalte in den Notverkauf. Die Betroffenen fuhren den Konsum zurück und lösten die Rezession aus. Zudem destabilisierten die vielen Kreditausfälle das Finanzsystem.

US-Notenbankchef Ben Bernanke zeigte sich vorsichtig zuversichtlich, dass die Maßnahmen der Regierung im Kampf gegen die Kreditkrise Wirkung zeigen. Zwar werde die Konjunktur 2009 noch scharf einbrechen, doch bereits in den kommenden beiden Jahren erwartet die US-Notenbank wieder ein solides Wachstum der größten Volkswirtschaft der Welt. Für 2011 rechnen die Mitglieder des Offenmarktausschusses der Federal Reserve (Fed) mit einem kräftigen Plus zwischen 3,8 und fünf Prozent, heißt es in dem am Mittwoch veröffentlichten jüngsten Sitzungsprotokoll des Gremiums. Für 2010 prognostiziert die Zentralbank ein Wachstum von 2,5 bis 3,3 Prozent. Die Erholung der US-Wirtschaft hänge zuallererst von den staatlichen Maßnahmen ab, sagte Fed-Chef Ben Bernanke. Seien sie "kraftvoll und entschlossen", könnte es bereits in diesem Jahr Anzeichen einer Gesundung geben.

Dennoch rechnet der Offenmarktausschuss, der den Leitzins festlegt, für 2009 damit, dass die US-Wirtschaft zwischen 0,5 und 1,3 Prozent schrumpft. Erstmals veröffentlichte die Fed auch einen längerfristigen Ausblick, der sich über die nächsten fünf bis sechs Jahre erstreckt. Danach sehen die Währungshüter ein Wachstum zwischen 2,5 und 2,7 Prozent.

Auf dem krisengeschüttelten Häusermarkt seien jedoch keine Anzeichen einer Stabilisierung zu erkennen, hieß es. Die Zahlen sprechen für sich: Neun Prozent aller Hypotheken in den USA waren nach Angaben des Immobilienbankenverbandes schon 2008 von Zwangsversteigerungen betroffen oder bedroht. Bis 2012 könnte diese Zahl auf 16 Prozent steigen - wohinter sich acht Millionen Haushalte verbergen. Dem Branchendienst Zillow zufolge verlor der US-Wohnimmobilienmarkt im vergangenen Jahr 3,3 Billionen Dollar an Wert. Bei jedem sechsten Hausbesitzer ist die Hypothek mittlerweile höher als der Wert seines Hauses.

Der marode Zustand des Immobilienmarkts verhindert die schnelle Erholung der US-Wirtschaft. Daher hat Präsident Barack Obama jetzt ein 275 Mrd. Dollar großes Programm zur Unterstützung von Hausbesitzern aufgelegt. Es soll finanziell angeschlagenen Bürgern helfen, ihre Häuser zu behalten. Ziel ist es, den weiteren Verfall der Immobilienpreise zu verhindern, der die Rezession in den Vereinigten Staaten weiter verschlimmern würde. "Wir alle zahlen derzeit den Preis für die Immobilienkrise, und wir alle werden einen noch höheren Preis zahlen, wenn wir nicht handeln", sagte Obama gestern.

Der neue Plan ist wie das am Dienstag in Kraft getretene 787 Mrd. Dollar schwere Konjunkturprogramm Teil der Anstrengungen Obamas, die seit Ende 2007 anhaltende Rezession in den Griff zu bekommen. 75 Mrd. Dollar stellt Obama aus dem Bankenrettungsprogramm Tarp zur Verfügung, um bis zu vier Millionen mit Zahlungsrückständen kämpfende Haushalte vor der Zwangsversteigerung zu bewahren. Mit staatlichen Zuschüssen und Erfolgsprämien sollen privatwirtschaftliche Banken und andere Kreditgeber motiviert werden, die Konditionen so zu verändern, dass kein Notverkauf nötig wird.

Aber auch solche Hausbesitzer, die zwar ihre Raten noch zahlen können, deren Gebäude aber mittlerweile weniger wert ist als die Hypothekensumme, soll geholfen werden. So soll verhindert werden, dass diese Häuser einfach aufgegeben werden, um den Kredit loszuwerden. Wenn solche Kreditnehmer bei den staatlichen Finanzierungsagenturen Fannie Mae und Freddie Mac verschuldet sind, können sie mit diesen eine Verringerung der Raten aushandeln. Da die beiden Agenturen mehr als die Hälfte der US-Hausfinanzierungen kontrollieren, können davon fünf Millionen Hausbesitzer profitieren. Obama rechnete vor, dass dies den Steuerzahler nichts koste: "Was an Einnahmen wegfällt, verhindert größere Verluste in der Zukunft durch Kreditausfälle", sagte er. Um für jeden neuen Hauskäufer günstige Kreditzinsen am Markt herzustellen, sollen Freddie und Fannie den Aufkauf von kreditbesicherten Anleihen deutlich ausweiten und erhalten dafür vom Staat eine Kapitalspritze von 200 Mrd. Dollar.

Obwohl Obama in seiner Rede betonte, mit dem Plan sollten keine Spekulanten gerettet werden, entzündete sich an diesem Punkt heftige Kritik. "Wir senden eine falsche Botschaft an die zukünftige Generation, dass der Staat Spekulanten schon aus der Patsche hilft", sagte David John, Volkswirt bei der Heritage Foundation. Es sei nicht möglich, sicher zu sagen, wer ein "ehrlicher Hauskäufer sei". Zudem helfe das Programm nur kurzfristig, die Symptome der Krise zu lindern. "Es gibt zu viel Leerstand, und erst wenn der abgebaut ist, werden die Hauspreise einen Boden finden."

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