US-Militär
Drohnen statt Soldaten

Das Pentagon muss sparen und setzt verstärkt auf unbemannte Flugkörper. Sie sollen in Kombination mit Spezialeinheiten das Minus bei der Truppe wettmachen. Auch weitere Auslandsstandorte gehören zur neuen Strategie.
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WashingtonVor dem Hintergrund drastischer Einschnitte in den US-Verteidigungsetat plant das Pentagon verstärkten den Einsatz von unbemannten Drohnen und von Spezialeinheiten. Damit soll der geplante Abbau der Truppe und die Streichung von Waffensystemen ausgeglichen werden. Das sagte Pentagon-Chef Leon Panetta gestern in Washington.

In den nächsten Jahren soll die Zahl der aktiven Soldaten um acht Brigaden von von derzeit 570.000 auf 490.000 reduziert werden. Dies hat zum einen mit einer veränderten Strategie zu tun, die nach dem Abzug der US-Streitkräfte aus dem Irak und dem geplanten Abzug aus Afghanistan künftig weniger mit Militärkonflikten in der Fläche rechnet. Zum anderen aber will das Verteidigungsministerium angesichts des Haushaltsdefizits und der Rekordverschuldung in den nächsten zehn Jahren knapp 500 Mrd. Dollar einsparen.

Unter Präsident Barack Obama hatte das US-Militär in den letzten drei Jahren den Einsatz unbemannter Drohnen forciert wie noch nie zuvor. Derzeit verfügt die US-Luftwaffe über rund 7000 solcher Flugkörper. Panetta will ihre Zahl um rund 30 Prozent erhöhen, so dass rund um die Uhr bis zu 85 Drohnenverbände eingesetzt werden könnten. Drohnen werden für Militärschläge, zu Spionagezwecken und zur Versorgung von Militäreinheiten eingesetzt. Aufsehen erregte der Verlust einer US-Drohne über dem Iran Ende letzten Jahres. Die ferngesteuerten Flugzeuge werden von einem Piloten und einem Navigator gesteuert.

Die US-Spezialkräfte sollen von derzeit 63.750 Mann auf 70.000 im Jahr 2015 aufgestockt werden. Zu den Spezialkräften zählen die Navy Seals, die auch bei der Kommandoaktion am Dienstag in Somalia zum Einsatz gekommen waren. Dabei waren ein dänischer und ein amerikanischer Mitarbeiter einer Hilfsorganisation aus den Händen ihrer Entführer befreit worden. Beteiligt waren an dieser Aktion auch Mitglieder jener Einheit, die im Mai letzten Jahres Osama bin Laden in Pakistan liquidierten.

Um einen schnellen Einsatz der Spezialkräfte, aber auch der Drohnen, sicher zu stellen, sollen zusätzliche Basen eingerichtet werden. Nach einem Bericht des „Wall Street Journal“ sucht das Militär derzeit nach neun Standorten in der Türkei und in Jordanien für Konflikte im Mittleren Osten. Vom australischen Darwin und möglicherweise auch von den Philippinen sollen Ziele im asiatischen Raum beobachtet werden.

Markus Ziener ist Korrespondent in Washington.
Markus Ziener
Handelsblatt / Korrespondent

Kommentare zu " US-Militär: Drohnen statt Soldaten"

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  • und ob diese Drohnen die Arbeit machen! Die werden mit speziellen Kampfmitteln (Chemische Waffen) bestückt was dann über den Gebieten abgeschmissen wird. So sieht in Zukunft Krieg aus.

  • Israel wird Obama 12 Stunden Zeit geben

    Israel wird - wohl aus guten Gründen - Obama und seine Administration relativ kurzfristig über eine bevorstehende Militäraktion gegen das Atomwaffenprogramm des Iran informieren. Bei seinem Besuch in Israel wurde US-General Dempsey mitgeteilt, Obama und seine Administration würde erst 12 Stunde vor einer Militäraktion über diese informiert. Dies geht aus einem Bericht der in London erscheinenden Times hervor, diese beruft sich auf Informationen von Beamten der israelischen Regierung. Offenbar soll damit verhindert werden, das Obama die Lösung des Problems einer drohenden iranischen Bewaffnung mit Atomwaffen torpedieren könnte.

    Die USA können Ihre Drohnen für Fotografische aufnahmen verwenden , die Arbeit machen sie sicher nicht !

  • Zitat: "In den nächsten Jahren soll die Zahl der aktiven Soldaten um acht Brigaden von von derzeit 570.000 auf 490.000 reduziert werden".

    Spätestens nach den Präsidentschaftswahlen wird die Realität wieder anerkannt werden. Bereits der Iran-Krieg wird die Abkehr von den ehrgeizigen Plänen erfordern. Der sog. "kontaktfreie Krieg" ist keine zielführende Idee - es sei denn, man hat kein Ziel. Angesichts zunehmender handelspolitischer Rivalitäten kann vermutet werden, dass ein weiteres Ausbluten der USA mit Häme begleitet werden wird. Vermutlich wird der Strategiewechsel nur gelingen, wenn er so mühevoll diplomatisch flankiert wird, wie die Abrüstungsverträge aus den 80iger Jahren. Auch dem forschen Wahlkampfgerede betreffend Kuba werden keine Aktivitäten folgen, denn die Lage in Mittel- und Südamerika war nie so vorteilhaft für die USA wie heute. Zwar sorgen einige Potentaten für Ärger, aber wirklich bedrohlich ist das Gezetere nicht, weil Globalisierung und Wohlstanderwartungen dem Handeln der südländisch-hitzigen Dauerrevoluzionäre Vernunftgrenzen setzen. Das bedeutet aber sicherlich nicht, dass "Drohen statt Drohnen" zu erwarten ist.

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