Umweltschutz
Pipeline-Gegner verlassen US-Protestcamp

Das Teilstück einer Pipeline ist ein Milliardenprojekt, gegen das sich Widerstand von Aktivisten regt. Nun haben Behörden eine Räumungsfrist für ein Protestlager gesetzt. Viele setzen den Protest an anderer Stelle fort.
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Cannon BallViele Gegner einer Pipeline in North Dakota haben ein Protestlager vor einer von Behörden festgesetzten Räumungsfrist verlassen. Nach deren Ablauf kam es jedoch zwischen Demonstranten und Polizisten zu einer Konfrontation, bei der es Festnahmen gab. Zuvor hatten Protestler im Lager bei einer Abschiedszeremonie Feuer gelegt. Eine Siebenjähriger und eine 17-Jährige mussten nach Behördenangaben mit Verbrennungen in ein Krankenhaus gebracht werden.

Ureinwohner und Umweltschützer wehren sich gegen Bau des letzten Teilabschnitts einer Ölleitung unter einen Stausee das Flusses Missouri. Einmal abgeschlossen, soll die Pipeline über die Staaten South und North Dakota und Iowa nach Illinois transportieren.

Vor allem örtliche Sioux-Stämme sehen in dem Projekt eine Bedrohung für ihre heiligen Stätten und ihre Wasserversorgung. Im auch als Oecti Sakowin bekannten Lager harrten einige Demonstranten schon seit fast einem Jahr aus, auf dem Höhepunkt der Proteste waren es Tausende. Zuletzt beschäftigte der Pipeline-Streit die Justiz, die Zahl der Lagerbewohner pendelte sich bei einigen Hundert ein.

Das Camp befindet sich auf einem öffentlichen Grundstück zwischen einem Reservat des Sioux-Stamms Standing Rock und der Pipeline-Route. Der Pionierkorps des US-Heeres setzte nun mit Verweis auf drohende Überschwemmungen eine Räumungsfrist.

Viele der Protestler zogen freiwillig ab. Nach Fristende verhöhnten bis zu 75 von ihnen vor dem Lager die Polizei, die mit fünf großen Transportern angerückt war. Rund zehn Personen wurden daraufhin in Gewahrsam genommen, weil sie Räumungsbefehle missachtet hätten, teilten die Behörden mit. Bei Anbruch der Dunkelheit hätten noch rund 50 Menschen im Lager ausgeharrt, sagte Levi Bachmeier, ein Berater von North Dakotas Gouverneur Doug Burgum.

Zu jenen, die nicht weichen wollten, gehörte der Suchtberater Charles Whalen aus Mille Lacs in Minnesota. Er und eine Gruppe mit rund 20 Aktivisten seien notfalls willens, sich festnehmen zu lassen, um ihren Standpunkt zu vertreten, erklärte er. „Passiver Widerstand. Wir werden nichts Negatives tun. Es geht um Gebet.“

Für Protestler, die das Gelände freiwillig verließen, stellten die Behörden mehrere Busse bereit. Sie brachten sie in die Stadt Bismarck, wo sie für eine Weiterreise versorgt wurden.

Einige der Aktivisten wollten ihren Protest nun auf privatem Land weiterführen, sagte eine Anführerin, Phyllis Young. „Freiheit ist unsere DNA, und wir haben keine Wahl als den Kampf fortzusetzen.“

Agentur
ap 
Associated Press / Nachrichtenagentur

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