US-Umweltpolitik
„Ist der Klimawandel eine Tatsache?“ – „Nein“

Ein Schneeball als Beweis dafür, dass es keine menschengemachte Erderwärmung gibt: Mit allem Mitteln torpedieren die Republikaner Obamas Klimapolitik. Im Hintergrund ziehen milliardenschwere Förderer die Strippen.
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San FranciscoMit dem Klimawandel ist das so eine Sache. Man kann ihn fürchten, bekämpfen oder schlicht verneinen. So wie der republikanische Senator Jim Inhofe aus Oklahoma. Ein Schneeball, sorgfältig in eine Plastiktüte verpackt, ist für ihn der schmelzende und schlagende Beweis, was das alles für ein Quatsch ist mit diesem Gerede über die Welterwärmung.

Es sei „ungewöhnlich kalt da draußen“, erklärte der Senator Anfang März triumphierend während einer Senatssitzung in Washington, den vermeintlichen, eisigen Beweis in die Höhe haltend. Und wer mehr wissen will, der kann in seinem Buch nachlesen. Es heißt: „Der größte Betrug: Wie die Global-Warming-Verschwörung deine Zukunft gefährdet“.

Das ist praktisch die Bibel der Verneiner eines menschengemachten Klimawandels. Das Problem bei der lustigen Schneeball-Einlage im US-Senat: Inhofe aus dem Kohlestaat Oklahoma ist niemand anderes als der neue Vorsitzende des einflussreichen Umweltausschusses der republikanisch dominierten Kammer in Washington.

Der Weg zum Klimagipfel der Vereinten Nationen in Paris im Dezember wird hart werden für Barack Obama. Bilaterale Vereinbarungen mit China und Indien sowie der Europäischen Union haben den Weg für ein globales Abkommen bereitet. „Machen wir uns nichts vor“, warnte Außenminister John Kerry noch am Donnerstag vergangener Woche in einer Rede vor dem Atlantic Council in Washington, „Es gibt keinen Plan B.“

Verneiner des Klimawandels nennt Präsident Obama „unverantwortlich“ und fordert eine breite internationale Lösung für „eine der größten Bedrohungen unserer Zeit“. Doch nicht einmal im eigenen Land findet Obama genug Unterstützung.



Denn jetzt ist der Kongress der Klimagegner da. Der „Center for American Progress Action Fund“ hat nachgezählt: Im neuen Kongress, der Anfang Januar die Arbeit aufgenommen hat, sitzen immerhin 131 republikanische Abgeordnete im Repräsentantenhaus, das sind 53 Prozent der Fraktion, die offen die Existenz eines menschengemachten Klimawandels verneinen oder anzweifeln.

Im US-Senat sind es 38 republikanische Mitglieder, 70 Prozent der Fraktion, die die Ergebnisse von 97 Prozent der wissenschaftlichen Studien weltweit als Unfug oder unbewiesene Spekulationen abtun. In beiden Kammern haben die Republikaner die Mehrheit.

Sie wollen, statt erneuerbare Energien zu fördern, als erstes die Genehmigung für die Pipeline „Keystone XL“ für den Transport von Öl aus Ölsänden von Kanada in die Raffinerien in Illinois und in Jim Inhofes Oklahoma. Danach soll das 40 Jahre alte Exportverbot für Rohöl fallen. Amerika setzt auf ein Wachstum der fossilen Energien.

Kommentare zu " US-Umweltpolitik: „Ist der Klimawandel eine Tatsache?“ – „Nein“"

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  • Zitat: „Der Anteil der CO2 Emissionen aus der Verbrennung fossiler Brennstoffe an den Gesamt CO2 Emissionen (35 Mrd. to/a zu 800 Mrd. to/a) und die kumulierten CO2 Emissionen am Gesamtkohlenstoffkreislauf (1,5 Bio. to zu 156 Bio. to) ist vernachlässigbar.“

    Glauben Sie solchen Unsinn wirklich, oder suchen Sie nur ein paar Simpel, die dumm genug sind, Ihrer „Logik“ zu folgen?

    Das was Sie als „vernachlässigbar“ bezeichnen, hat den CO2-Anteil der Luft in 120 Jahren um ca. 30 % von 280 ppm auf 400 ppm ansteigen lassen. Diese Erhöhung und die sich daraus ergebende Erhöhung der Wasserdampfkonzentration und des Methananteils in der Atmosphäre lassen die Durchschnittstemperaturen aktuell ansteigen. Wenn wir Glück haben, stoppt die Erwärmung bei +2°C; wenn wir Pech haben oder wenn wir weiter die Atmosphäre mit Treibhausgasen anreichern, bildet sich ein neues Gleichgewicht des Treibhauseffektes erst bei einem höheren Anstieg.

    Das letzte Mal, als der CO2-Anteil der Atmosphäre 400 ppm betrug, lag der Meeresspiegel ca. 20 m höher. Sollen wir uns zurücklehnen in der Gewissheit, dass dieser Anstieg wahrscheinlich noch ein paar Jahrhunderte dauern wird und Belgien, Niederlande oder Norddeutschland erst 2300 zur Wasserfläche werden?

  • @Knoll, die CO2-Konzentration steht doch ausser Frage, aber die IR-Wirksamkeit der geringen Konzentration CO2 im Verhaeltnis zur hohen, und auch CO2 wirksamen H2O Konzentration , das ist die eine Frage. Die andere ist die Messbarkeit von Temperatur-Effekten neben der allgemeinen Schwankung der Werte. Und das alles gedaempft durch zehn hoch 18 to Wasser, die waermer als 0 Grad sind.

  • Wenn Sie mein Student wären, hätte ich Sie nach diesem Statement exmatrikulieren lassen. Ganz offensichtlich haben Sie noch nie etwas von Gleichgewichten gehört, wie wenig dazu nötig ist diese zu stören und welche Ausmaße eine Störung hervorrufen könnte. Soviel dazu. Und nun zu einem anderen Aspekt. Wenn Sie sich mal die Mengen fossiler Brennstoffe die wir in den letzten Jahrzehnten gefördert und zu CO2 verbrannt haben betrachten, kommen auch Sie nicht umhin zuzugeben, dass der Anstieg der CO2-Konzentration in der Luft sicherlich auch Menschgemacht ist. Das diese enorme Menge an zusätzlichen CO2 den Klimawandel zumindest stark beschleunigt und das existierende Gleichgewicht erheblich stört kann liegt auf der Hand und kann sogar ein amerikanischer Angeordneter nicht bestreiten, es sei denn er hat Aktien einer Ölfirma in der Tasche oder ist vollkommen verblödet.

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