US-Präsident
Obama – cooler Stil, mühselige Arbeit

Sein erstes großes Ziel hat US-Präsident Barack Obama erreicht, doch die Verabschiedung des Konjunkturpaketes ging nicht ohne zähes Ringen über die Bühne. Erst wenige Wochen im Amt, musste der 44. US-Präsident bereits einige Abstriche machen. Warum der überparteiliche Anspruch Obamas zu scheitern droht.

WASHINGTON. Lange stand Henrietta Hughes im Harborside Event Center in Fort Myers in Sichtweite des Präsidenten und rang mit sich, ob sie den Mut haben würde, von ihrem Schicksal zu erzählen. Mit weiten Augen hatte sie Barack Obama angesehen, der auf der Bühne so schön und verständlich von der großen Politik sprach. Schließlich fasste sie sich ein Herz und winkte ihm zu. Als sie das Mikro erhielt, erzählte sie Obama von ihrem Leben ohne Job, ohne Dach über dem Kopf, von ihrem Auto, das ihr neues Zuhause ist. Als ihr die Tränen über die Backen rollten, stieg der Angesprochene von der Bühne, nahm die Frau in den Arm und tröstete sie. Für einen Moment wurde aus dem Präsidenten Obama wieder der Wahlkämpfer und Sozialarbeiter. Seine Fans waren gerührt und entzückt. Dafür hatten sie den 47-Jährigen gewählt. Damit in Washington einer das Sagen hat, der die Nöte der Menschen kennt.

Für kurze Zeit entflohen war Obama der Washingtoner Realpolitik, die ihn nach so kurzer Zeit schon fest in Besitz genommen hatte. Er musste den Kopf auslüften, Wege gehen, die nicht nur um das Weiße Haus und den Kongress führten, endlich wieder mit "real people", echten Menschen, sprechen. Robert Gibbs, Obamas Pressesprecher, hatte den Reportern den Ausflug so kurz nach der Amtseinführung so erklärt: "Wer ihn von euch kennt, der weiß doch, dass er ein Stück weit eine unruhige Seele ist." Unruhig ja, aber auch deshalb, weil der Präsident gerade einen Crash-Kurs über das Leben an der Spitze durchmachte. Weil er lernte, wie schnell der Zauber des Neuen im Klein-Klein um Konjunkturpakete, nicht gezahlte Steuern und widerspenstige Kongressabgeordnete verfliegen kann.

Eine harte Landung war das, was der 44. Präsident in den ersten drei Wochen hinlegte. Die strahlende Aura des Sieges reichte nicht einmal, um wenigstens das erste Großprojekt ohne zähes Gehakel über die Bühne zu bringen. Dabei sollte doch schon alleine die Dramatik der Krise Argument genug sein, um das 787 Mrd. Dollar schwere Konjunkturpaket in einer parteiübergreifenden Kraftanstrengung über die parlamentarischen Hürden zu hieven. Doch die Abgeordneten legten sich quer, mäkelten und räsonierten. Als hätten sie alle Zeit der Welt, die immer wieder gleichen Debatten zu führen. Und als am Freitag der Durchbruch gelang, da war der Erfolg nur noch ein zäher Arbeitssieg.

Dabei wurde offenbar, dass Obama mit dem überparteilichen Anspruch in dieser wirtschaftlich angespannten Lage nicht weit kommt. So vieles hatte der neue Präsident anders gemacht als sein Vorgänger. Obama hatte die Republikaner umgarnt, hofiert, umschmeichelt. Hinauf auf den Hill, in den Kongress, war er gepilgert und hatte erklärt, warum er trotz der großen demokratischen Mehrheit gerade ihre Stimmen brauche, warum die Krisenrezeptur nicht alleine von einer Partei zusammengerührt werden dürfe, warum jetzt schnell gehandelt werden müsse.

Doch nicht eine einzige republikanische Seele ließ sich erweichen. Als das Konjunkturpaket zum ersten Mal in die Abstimmung ging, drückte keiner der 177 republikanischen Abgeordneten auf den "Yes"-Knopf. Ob aus Trotz, aus Überzeugung oder aus Parteiraison - für den neuen Präsidenten war die totale Verweigerung vernichtend.

Seite 1:

Obama – cooler Stil, mühselige Arbeit

Seite 2:

Seite 3:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%