US-Shutdown
Supermacht auf Sparflamme

Vor allem Touristen, Arme und Alte bekommen den US-Haushaltsstreit zu spüren. Nationalparks bleiben geschlossen, der Topf für Zuschüsse zum Einkommen für die gesunde Ernährung von Babys und Kleinkinder ist bald leer.
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San FranciscoDann bringt Barak Obama den Müll halt selbst raus. 1265 Angestellte des White House bleiben von heute an zuhause, Büroangestellte, Sachbearbeiter, Assistenten, Techniker müssen in den unbezahlten Urlaub. Die Verhandlungen über den neuen Staatshaushalt sind in der Nacht zum Dienstag gescheitert. Nur 436 Mitarbeiter sind nach Regierungsangaben in die Kategorie unersetzbar eingestuft und werden die Machtzentrale der Westlichen Welt am Laufen halten. Ganze fünfzehn Angestellte sorgen für ein „Minimum an Wartung und Unterstützung“ im präsidialen Haushalt. Vizepräsident Joe Biden trifft es noch härter: Zwölf Mitarbeiter unterstützen ihn bei seinen Regierungsaufgaben, eine Hilfskraft kümmert sich um die Wohnung.


Neben Obama trifft es Touristen, Arme und Alte zuerst. Die letzten Glücklichen drängten sich am Dienstagmorgen an San Franciscos Alcatraz Landing, von wo aus die Fähre zum legendären Inselgefängnis Alcatraz ablegen. Das frühere Staatsgefängnis inmitten der Bucht von San Francisco ist heute ein Nationalpark, und der bleibt von Mittwoch an geschlossen. Pete ist mit Freundin gerade aus Las Vegas eingetroffen und sie hoffen, noch eine der begehrten Tickets zu bekommen. Doch die Chancen sind gering. „Ein Affentheater“, sagt er ziemlich erregt. Weiter will er sich nicht äußern.

Wegen des Haushalsstreits fällt auch ein Marsch des Ku-Klux-Klans (KKK) aus. Die Verwaltung des Gettysburg National Military Park teilte mit, wegen der Schließung des Nationalparks könne auch die für den 5. Oktober geplante Demonstration der Gruppe nicht stattfinden. Der KKK setzt sich für eine Vorherrschaft der Weißen ein und wird historisch mit Lynchmorden an Schwarzen in Verbindung gebracht. Die Parkverwaltung hatte den Marsch unter Hinweis auf den starken Schutz der Meinungsfreiheit in der amerikanischen Verfassung genehmigt.


Zwangsurlaub heißt es auch für das Personal anderer berühmter Parks wie Yosemite National Park, Angel Island oder Muir Woods mit seinen imposanten Redwood-Bäumen. Mitarbeiter gehen von Wohnwagen zu Wohnwagen und machen den verdutzten Campern und Wanderern klar, dass sie bis morgen Abend das Gelände zu räumen haben. Von der Freiheitsstatue in New York bis Fort Point an der Golden Gate Bridge schnappen in diesen Tagen die Vorhängeschlösser ein, werden Kioske und Andenkenläden geschlossen. Rund 800.000 öffentlich Bedienstete werden landesweit in den unbezahlten Urlaub geschickt, auch viele der 170.000 davon in Kalifornien sind davon betroffen. Für ein paar Tage geht das gut. Aber bald wird wieder die Miete fällig, müssen Hypothek und Autokredit bezahlt werden.

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  • Darf ich mit einem alten Satz kommen? "Wenn Araber ihre Waffen niederlegen, dann gibt es keinen Krieg mehr. Wenn Israel seine Waffen niederlegt, dann gibt es kein Israel mehr." Was im Namen des Islam TÄGLICH geschieht, können Sie in der Zeitung lesen. Selbst ohne Israel. Sie sind halt und bleiben ein willkommenes Ziel. Netanjahu muss so streight sein, geht nicht anders. Leider.

  • Die Lösung des Problems ist doch sehr
    einfach :
    Steuern zahlen wie zu Bill Clintons Zeiten und Abschaffung der Schuldenobergrenze.
    Lt. Mr. Greenspan liegt die Gesamtverschuldung der USA (Öffentlich/Privat) bei über 125 Billionen Dollar. Wie soll den eine solche Summe Geldes je zurückgezahlt werden können und dazu noch in einem Kreditgeld-System ?
    So ganz nebenbei sollten die US-Amerikaner auch über eine Veränderung des verrotteten
    "Systems" nachdenken !! um eine Revolution zu vermeiden.

  • Mich lehrt die Situation in den USA, das es in Krisenzeiten wichtig ist klare Verhältnisse in beiden politischen Häusern zu haben; im Falle Deutschlands im Bundestag sowie Bundesrat.
    *
    Daher hoffe ich doch sehr auf eine große Koalition.

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