US-Korrespondenten-Dinner
Zurück zu den Wurzeln

Zum ersten Mal seit 36 Jahren nimmt der amtierende US-Präsident nicht am berühmten Dinner der Korrespondenten für das Weiße Haus teil. Trump hält stattdessen eine Rede vor Anhängern – zur Freude der geladenen Gäste.
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Schwarzer Frack, glitzernde Ballkleider, riesige Kronleuchter, berühmte Schauspieler und Sänger – das Abendessen der Korrespondenten des Weißen Hauses erinnerte in den vergangenen Jahren eher an eine Oscar-Verleihung als an die Würdigung von verdienten Journalisten oder der Förderung junger Kollegen.

Doch in diesem Jahr kehrt das Dinner im Hotel Washington Hilton zurück zu seinen Wurzeln. Auf der Gästeliste finden sich keine Stars, der Conférencier ist Hasan Minhaj – ein wenig bekannter Nachwuchskomiker, der in der TV-Comedy Daily Show eine Nebenrolle spielt. Früher standen große Namen wie Jay Leno, Jimmy Kimmel oder Stephen Colbert auf der Bühne.

Die größte Lücke aber schlägt Donald Trump. Schon vor zwei Monaten hatte er angekündigt, als erster Präsident seit 36 Jahren nicht beim Dinner aufzutreten. Auch seine Presseleute wie Sean Spicer kommen nicht. Stattdessen hält Trump zeitgleich am heutigen Samstagabend eine Art Wahlkampfrede vor Anhängern in Pennsylvania.

Trumps Verhältnis mit den Medien war schon immer schlecht. Auf einer Pressekonferenz nannte er den TV-Sender CNN „fake news“ oder bezeichnete auf Twitter die New York Times regelmäßig als „scheiternd“.
Auch muss Trump alles andere als gute Erinnerungen an das „White House Correspondent Dinner“ haben. 2011 kam er mit seiner Frau Melanie, wurde die Zielscheibe von Witzen vom damaligen Präsidenten Barack Obama und Komödianten Seth Meyer. Obama zeigte bei seiner Rede ein Foto mit seiner Geburtsurkunde, Trump hatte zuvor die amerikanische Staatsbürgerschaft von Obama trotz aller Gegenbeweise angezweifelt. „Der Donald kann sich jetzt anderen Dingen zu wenden“, sagte Obama, „vielleicht, ob die Mondlandung nicht wirklich passierte?“

Auch Meyers riss einen Witz nach dem anderen. „Donald Trump will sich als Kandidat der Republikaner für die Präsidentschaft bewerben“, sagte der TV-Star, „ich dachte aber, er wäre ein Dauerscherz“. Der Gag spielte im Englischen auf die doppelte Bedeutung des Wortes „running“ an: „Running for presidency“ und „Running Joke“.

Die Abwesenheit von Trump ist in den Augen nicht weniger Journalisten keine schlechte Sache. Es geht wieder einfacher und übersichtlicher beim Dinner der Weiße Haus-Korrespondenten in Washington zu. Die ursprüngliche Idee, Journalisten, Politikern oder Lobbyisten Zugang zueinander zu verschaffen; Kontakte und Ideen auszutauschen, rückt wieder in den Vordergrund. „Wenn es wieder eines dieser langweiligen Journalisten-Dinner wird, dann komme ich gerne wieder“, sagte Juleanna Glover, die im Weißen Haus unter George W. Bush arbeitete und heute als eine der einflussreichsten Lobbyisten in Washington gilt. Glover nahm laut „Washington Post“ in den vergangenen Jahren nicht mehr am Abendessen teil.

Wer nach Glanz und Gloria sucht, der geht zu einer anderen Veranstaltung. Die bekannte US-Komödiantin Samantha Bee lädt erstmals zum „Not the White House Correspondents Dinner” ein, dort treten Musiker wie Elvis Costello und andere Berühmtheiten auf. „Wir wollen die Pressefreiheit feiern“, sagte Bee.

Der Autor ist Managing-Editor des Handelsblatts in den USA. Quelle: Frank Beer für Handelsblatt
Thomas Jahn
Handelsblatt / Korrespondent New York

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