UN-Generalsekretär
Annan ruft Iraker bei Besuch zur Versöhnung

Bei seinem ersten Besuch im Irak seit dem Sturz von Machthaber Saddam Hussein 2003 hat UN-Generalsekretär Kofi Annan das Volk zur nationalen Versöhnung aufgerufen. Überschattet wurde der unangekündigte Besuch von neuer Gewalt. Zudem sorgte die Meldung des Todes von Husseins früherem Stellvertreter für Unruhe.

HB BAGDAD. Die politische Entwicklung des Golfstaates müsse so ausgerichtet sein, dass sich alle Bevölkerungsgruppen vertreten fühlten, sagte Annan am Samstag in Bagdad nach einem Treffen mit Regierungsvertretern. Ähnlich hatte sich am Vortag mit Blick auf die anstehenden Parlamentswahlen auch US-Außenministerin Condoleezza Rice geäußert. Auch sie war überraschend in den Irak gereist. Beide Besuche wurden aus Sicherheitsgründen im Vorfeld geheim gehalten. Bei einem Bombenanschlag in der Hauptstadt unweit des hochgesicherten Regierungsviertels kamen nach Polizeiangaben mindestens fünf Menschen ums Leben, 20 weitere wurden verletzt.

„Der politische Wechsel muss transparent sein und den Erwartungen aller Gruppen gerecht werden“, betonte Annan. Sehr angetan sei er daher von dem Vorschlag der Arabischen Liga, eine nationale Versöhnungskonferenz abzuhalten. Mit Blick auf die anhaltenden Anschläge vor allem sunnitischer Rebellen in dem Golfstaat sagte Annan: „Diese Region hier, insbesondere der Irak, hat zu sehr unter terroristischen Angriffen gelitten.“ Das Leid der Betroffenen berühre auch Menschen, die weit entfernt vom Irak lebten. Am Vortag war Annan in die jordanische Hauptstadt Amman gereist, die in dieser Woche von den schwersten Bombenanschlägen in der jüngeren Geschichte des Landes erschüttert wurde.

Annan traf in Bagdad nicht nur Mitglieder der von Schiiten und Kurden angeführten Regierung, sondern auch sunnitische Politiker. Auf der Agenda standen zudem Gespräche mit Vertretern der Vereinten Nationen (UN). Die UN haben ihre Präsenz nach dem schweren Anschlag auf ihr Hauptquartier in Bagdad im August 2003 stark reduziert. Damals waren 22 Menschen getötet worden, darunter auch Annans Irak-Beauftragter Sergio Vieira de Mello. „So schwierig es auch sein mag, wir müssen unsere Arbeit hier fortführen und alles tun, um den Irak zu stabilisieren und zu befrieden“, sagte Annan. Der UN-Sicherheitsrat hatte erst kürzlich für eine Verlängerung des Mandats der US-geführten Truppen bis Ende 2006 gestimmt, wie sie von der irakischen Regierung erbeten worden war.

Wer hinter dem jüngsten Anschlag in Bagdad stand, war zunächst unklar. Nach der Explosion auf dem belebten Markt gingen Augenzeugen zufolge mehrere Geschäfte in Flammen auf. Viele Menschen seien in den Läden eingeschlossen gewesen. Nur wenige Tage zuvor hatte ein Selbstmordattentäter in einem Bagdader Restaurant dutzende Menschen mit in den Tod gerissen. Die USA befürchten, dass die Anschläge vor den Wahlen Mitte Dezember noch einmal deutlich zunehmen könnten. Seit dem Einmarsch der US-Truppen in den Irak haben die Attentate der Aufständischen im Irak schon tausenden Menschen das Leben gekostet.

Anhänger der Baath-Partei des gestürzten irakischen Präsidenten Saddam Hussein haben unterdessen offenbar Berichte bestätigt, nach denen dessen Stellvertreter Issat Ibrahim al-Duri tot sein soll. Auf einer von den Baath-Anhängern genutzten Internetseite hieß es am Samstag, Ibrahim sei am frühen Freitagmorgen gestorben.

Der 1942 geborene Ibrahim war das hochrangigste Mitglied der ehemaligen irakischen Regierung, das noch auf freiem Fuß war. Er unterstützte Saddam bei dem Umsturz 1968, der die Baath-Partei an die Macht brachte. Bis zuletzt stand er auf der US-Liste der meistgesuchten Iraker. Für seine Ergreifung waren zehn Millionen Dollar ausgesetzt.

Am Freitag hatte bereits der arabische Sender Al Arabija unter Berufung auf eine Erklärung der Baath-Partei vom Tod Ibrahims berichtet. Ministerpräsident Ibrahim Dschaafari erklärte daraufhin, der Tod Ibrahims wäre eine gute Nachricht für den Irak und ein Schlag gegen die Aufständischen.

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