US-Augenmerk auf moslemischen Extremisten-Führer
Bin Laden wohl schwieriger zu finden

Der irakische Ex-Präsident stand neben moslemischen Extremisten Osama bin Laden ganz oben auf der Fahndungsliste der Amerikaner. Nach der Festnahme Saddam Husseins richtet sich das Augenmerk der USA nun ganz auf den zweiten "Staatsfeind Nummer Eins". Doch seine Festnahme dürfte sich deutlich schwieriger gestalten.

HB SINGAPUR. Nach Seit mehr als zwei Jahren sind die USA und ihre Verbündeten auf der Suche nach dem Anführer der El-Kaida-Organisation, die für die Anschläge vom 11. September 2001 verantwortlich gemacht wird. Bislang ohne Erfolg.

Bin Laden ist nach Ansicht vieler Experten weitaus gefährlicher als Saddam, könne er doch weitere Anschläge in den USA und anderen Ländern, vielleicht sogar im Irak selbst, planen. Seine Gefangennahme sei auch eine weitaus größere Herausforderung für US-Truppen und -Geheimdienste. Denn neben den zerklüfteten Gebirgen Afghanistans schütze ihn vor allem die Loyalität der Bevölkerung. „Osama bin Laden wird nicht wie Saddam Hussein als Tyrann gesehen, der Menschen um sich herum niedergemetzelt hat“, sagte Husain Haqqani von der Carnegie-Stiftung am Montag in Washington. „Saddam war völlig isoliert in einem Land, das faktisch unter US-Kontrolle stand, während Osama den Vorteil hat, Verbündete auf beiden Seiten der Grenze (zu Pakistan) zu haben“, sagte Haqqini.

Auch der Terrorismusexperte und Autor Rohan Gunaratna sagte: „Die Amerikaner haben nichts für diese Menschen getan, und sie sehen Osama als ihren Helden an, den sie beschützen werden.“ In der Paschtunen-Region, in der Bin Ladens Versteck vermutet wird, gehört der Schutz eines Gastes noch zum Ehrenkodex. „Jeder, der Osama bin Laden ausliefern würde, würde in der moslemischen Welt als Verräter gelten“, sagte Clive Williams, Experte für Terrorismusbekämpfung der Nationalen Universität Australiens in Canberra. „Eher wären sie bereit, selbst zu Märtyrern zu werden.“ Märtyrertum würde außerdem gemäß der Ideologie der militanten Moslems nach dem Tod belohnt werden. Damit könne Saddams vehement säkulare Baath-Partei nicht dienen. Saddam sei kein Guerilla-Kämpfer mit einem geheimen Netzwerk wie El Kaida gewesen, sagte der pakistanische Taliban-Experte Ahmed Rashid.

Diese Unterschiede seien entscheidend für das weitere Vorgehen, sind sich Experten einig. Denn obwohl seit den Anschlägen des 11. September etwa 460 El-Kaida-Mitglieder festgenommen worden sind, habe die US-Regierung der Jagd auf Bin Laden nicht die notwendige Bedeutung gegeben. „Afghanistan ist ein vergessener Krieg und es ist ein Fehler, ihm keine Aufmerksamkeit zu schenken“, sagte Haqqani. Während die USA in Afghanistan rund 12 000 Soldaten stationiert haben, sind es im Irak mehr als zehn Mal so viele. „Die Amerikaner müssen mehr Reserven aufbringen und mehr Truppen stationieren“, sagte Haqqani. „Das ist absolut notwendig."

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