Ungarn
Regierungsgegner in Guerillamanier

Auch in der vergangenen Nacht haben sich gewalttätige Gegner des ungarischen Regierungschefs Ferenc Gyurcsany in den Straßen von Budapest Straßenschlachten mit der Polizei geliefert. Die war zwar diesmal besser vorbereitet, doch die Straßenkämpfer machten ihnen in kleinen Gruppen das Lebens schwer.

HB BUDAPEST. Bei Zusammenstößen zwischen Bereitschaftspolizisten und Demonstranten wurden in der Nacht zum Mittwoch nach offiziellen Angaben etwa 50 Menschen verletzt; in der vorangegangenen Nacht waren es etwa 200 gewesen. Im Anschluss an eine Kundgebung von etwa 10 000 Gyurcsany-Gegnern auf dem Kossuth-Platz vor dem neogotischen Parlamentsgebäude suchten kleine Gruppen von gewaltbereiten Demonstranten die Auseinandersetzung mit der Polizei.

Die Beamten wurden mit Steinen und Flaschen beworfen; ein Streifenwagen und Müllbehälter gingen in Flammen auf. Die Regierungsgegner blockierten eine Kreuzung im Stadtzentrum mit Müllcontainern und Parkbänken. Die auf etwa 1000 Beamte verstärkte Polizei setzte Tränengas und Schlagstöcke ein; auch berittene Polizisten waren im Einsatz.

Mit Wasserwerfern hinderten die Beamten die Menge daran, zur Zentrale der sozialistischen Partei zu gelangen. In der Nacht zum Dienstag waren Demonstranten in die Sendezentrale des staatlichen Fernsehens eingedrungen und hatten das Erdgeschoss verwüstet. Die beiden staatlichen Fernsehsender sendeten 80 Minuten nicht. Die Polizei sprach von den schwersten Krawallen in dem 10-Millionen-Einwohner-Land seit 1984.

Auslöser der Unruhen war die Veröffentlichung eines Tonbandprotokolls aus einer Fraktionssitzung der regierenden Sozialisten (MZSP). Demnach sagte Ministerpräsident Gyurcsany kurz nach der Parlamentswahl vom 23. April, er habe die Öffentlichkeit über den Zustand der Wirtschaft belogen, um seine Wiederwahl zu sichern.

Forderungen nach einem Rücktritt der Regierung schloss sich auch Oppositionsführer Viktor Orban vom Ungarischen Bürgerbund (Fidesz) an. Er bezeichnete Gyurcsany als „kranken, lügnerischen Dilettanten“. Der Regierungschef lehnte die Forderungen ab. „Ich bleibe und ich erledige meinen Job“, sagte Gyurcsany. Die Straßenproteste dürften in den nächsten Tagen weitergehen. Studenten haben für Donnerstag zu einer großen Demonstration gegen die Regierung aufgerufen.

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