Unabhängigkeit von Öl
Japan entwickelt neuen kommerziellen Brutreaktor

Ein neuer schneller Brüter soll in Japan konventionelle Atomreaktoren bis zum Jahr 2050 ablösen. Tokio will einen kompletten Brennstoffkreislauf aufbauen. Hinter den Anstrengungen steckt der Wunsch nach einer Unabhängigkeit von Öl und der Senkung von Treibhausgasen.

TOKIO. Die japanische Regierung hat dem Schwerindustrieunternehmen Mitsubishi Heavy den Auftrag gegeben, einen kommerziellen Brutreaktor zu entwickeln und zu bauen. In Japan lief von 1994 bis 1995 bereits ein schneller Brüter namens Monju, der nach einem Unfall vorerst still liegt. Ein Forschungsreaktor dieses Typs, der wesentlich kleinere Joyo, läuft noch. Auch Indien und China bereiten den Bau von Brutreaktoren vor.

Deutschland hat in den 80er-Jahren in Kalkar mit dem Bau eines schnellen Brüters begonnen, das Projekt aber wegen Sicherheitsbedenken aufgegeben. In Japan gehört ein kompletter Brennstoffkreislauf inklusive Wiederaufbereitungsanlage und Brutreaktoren zu den strategischen Zielen in der Energiepolitik. „Bis 2025 soll ein Prototyp für einen Brutreaktor laufen“, sagt Junichi Nakagawa von der Energieabteilung des Wirtschaftsministeriums. Bis 2050 ist der reguläre Betrieb von Meilern dieses Typs durch Energieversorger vorgesehen. Dann soll eine Brennelementefabrik zur Bestückung der Reaktors in industriellem Stil fertig sein.

In der Nähe des nordjapanischen Dorfes Rokkasho steht bereits eine Wiederaufbereitungsanlage, die noch in diesem Jahr in den regulären Betrieb gehen soll. Zusammen mit Einsparungen und dem Ausbau von Erneuerbaren Energiequellen werde der Ausbau der Kernkraft Japan von Öl unabhängiger machen und den Ausstoß von Treibhausgasen senken, so Nakagawa. Im vergangenen Jahr hat die Regierung ihren aktualisierten Langfristplan für die Entwicklung der Energieversorgung vorgelegt, in dem auch der geschlossene Nuklearkreislauf vorgesehen ist. Das Auffinden einer geeigneten Endlagerstätte bis zum Jahr 2025 steht ebenfalls in dem Plan.

Ein Brutreaktor erzeugt beim Betrieb spaltbares Material, das – nach Behandlung in einer Wiederaufbereitungsanlage – wiederum als Kernbrennstoff dient. Die schnellen Brüter lassen sich auch mit Brennelementen bestücken, in die Abfall aus anderen Kraftwerken gemischt wurde. Damit lässt sich importiertes Uran fünfzig mal besser nutzen als mit herkömmlichen Reaktoren. Durch die Kühlung mit dem reaktionsfreudigen Element Natrium ist das Unfallrisiko allerdings auch besonders hoch.

Ab März 2008 soll bei Mitsubishi Heavy ein Team aus Ingenieuren und Physikern an dem Brutreaktor arbeiten, sagte Yutaka Sagayama von der Atomenergiebehörde. Ziel sei ein Reaktor für die Nutzung von Mischoxid-Brennelementen aus Plutonium und Uran. Nachdem die Presse aufgedeckt hat, dass Kraftwerkbetreiber seit den 80er-Jahren eine Reihe von Störfällen vertuscht haben, war auch in Japan die Zustimmung zur Kernkraft etwas gesunken. Die Baukosten des seit über zehn Jahren still liegenden Monju lagen bei vier Mrd. Euro. Er soll 2008 wieder ans Netz gehen.

Finn-Robert Mayer-Kuckuk
Finn Mayer-Kuckuk
Handelsblatt / Korrespondent Peking
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