Unruhen in Tibet
„Tibet ist nicht frei, Tibet ist nicht frei“

Mit einem mutigen Protest durchkreuzen buddhistische Mönche die Propagandashow, die die chinesische Regierung für ausländische Journalisten in Lhasa organisiert hat. Drei Tage lang sollen sie sich davon überzeugen, dass in Tibet wider Ruhe herrscht - eine vermeintliche Ruhe.

LHASA. Penetranter Brandgeruch hängt in der Luft. Die meisten Geschäfte sind geschlossen, viele Häuser zerstört, einige ausgebrannte Fensterhöhlen nur notdürftig mit Plastikplanen abgedeckt. Die Bürgersteige sind mit Glasscherben übersät. Die Straßen menschenleer – nur Polizisten patrouillieren an einigen zentralen Punkten. Es liegt eine Art Friedhofsruhe über dem Teil Lhasas, in dem überwiegend Tibeter wohnen.

So erlebt eine Gruppe von ausländischen Journalisten bei ihrer Ankunft am Mittwochabend die tibetische Hauptstadt. Es ist der erste Besuch unabhängiger Berichterstatter nach den gewaltsamen Unruhen in Tibet, die Mitte März begonnen haben und die China und den Umgang des Landes mit Minderheiten mal wieder in den Mittelpunkt des internationalen Interesses brachten. Nach Angaben der tibetischen Exilregierung sind bei den Ausschreitungen 140 Menschen umgekommen. China spricht offiziell von 22 Toten, 214 ausgebrannten Geschäften, 56 beschädigten Autos und 61 verletzten Polizisten.

Doch jetzt herrsche wieder Ruhe in Tibet, man habe alles im Griff –das wollen die Behörden offenbar den Journalisten demonstrieren, die sie nach Lhasa flogen. Drei Tage lang sollen sie sich umschauen.

Doch es ist nur eine vermeintliche Ruhe. Die Menschen haben Angst. „Bitte helft uns“, fleht ein tibetischer Lehrer die Journalisten in einem Restaurant in der Innenstadt von Lhasa an. Bedroht fühlen sich aber auch die Chinesen, inzwischen die große Mehrheit der 500000 Einwohner der tibetischen Hauptstadt: „Ich habe Angst vor den Tibetern“, sagt eine Kellnerin.

Ein Soldat, der einige Meter von dem Restaurant entfernt Wache schiebt, warnt die Journalistengruppe unmissverständlich: „Sie sind hier in Tibet, das ist sehr gefährlich.“ Die Korrespondenten sollten die Stadt besser wieder schnellstmöglich verlassen.

Gestern war es mit der Ruhe vorbei – zumindest vorübergehend. Eine Gruppe buddhistischer Mönche unterbrach die Rede eines chinesischen Regierungsvertreters, der mit den Journalisten über die Ausschreitungen in Lhasa sprach. Der Regierungsvertreter sei ein Lügner, riefen die Mönche. „Tibet ist nicht frei. Tibet ist nicht frei“, schrie ein junger Mönch und brach in Tränen aus.

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