Uno-Klimareport, Teil II
Uno-Klimakonferenz startet mit Kritik an den USA

Gut 2000 Wissenschaftler und Regierungsgesandte haben am Montag in Brüssel ihre Konferenz zum zweiten Teil des Uno-Klimareports begonnen. Die Beratungen starteten mit eindringlichen Apellen, besonders an die Adresse der USA. Sollten sie blockieren, hieß es, seien auch Schwellenländer nur schwer davon zu überzeugen, sich im Kampf gegen den Klimawandel zu engagieren.

HB BRÜSSEL. Die Ergebnisse des Klimarats der Vereinten Nationen (IPCC/Intergovernmental Panel on Climate Change) werden diesen Freitag in der belgischen Hauptstadt vorgestellt. Darin beschreibt der Klimarat die drohenden Folgen der Erderwärmung auf die Regionen der Welt.

Schon im ersten Teil ihres Reports kamen die Forscher zu dem Schluss, dass der Mensch mit großer Sicherheit für den Klimawandel verantwortlich ist. Die EU rief die USA und Schwellenländer wie China und Indien eindringlich auf, sich am weltweiten Kampf gegen den Klimawandel zu beteiligen. „Die Folgen der Erderwärmung sind viel dramatischer, als wir dachten“, sagte der belgische Regierungschef Guy Verhofstadt. Zahlreiche Experten hätten bislang den menschengemachten Klimawandel bestritten. „Die Bedeutung des IPCC liegt darin, dieser Debatte ein Ende zu setzen.“ Jetzt sei entschiedenes Handel gefragt. „Unpopuläre Maßnahmen können wir nicht mehr vermeiden.“ Auch die Verbraucher müssten ihr Verhalten ändern.

Einige Medien hatten bereits über einen Entwurf zum 2. Teil des Reports berichtet, nach dem es steigende Zahlen von Todesfällen, Verletzungen und Erkrankungen durch Hitzewellen, Überschwemmungen, Stürme, Waldbrände und Dürren geben wird. Mehr Hitzetote seien vor allem in Europa und Asien zu befürchten. Einige hundert Mill. Menschen in dicht besiedelten Küstenregionen seien allein durch den Meeresspiegelanstieg bedroht. Mehr als ein Sechstel der Weltbevölkerung lebe laut Klimarat in Regionen, wo Gletscher und Schnee wichtige Wasser-Reservoire sind - die aber „sehr wahrscheinlich“ weiter schwinden würden.

„Die Arbeit des IPCC kann nicht überschätzt werden“, sagte EU-Umweltkommissar Stavros Dimas. Die EU wolle beim Kampf gegen die Erderwärmung mit gutem Beispiel vorangehen und auch den Entwicklungsländern helfen. Notwendig sei aber eine gemeinsame Anstrengung der internationalen Gemeinschaft. Dies werde durch das Verhalten der USA und Australien erschwert, kritisierte Dimas mit Blick auf die Weigerung beider Staaten, das Kyoto-Protokoll zu ratifizieren. Damit haben sich die Industrienationen zu einer Reduzierung ihres Treibhausgas-Ausstoßes verpflichtet. Ein Mitmachen der USA sei „absolut notwendig“, um auch die Schwellenländer ins Boot zu holen. Das sei nicht einfach. „Aber die Aussicht auf Erfolg war noch nie besser.“

Am vierten Uno-Klimareport haben gut 2500 Forscher und 450 Hauptautoren sechs Jahre lang gearbeitet. Grundaussage ist, dass der Mensch den Treibhauseffekt mit unabsehbaren Folgen verstärkt und entschieden gegensteuern muss. Der erste Teil über die wissenschaftlichen Grundlagen war im Februar in Paris präsentiert worden. Teil zwei präzisiert die Auswirkungen auf die Gesellschaft und die Regionen. Teil drei soll die Möglichkeiten beschreiben, den Klimawandel mindestens zu bremsen. Er wird im Mai im thailändischen Bangkok vorgestellt werden.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%