US-General Craddock
Hardliner übernimmt Nato-Kommando

Die Nato hat einen neuen Oberbefehlshaber. Am Donnerstag übernahm US-General John Craddock das Kommando vom bisherigen Amtsinhaber General James Jones. Zuvor war Craddock für Guantanamo zuständig gewesen.

ebo BRÜSSEL. Der neue „Saceur“ John Craddock wird von seinem Hauptquartier im belgischen Mons die 2,4 Millionen Nato-Soldaten aus 26 Mitgliedsländern kommandieren. Er soll vor allem die Nato-geführte Schutzztruppe Isaf in Afghanistan zum Erfolg führen. Außerdem ist er für die US-Truppen in Europa zuständig. Das so genannte Eucom-Kommando hatte Craddock schon am Montag in Stuttgart übernommen.

Für die Nato bedeutet der Stabwechsel einen Einschnitt. Er kommt zu einer Zeit, in der das Bündnis vor seiner bisher größten militärischen Bewährungsprobe steht. Der Nato-Gipfel in Riga vor einer Woche konnte die Zweifel an der Afghanistan-Mission nicht zerstreuen. Der scheidende General Jones erreichte zwar die Lockerung einiger nationaler Einsatzbeschränkungen. Auch Deutschland sagte Notfall-Hilfe im besonders umkämpften Süden des Landes zu. Vom Ziel, 2 500 zusätzliche Soldaten für den Kampf gegen die Taliban zu erhalten, ist die Nato jedoch immer noch weit entfernt.

Zudem gilt Craddock im Gegensatz zu Jones als Hardliner, der wenig von Europa und der europäischen Sicherheitspolitik versteht. Jones hat am Vietnamkrieg teilgenommen und zuletzt immer öfter Zweifel an der Möglichkeit eines rein militärischen Siegs in Afghanistan oder im Irak geäußert. Damit war er ein idealer Mittler zwischen Europäern und Amerikanern. Selbst beim Streit um die angeblich mangelnde Kampfbereitschaft Deutschlands in Afghanistan wirkte Jones vermittelnd.

Diplomatische Neigungen sind von Craddock dagegen nicht bekannt. Der Vier-Sterne-General leitete zuletzt das US-Südkommando in Miami (Florida) – und war damit auch für das umstrittene US-Gefangenenlager Guantanamo Bay verantwortlich. Während des Irakkriegs war Craddock zudem militärischer Chefberater von US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld. Doch während Rumsfeld und andere konservative Hardliner wegen der Krise im Irak abdanken mussten, wurde Craddock nun nach Mons befördert.

Streit um die Ernennung des Oberbefehlshabers - die traditionell den Amerikanern zusteht - habe es nicht gegeben, hieß es am Donnerstag am Nato-Sitz in Brüssel. Kritik kam dagegen aus dem Europaparlament. Craddock sei „nicht willkommen“, sagte die Grünen-Politikerin Angelika Beer. Der Stabwechsel stärke nicht das Vertrauen in gemeinsame Nato-EU-Missionen, wie sie im Kosovo geplant sind. Zurückhaltender äußerte sich der CDU-Abgeordnete Karl von Wogau. Craddock trete „in große Fußstapfen“, sagte er. Es müsse sich erst noch zeigen, ob er das Format früherer Nato-Oberbefehlshaber wie General Eisenhower habe.

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