Urnengang im Iran
Boykottaufruf überschattet Parlamentswahl

Mit vierstündiger Verspätung haben im Iran am Abend die Wahllokale geschlossen. Die iranische Staatsführung hat die Abstimmungszeiten verlängert, um die Wahlbeteiligung in die Höhe treiben.
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TeheranMit allen Mitteln hat die iranische Führung bei der Parlamentswahl am Freitag eine hohe Wahlbeteiligung zu erreichen versucht. Eine starke Teilnahme der Bürger sei ein Zeichen des Widerstandes gegen Drohungen aus dem Ausland, erklärte die Staatsführung am Wahltag. Die Behörden verschoben die Schließung der Wahllokale um vier Stunden.

Das Innenministerium hatte die Abstimmungsorte mit Verweis auf eine angeblich außergewöhnlich hohe Wahlbeteiligung deutlich länger als geplant geöffnet gehalten. Nach Besuchen in zahlreichen Wahllokalen widersprachen Augenzeugen dieser Darstellung.

Während die Führung eine hohe Beteiligung feierte, rief die Opposition zum Boykott auf. Präsident Mahmud Ahmadinedschad will sich für die Präsidentschaftswahl 2013 in Stellung bringen. Mehrmals verlängerten die Behörden am Freitag die Öffnungszeiten der Wahllokale. Erst in der Nacht schlossen die Wahllokale.

Im Tagesverlauf habe es einen regen Andrang gegeben, berichtete der Staatssender Irib. Augenzeugen in Teheran konnten dies nicht bestätigen. Die Menschen seien eher mit den Vorbereitungen für das persische Neujahrsfest am 21. März beschäftigt, sagten sie. Ein Endergebnis wurde für Anfang kommender Woche erwartet.

der Ausgang der Parlamentswahl wird kaum Auswirkungen auf die Politik des Landes haben. Bei wichtigen Fragen wie dem Atomstreit mit dem Westen und den damit verbundenen Sanktionen hat das Parlament nichts zu sagen. Die Macht liegt bei dem obersten Führer des Landes, Ajatollah Ali Chamenei, und seinen Beratern. Die Wahlbeteiligung sei ein Zeichen des Widerstandes gegen Drohungen aus dem Ausland, erklärte Chamenei nach der Abgabe seiner Stimme.

„Die Wahlbeteiligung wird eine klare Antwort auf die Drohungen der internationalen Imperialisten gegen den Iran sein“, sagte der oberste Führer des Landes weiter. Die beste Antwort darauf komme aus dem täglichen Leben. „Die Wahlen sind eine gute Gelegenheit um zu zeigen, dass ihre Drohungen zwecklos sind.“

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