Untersuchung nach den Anschlägen in Madrid
Spanien: Aufklärung läuft nur schleppend an

Was geschah wirklich nach dem schrecklichen Blutbad in Madrid? Regierung und Opposition funktionieren den Untersuchungsausschuss zu einer politischen Schlammschlacht um.

HB MADRID. Eigentlich geht es um Aufklärung. Doch der parlamentarische Untersuchungsausschuss zu den Madrider Anschlägen vom 11. März hat bislang kaum Licht ins Dunkel bringen können - eher das Gegenteil. Obendrein ist er zum Ort einer Schlammschlacht zwischen Regierung und Opposition verkommen, die sich gegenseitig vorwerfen, Zeugen manipuliert oder Geheimdokumente an wohl gesonnene Medien weitergegeben zu haben. Nach zwei Wochen scheinen lediglich die Verlierer festzustehen: Die Angehörigen der 191 Toten und die 1500 Verletzten des brutalsten Attentats in der Geschichte Spaniens. Sie warten weiter auf die Wahrheit.

Hätte das Blutbad verhindert werden können? Wurde die Gefahr islamischer Terroristen unterschätzt? Hat die Polizei Hinweise ignoriert? Hat die Regierung von José María Aznar aus Wahlkalkül wissentlich gelogen, als sie die Anschläge der baskischen Untergrund- Organisation ETA zuschrieb? Haben die Sozialisten das Massaker genutzt, um über ihnen nahe stehende Medien gegen die Regierung zu konspirieren und somit die Parlamentswahlen drei Tage später für sich zu entscheiden? Auf all diese Fragen gibt es bislang keine oder allenfalls ungenügende Antworten.

Einigermaßen klar geworden ist, dass die Aznar-Regierung in den ersten Stunden durch einen Irrtum der Polizei darin bestärkt wurde, die ETA stecke hinter den Anschlägen, weil die ersten Informationen über den verwendeten Sprengstoff falsch waren. Aber Innenminister Angel Acebes hielt auch dann noch vehement an der ETA-Urheberschaft fest, als es zumindest schon ernste Zweifel gab und die Polizei bereits eine islamistische Spur verfolgte. Die Sozialisten sind überzeugt, dass dies Absicht war: Die Regierung sei sich bewusst gewesen, dass die Bevölkerung in diesem Fall die Anschläge mit der Unterstützung Spaniens für den Irak-Krieg in Zusammenhang bringen und ihr dafür an den Wahlurnen die Quittung präsentieren würde.

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