US-Bonität
„Abwertung ist eine schallende Ohrfeige für die USA“

Die entzogene Spitzenbonität der USA ist ein historischer Moment und könnte die Dominanz des Dollars bedrohen. Für Europa kein Grund zur Schadenfreude, freuen können sich andere Länder.
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New YorkEs ist ein historischer Moment. Die einzig verbliebene Supermacht USA verliert ihre Bonitätsnote der Extraklasse. Nicht unwahrscheinlich, dass dies den Anfang vom Ende der Dominanz des Dollars in den globalen Kapitalmärkten darstellt, auch wenn das noch ein paar Jahrzehnte dauern dürfte. Wichtiger sind zunächst einmal die kurzfristigen Folgen.

Nein, die USA sind nicht pleite und werden es auch kurzfristig nicht werden. Aber die Herabstufung um eine Note auf „AA+“ von „AAA“ ist hochnotpeinlich für das Land, dessen politische Klasse sich selbst auserkoren wähnt, der Welt ein Vorbild zu sein und diese zu führen. Denn die Ratingagentur Standard & Poor’s (S&P) sagt in ihrer Begründung für die Herabstufung laut und deutlich, was auf dem diplomatischen Parkett nur hinter vorgehaltener Hand geäußert würde. Die Politik in Washington ist nicht einmal in der Lage, sich auf die Lösung der eigenen Probleme zu einigen.

„Die Herabstufung spiegelt unsere Haltung wider, dass die Effektivität, die Stabilität und die Berechenbarkeit der politischen Entscheidungsfindung in Amerika und der politischen Institutionen ausgerechnet in Zeiten großer ökonomischer und fiskalpolitischer Herausforderung nachgelassen hat“, heißt es mit Blick auf den unerträglichen Poker der beiden Parteien in Washington um die Anhebung der Schuldengrenze in den vergangenen Wochen, die die Kapitalmärkte in den letzten Tagen weltweit in die Knie zwang.

Und S&P setzt noch einen drauf: Die Bonitätsnote der USA ist nicht nur gesenkt worden, sondern steht für eine mögliche erneute Absenkung unter Beobachtung. Offenbar hat man große Zweifel an der Lernfähigkeit in Washington.

Man möchte S&P für den Mut zu diesem Schritt gratulieren. Die Agentur hat dem politischen Druck stand gehalten und ist konsequent geblieben. Das Signal: Wir gehen nicht nur mit den „Kleinen“ wie Griechenland oder Portugal hart ins Gericht. Dabei steht auf einem anderen Blatt, ob es klug war, die Märkte eine halbe Woche im Unklaren darüber zu lassen, wie man entscheiden würde.

Für Europa ist das Ganze aber überhaupt kein Anlass zu Schadenfreude oder selbstgerechter Überheblichkeit. Denn im Grunde steht es um die politische Klasse auf dem alten Kontinent kaum besser. Seit über einem Jahr kann man sich nicht auf eine endgültige Lösung der Griechenlandkrise einigen. Dadurch hat man sich selbst in eine noch prekärere Lage manövriert.

Auf der politischen Weltbühne ist dieses Ereignis Wasser auf die Mühlen vor allem der Chinesen und anderen aufstrebender Nationen, die sich von der Bevormundung der USA seit langem lösen wollen. Es erleichtert ihnen wieder ein bisschen, ihren Einfluss in anderen Weltgegenden auf Kosten Amerikas und der westlichen Welt auszubauen.

Aber es ist noch nicht zu spät. Amerika und indirekt auch Europa haben eine schallende Ohrfeige erhalten. Sie sollte die Politik endlich zur Besinnung bringen.

Kommentare zu " US-Bonität: „Abwertung ist eine schallende Ohrfeige für die USA“"

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  • Die USA/der Westen leiden an einer Kombination an Welfare, Warfare und, am wichtigsten, Bankfare, und zwar in steigender Reihenfolge.

    Wer die Geschichte der Zentralbanken studiert, sieht den Reiz, den sie auf Politiker+Bankiers haben: Politikern verschaffen die Zentralbanken billiges Fiat-Geld durch die Notenpresse (statt durch politisch schmerzlichere Steuern), den grossen Banken garantieren sie das Überleben! Dies geschieht auf Kosten des einfachen Mannes, der durch die schleichende Vernichtung von Geldwert in Form von Inflation bezahlt, zudem indem die Banken durch die Erzeugung erst von Inflation und dann Deflation den in Not geratenen Besitzenden ihr mühsam Erarbeitetes zum Spottpreis abzwingen und einsammeln, um es dann wieder mit Gewinn zu verkaufen.

    Vor 200 J. schon schrieb President Thomas Jefferson über die den Privatbanken gehörende (inzwischen 3.!) amerikanische Zentralbank (heute 'Federal Reserve'):"The central bank is an institution of the most deadly hostility existing against the principles ... of our Constitution... If the American people allow private banks to control the issuance of their currency, first by inflation and then by deflation, the banks will... deprive the people of all their property...'

    Daher die Forderung eines Endes mit der FED+EZB, damit wieder die Chance besteht, wirtschaftlich zu gesunden und zu bestehen. Wir haben die Köpfe, aber noch nicht die Finanzweltreform, die uns unseren Wohlstand zurückgibt !

  • Um die USA ist mir nicht bange, aber um Deutschland. Die USA koennen die Steuern noch verdoppeln dann sind sie erst da angelangt wo wir heute sind. Sie haben keine Haftung fuer die Schulden anderer Staaten uebernommen im Gegensatz zu Deutschland. Sie haben keine Atomkraftwerke nach Fukusima abgeschaltet und koennen sich mit bezahlbaren Strom autark versorgen. Deutschland jedoch, steht am Rande des Abgrundes durch eine wahnwitzige Euro- und Energiepolitik. Diese wird zu einer vollstaendigen Zerstoerung der Wirtschaft und Landschaft fuehren.

  • Sie haben Deutschland 2 mal besiegt im Verbund mit der halben Welt....Man kann mit Recht behaupten daß Deutschland den Alliierten Technologisch um 1 bis 2 Jahrzehnte vorraus war...besiegt wurde Deutschland nur durch die schiere Masse der Angreifer...

    Jegliche Spitzentechnologie der Amerikaner ab 1945 entstammen der Kriegsbeute aus Deutschland...Siehe "Tarnkappenbomber" "Düsenjet" "Raketentechnik" "Atomtechnik"

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