UN-Sondergericht
Prozess gegen liberianischen Expräsidenten Taylor beginnt

Vor einem Sondergericht der Vereinten Nationen in Den Haag der Prozess gegen den früheren liberianischen Präsidenten Charles Taylor begonnen. Der frühere Warlord muss sich wegen seiner Gräueltaten im benachbarten Sierra Leone verantworten. Er hat jede Schuld zurückgewiesen. Bei einer Verurteilung droht ihm lebenslange Haft.

HB DEN HAAG. Vor dem Den Haager Sondertribunal für Sierra Leone (TSSL) hat am Montag der Prozess gegen den ehemaligen Präsidenten von Liberia, Charles Taylor, begonnen. Der 59-jährige Angeklagte verweigerte die Teilnahme an den Verhandlungen. In einem Schreiben an das Gericht erklärte Taylor, er erwarte angesichts der ungleichen Gewichtung zwischen Anklage und Verteidigung keinen fairen Prozess.

Als erster früherer Staatschef Afrikas muss sich Taylor vor einem internationalen Gericht für Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit verantworten. Er hatte laut Anklage einen blutigen Konflikt im benachbarten Sierra Leone angezettelt, bei dem zwischen 1991 und 2001 rund 120.000 Menschen ums Leben kamen. Vor dem Konflikt in Sierra Leone löste Taylor 1989 bereits in seinem eigenen Land einen blutigen Bürgerkrieg aus, der erst 2003 beigelegt wurde. Bei den Kämpfen in Liberia und Sierra Leone kamen insgesamt rund 400 000 Menschen ums Leben. Taylor soll sich unter anderem auch persönlich bereichert und das Geld ins Ausland geschafft haben.

Verfolgt werden aber nur die Taten, die nach einem ersten Friedensabkommen 1996 zwischen der Regierung von Sierra Leone und der von Taylor kontrollierten Rebellenbewegung Revolutionäre Front (RUF) begangen wurden. Das TSSL hatte bereits 2003 Anklage gegen Taylor erhoben. Doch Nigeria, wohin Taylor 2003 ins Exil gegangen war, lehnte eine Auslieferung zunächst ab. Erst im März 2006 gab Nigerias damaliger Staatschef Olusegun Obasanjo nach. Kurz darauf wurde Taylor auf der Flucht festgenommen und nach Den Haag überstellt.

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