Uno-Weltinvestitionsbericht
Spiel ohne Grenzen

Die Vernetzung der Weltwirtschaft nimmt in rasantem Tempo zu. Angetrieben durch das starke Wachstum, drängen immer mehr Unternehmen ins Ausland. Auch Deutschlands Konzerne mischen kräftig mit. Die attraktivste Standort weltweit für ausländische Investitionen ist allerdings ein anderes Land als die Bundesrepublik.

GENF/FRANKFURT. Supachai Panitchpakdi – sonst eher der nachdenklichere Typ – kam am Dienstag in Genf bei der Präsentation des globalen Investitionsberichts richtig in Fahrt. Die milliardenschweren Geschäfte reflektierten eine „starke wirtschaftliche Performance in vielen Teilen der Welt“, sagte der Generalsekretär der Uno-Konferenz für Handel und Entwicklung (Unctad) euphorisch.

In der Tat lässt der Weltinvestitionsbericht einen Schluss zu: Die Globalisierung gewinnt rasant an Tempo. Weltweit haben die grenzüberschreitenden Investitionen kräftig angezogen – und Deutschland mischt vorne mit.

In der Bundesrepublik investierten ausländische Unternehmen im vergangenen Jahr rund 43 Mrd. US-Dollar. Im Jahr 2005 hatte der hiesige Standort rund sieben Mrd. US-Dollar weniger angezogen. Unter dem Strich floss im zurückliegenden Jahr aber mehr Kapital aus Deutschland ab als angezogen wurde: Deutsche Konzerne wie Siemens, VW und die Deutsche Telekom investierten rund 79 Mrd. US-Dollar jenseits der Landesgrenzen. Ein Jahr zuvor, 2005, hatten sich die deutschen Investoren vergleichsweise zurückgehalten und eine Summe von 56 Mrd. US-Dollar im Ausland angelegt.

Wie viel Boden der Standort Deutschland im globalen Wettbewerb um Investitionen inzwischen gutgemacht hat, zeigen neben dem Unctad-Bericht weitere Studien. So zog die größte Volkswirtschaft der Euro-Zone im zurückliegenden Jahr 222 Investitionsprojekte ausländischer Unternehmen an und machte damit in einem internationalen Vergleich einen Sprung von Platz elf auf sechs. Das geht aus einer Studie der Standort-Beratungsfirma IBM Global Location Strategies vor.

Dass die deutsche Wirtschaft offenbar derart an Attraktivität gewinnen konnte, hat vor allem zwei Auslöser: Der Boom der Weltwirtschaft wurde von einem starken Anstieg der weltweiten Investitionen verursacht – und die Investitionsgüter in erheblichem Ausmaß aus Deutschland geliefert. Wächst die Weltwirtschaft auch in diesem Jahr um über fünf Prozent, wäre es das vierte Boomjahr in Folge. Daneben haben Sanierungskurse viele deutsche Unternehmen deutlich wettbewerbsfähiger gemacht.

„Es dauert immer ein paar Jahre, bis internationale Investoren solche Veränderungen registrieren“, kommentierte Roel Spee, Chef der IBM-Standortberatung für Europa, Afrika und Asien. Dafür werde der positive Effekt noch Jahre anhalten. Die Stärke des Investitionsbooms lässt sich auch daran ablesen, dass deutsche Unternehmen sich von der Finanzmarktkrise weitgehend unbeeindruckt zeigen und nach wie vor weitere Investitionen planen. Das zeigen jüngst erhobene repräsentative Umfragen wie der Handelsblatt Business-Monitor oder die Herbstumfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages unisono. Vor allem Großunternehmen wollen investieren: Mehr als die Hälfte der Firmen mit mehr als 5 000 Beschäftigten hat das der Handelsblatt-Umfrage zufolge vor.

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