Urteil erst im Herbst
Elf-Schmiergeldprozess endet in Paris

Mit den letzten Plädoyers der Verteidiger ist am Montag nach fast vier Monaten der Mammut-Schmiergeldprozess um den französischen Elf-Konzern zu Ende gegangen. In dem Verfahren, das nach achtjährigen Ermittlungen am 17. März begann, ging es um veruntreute Gelder und illegale Provisionen in Höhe von umgerechnet 183 Mill. €. Das Urteil wird erst am 12. November verkündet.

HB/dpa PARIS. Die Staatsanwälte hatten bis zu acht Jahre Gefängnis für leitende Direktoren des früher staatlichen Ölkonzerns verlangt. Für den ehemaligen Elf-Chef Loïk Le Floch-Prigent forderten sie fünf Jahre Gefängnis. Le Floch-Prigents damalige rechte Hand, Alfred Sirven, und der einst für Afrika zuständige Elf-Direktor André Tarallo sollen nach dem Plädoyer der Staatsanwaltschaft acht Jahre ins Gefängnis. Die Verteidiger plädierten entweder auf Freispruch oder für mildere Strafen für ihre Mandanten, wobei sie das Strafmaß offen ließen.

Unter den Angeklagten ist der deutsche Geschäftsmann Dieter Holzer, der als eine der Schlüsselfiguren beim Verkauf der ostdeutschen Leuna-Raffinerie gilt. Dabei geht es um 39 Mill. € an mutmaßlichen Provisionszahlungen. Leuna wurde 1992 an Elf verkauft. Für Holzer hat die Staatsanwaltschaft zwei Jahre Haft und zwei Mill. € Strafe gefordert.

Bei den Anhörungen war das Bild eines skrupellosen Umgangs mit Millionensummen im Führungskreis des Elf-Konzerns Anfang der 90er Jahre entstanden. Das leichte Geld führte zu persönlicher Bereicherung, zu betrügerischen Geldgeschäften und zu trickreichen Aktionen unter Mitwirkung findiger Berater im In- und Ausland, um Millionensummen verschwinden zu lassen. Le Floch-Prigent, der den Konzern von 1989 bis 1993 leitete, hatte zwar die Existenz schwarzer Kassen und die Finanzierung der Politik eingestanden, aber keine Namen lebender Politiker genannt.

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