US-Präsidentschaftskandidaten
Thompson mischt den Wahlkampf auf

Der 65-jährige US-Schauspieler Fred Thompson hat offiziell seine Kandidatur für das Amt des US-Präsidenten bekannt gegeben. Er ist die große Hoffnung der Republikaner, die in letzter Zeit hauptsächlich mit Sex-Affären-Debatten auf sich aufmerksam gemacht hatten. Doch auch Thompson hat offensichtliche Schwachstellen.

WASHINGTON. Wenn Fred Thompson schauspielert, muss er nur sich selbst spielen. So wie im Film „Last Best Chance“. Als in dem Plot klar wird, dass Terroristen Nuklearmaterial in ihren Händen haben, richtet Präsident Fred Dalton Thompson langsam seinen Oberkörper auf, blickt in die Gesichter des Krisenstabes und sagt: „Damit ist El Kaida eine Atommacht.“ Schnitt, Pause, lähmendes Entsetzen. Dann sickert auch bei den anderen im Raum diese Erkenntnis durch. Der Präsident hat Recht. Ab jetzt ist alles anders.

Der Filmschnipsel zeigt die eigentliche Stärke von Thompson. Während sich andere im Detail verlieren, hat er den Blick für das Ganze. Überflüssiges schüttelt er ab wie lästige Fliegen. Und zu alldem bringt er die Dinge noch mit einer Gelassenheit und Autorität auf den Punkt, die keine Zweifel aufkommen lassen. Der Ex-Senator aus Tennessee schüttet ein Füllhorn von dem aus, was in den USA wahlentscheidend sein kann: Leadership, Führungskraft. Heute will Thompson diese Stärke in politisches Kapital ummünzen. Der 64-jährige Rechtsanwalt, Politiker und Schauspieler will auch im realen Leben ins Weiße Haus. Fred Thompson wirft seinen Hut ins Rennen um die republikanische Nominierung.

Eine Ewigkeit hat der Südstaatler die Öffentlichkeit warten lassen. Monatelang testete Thompson die Stimmung, seine Chancen, und sicher hörte er viele Male tief in sich hinein, ob er auch wirklich will, was er da jetzt verkündet. Das Magazin „Newsweek“ dürfte einen Nerv getroffen haben, als es die Zeile „Lazy like a fox“ auf seinen jüngsten Titel setzte. Denn das ist die Schwachstelle von Thompson gegenüber seinen Rivalen: Der bullige Tennesseean, der viele Amerikaner an Ronald Reagan erinnert, gilt schon als so entspannt, dass ihm böse Zungen Faulheit und eine gewisse Unlust unterstellen.

Und es lässt sich reichlich Material finden, um diese These zu untermauern. Als Thompson 1984 die Möglichkeit hatte, Senator von Tennessee zu werden, winkte er mit der Bemerkung ab: „Zu viel Mühsal für zu wenig Geld.“ Als er zehn Jahre später schließlich doch Senator wurde und dies gut acht Jahre lang blieb, zeigte er wenig Neigung zu nächtlichen Marathonsitzungen auf Capitol Hill. Er habe keine Lust, seine Zeit in „irrelevanten Debatten“ zu verschwenden, bügelte er Nachfragen ab.

Anwalt aus „Law & Order“

Doch auf wundersame Weise perlen diese Vorwürfe an Thompson ab. Denn während seine republikanischen Konkurrenten nicht müde werden, mit ihrem Fleiß zu prahlen, setzt Thompson auf natürliche Souveränität. Auch Reagan galt als faul, legendär sind seine Kommentare über seine Arbeitsweise. Etwa, als er den Sicherheitsleuten vom Secret Service erlaubte, ihn (tagsüber) zu wecken, wenn es zu einer militärischen Krise kommen sollte. Am Ende aber war Reagan populär und so erfolgreich, dass er den Republikanern in den 80er-Jahren zu einer goldenen Ära verhalf.

Thompson, der Sohn eines Gebrauchtwagenhändlers, mischt mit seiner Kandidatur zunächst das republikanische Feld auf. Denn die Riege der Bewerber aus der „Grand Old Party“, der GOP, ist bislang wenig beeindruckend. Rudy Giuliani und Mitt Romney fehlen Strahlkraft und Charisma, um ihre angreifbaren Stellen zu übertünchen. Zudem sind beide eher liberal – Thompson dagegen grundkonservativ, aber im traditionellen republikanischen Sinn. Für viele ist Thompson damit die Rückkehr zur „guten alten GOP“, bevor diese unter George W. Bush und Karl Rove ideologisiert wurde. Und während etwa Romneys Name bei vielen Amerikanern noch immer völlig unbekannt ist, hat Thompson mit „name recognition“ keine Probleme. Den Anwalt aus der Serie „Law & Order“ kennt man in Amerika.

Ein letztes Mal leistete er sich gestern den Luxus, die Hunde bellen zu lassen, während seine Karawane weiter zog. Ohne den Ex-Senator debattierten in New Hampshire die republikanischen Kandidaten ihre Programme. Thompson war zu diesem Zeitpunkt noch kein offizieller Bewerber. Aber schon da. In einer Werbepause der Fernsehdebatte lief sein Spot, in dem er für heute seine Kandidatur ankündigte. Und kurze Zeit später talkte er schon bei Jay Leno. Auch das erinnert an Ronald Reagan, den Medienpräsidenten.

Markus Ziener ist Korrespondent in Washington.
Markus Ziener
Handelsblatt / Korrespondent
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