Umweltministertreffen
Polen lässt den Klimafahrplan der EU scheitern

Das weitere Vorgehen für die Senkung des CO2-Ausstoßes in der EU stockt. Grund ist der Widerstand Polens, wo man noch auf Zusagen der „Großverschmutzer“ wartet. Nun wird der Streit zur Chefsache.
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BrüsselPolen hat den EU-Klimafahrplan für die kommenden Jahrzehnte am Freitag gegen die Wand fahren lassen. Am Widerstand Warschaus scheiterte auf einem Umweltministertreffen in Brüssel die Festlegung auf die nächsten Schritte, mit denen die Reduzierung des CO2-Ausstoßes um 80 Prozent bis zum Jahr 2050 erreicht werden soll. Deutschland hatte mit einer Reihe anderer Länder für eine Festlegung auf konkrete Meilensteine gepocht, wie sie von der Kommission vorgeschlagen worden waren. Doch Polen lies sich nicht umstimmen, wie aus Diplomatenkreisen verlautete. Der Streit wird nun auf dem nächsten EU-Gipfel im Juni zur Chefsache.

Das Scheitern ist eine Schlappe für Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) und EU-Klimakommissarin Connie Hedegaard. Beide hatten dafür gekämpft, dass für 2020 ein Reduktionsziel von 25 Prozent vereinbart wird. Nach Berechnungen Hedegaards wäre das wegen der Wirtschaftskrise ohne zusätzliche Anstrengungen möglich. Auch für die Jahre 2030 und 2040 sollten Etappenziele vereinbart werden. Denn nur so sei auch das Fernziel von minus 80 bis 95 Prozent bis zur Jahrhundertmitte erreichbar.

Trotz seiner isolierten Position ließ sich Warschau aber nicht umstimmen. Polen will jedes weitere Vorpreschen der EU stoppen und erst auf verbindliche Zusagen der anderen Großverschmutzer wie China und die USA warten. Greenpeace reagierte empört. Das Land „bekräftigt sein Image als überholte Wirtschaft, die den Fortschritt auf einem ganzen Kontinent aufhält“, erklärte Greenpeace-Klimasprecher Joris den Blanken. Europa müsse sich dringend von teuren Öl- und Kohleimporten befreien, die die Wirtschaft belasteten und das Klima schädigten.

Agentur
dapd 
DAPD Deutscher Auslands-Depeschendienst GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Umweltministertreffen: Polen lässt den Klimafahrplan der EU scheitern"

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  • Biobauer
    Es ist schon schön, wenn jemand dem deutschen Klimaschwachsinn und dem deutschen Energiekasperletheater paroli bietet.Denn am deutschen Wesen wird die Welt sicher nicht genesen ,auch wenn sie es immer wieder versuchen........

  • Zitat:
    "Europa müsse sich dringend von teuren Öl- und Kohleimporten befreien..."

    Im Prinzip richtig. Es kann nicht schaden, ein bißchen unabhängiger zu sein.
    Doch was passiert mit dem eingesparten Öl und der Kohle? Bleibt das dann im Boden? Wenn nicht, wenn nur andere Länder es dann verbrauchen, warum machen wir uns das Leben dann so schwer?
    Ich fordere daher die sofortige Schließung von 25% aller Ölquellen und Kohleflöze.

  • @Moppelmann
    5 minunten würden mir ja schon reichen, würde die Probleme auch schon hinreichend lösen ;-)

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