US-Republikaner
Ein radikaler Opportunist fordert Barack Obama heraus

Rick Perry polarisiert, aber vor der TV-Debatte gilt er als aussichtsreichster Kandidat der Republikaner für das Präsidentenamt. Dabei hat Perry für einen Hardliner einen ungewöhnlichen Werdegang. Eine Reportage.
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Paint CreekIn seine Heimat Paint Creek kommt Rick Perry nur noch alle paar Jahre. Das letzte Mal im November 2009, als an seiner alten Schule, der Paint Creek High, das „Homecoming“ der Ehemaligen gefeiert wurde. Perry hielt eine Rede, besuchte seine Eltern und noch einige alten Freunde, dann verschwand er wieder. In der Schule hängt seitdem ein großes Bild des texanischen Gouverneurs.

Vor der Schule ist eine rechteckige Tafel angebracht, auf der steht: „No dream too tall for a school so small“. Der Satz könnte für Rick Perry geschrieben sein, den berühmtesten Sohn der kleinen Schule von Paint Creek. Denn seit einigen Wochen träumt Perry ganz groß. Er will Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika werden.

Noch befinden sich die Republikaner im Vor-Vorwahlkampf, doch allmählich klärt sich das Feld. Unmittelbar vor der Debatte ihrer Kandidaten am Dienstag Abend in Las Vegas gibt es nur noch zwei ernsthafte Anwärter auf die Kandidatur: Mitt Romney - und Rick Perry.

Perry punktet vor allem durch seine harten Aussagen - dabei war er gar nicht immer Republikner. Und vielleicht kommt er deshalb nur so selten nach Paint Creek, weil ihn sein Geburtsort an eine unangenehme Vergangenheit erinnert. Daran, dass er dort seine politische Karriere startete – und zwar als Kandidat der Demokratischen Partei. 1984 ließ sich Rick Perry als liberaler Abgeordneter ins texanische Repräsentantenhaus wählen.

Dorthin geschickt wurde er als Vertreter des Wahlkreises 64. Und der umfasst  auch Haskell County, jenen County zu dem der Flecken Paint Creek gehört. Dreimal schenkten die rund 6000 Einwohner seines Heimatbezirks Perry ihr Vertrauen. Dann, kurz nach seiner zweiten Wiederwahl auf dem demokratischen Ticket, wechselte Perry 1989 die politischen Farben – und wurde Republikaner. Tatsächlich war der Stern der texanischen Demokraten damals im Sinken. Und Perry zog die Konsequenzen.

„Die Leute hier waren ziemlich aufgebracht über den Seitenwechsel“, sagt Waller Overton, der Rick Perry gut aus den frühen Jahren in Paint Creek kennt. Und viele haben ihm den plötzlichen Sinneswandel bis heute nicht verziehen. Das gilt auch für David Davis, den Birzirksrichter von Haskell County. Sie halten „Ricky“ wie er in seiner Heimat nur genannt wird, im Grunde für einen Opportunisten, der dem jeweiligen Trend folgt.

Nur sagen wollen sie es nicht, zumindest nicht gleich. Weil sie ja doch auch stolz darauf sind, dass es einer von ihnen so weit gebracht hat: Vom einfachen Abgeordneten zum texanischen Landwirtschaftsbeauftragten, zum Stellvertreter des Gouverneurs, schließlich selbst zum Gouverneur. Und dass dieser nach elf Jahren im Amt jetzt sogar auf die ganz große Bühne drängt, nach dem Weißen Haus greift und auf Augenhöhe mit einem Mitt Romney, Newt Gingrich oder einer Michele Bachmann im Fernsehen diskutiert.

Aber: Wählen werden sie ihn wohl dennoch nicht. Nicht nur, weil Haskell County ganz gegen den Trend in Texas noch immer eine demokratische Mehrheit hat. Nicht nur, weil sich Perry in all den Jahren so gut wie nicht um seine Heimat gekümmert hat. Sondern auch, weil sie „Ricky“ den Topjob in Washington nicht wirklich zutrauen.

Für sie ist er noch immer der Junge, der nach der Schule Präriehunde gejagt hat, der mit dem Fahrrad über die endlosen Felder stob und der sich auf dem elterlichen Bauernhof ums Vieh kümmerte. „Es hat Spaß gemacht, mit Ricky unterwegs zu sein“, erinnert sich Waller Overton. „Er war ein Freigeist und hatte immer Tricks auf Lager – ein Anführer aber war er nicht“.

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  • Wie immer in den US of A wird auch bei Ricki aus dem great state of Texas viel heisse Luft und eine Menge Hype gemacht.
    Diese Leute meinen ja alle ,sie sind die Allergroessten und die von der anderen Seite des Ganges haben natuerlich alles aber auch alles falsch gemacht.
    Beweise haben sie natuerlich selten ,die auch fundiert sind,sondern sie stellen nur populistische Parolen in den Raum.
    Dass sie mit ihrem Gehabe den notwendigen Fortschritt blockieren ,interessiert sie nicht.
    Sie sind hinter der Macht dem Ansehen ,sowie auf dieStaerkung ihres Superegos bedacht.
    Mit dem jetzigen Vorwahlkampf und dem echten Wahlkampf wird die Stimmung im Land weiter aufgeheitzt ,die Spaltung noch vertieft und die Loesung von Problemen weiter verschleppt.
    Weiter so

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