US-Verteidigungsminister
Gates liest Europäern die Leviten

US-Verteidigungsminister Robert Gates wird den europäischen Partnern mangelnde Fähigkeiten und fehlenden Willen bei den Nato-Einsätzen in Afghanistan und Libyen vorgeworfen.
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BrüsselUS-Verteidigungsminister Robert Gates hat den europäischen Bündnisstaaten mangelndes Engagement in der Nato vorgeworfen. Die Nato-Einsätze in Afghanistan und zuletzt auch in Libyen hätten Lücken bei den militärischen Fähigkeiten wie auch fehlenden politischen Willen der Europäer offenbart, kritisierte Gates am Freitag in Brüssel bei einem Vortrag.

Die Nato-Staaten müssten ihre Kampffähigkeit erhöhen, um die „reale Möglichkeit kollektiver militärischer Irrelevanz“ zu vermeiden, warnte der zum Monatsende aus dem Amt scheidende Minister. Angesichts der massiven Einschnitte in den amerikanischen Staatshaushalt seien die USA in Zukunft womöglich nicht mehr bereit, 75 Prozent der Nato-Verteidigungsausgaben zu schultern.

„Im US-Kongress werden der Appetit und die Geduld schwinden, zunehmend wertvolle Mittel zugunsten von Nationen auszugeben, die offenbar nicht willens sind, die notwendigen Ressourcen zu stellen oder notwendige Änderungen vorzunehmen, um ernsthafte und fähige Partner zu ihrer eigenen Verteidigung zu sein“, prophezeite Gates. Einigen Ländern warf er vor, ihre eigenen Verteidigungsausgaben zu kürzen und die USA gezielt auszunutzen.

Der Minister wies darauf hin, dass nur fünf der 28 Nato-Staaten die vereinbarten zwei Prozent ihres Bruttoinlandsprodukts für Verteidigung ausgäben. Neben den USA gehören dazu Großbritannien, Frankreich, das nahezu zahlungsunfähige Griechenland und Albanien.

Die USA als stärkste Weltmacht tragen beim Nato-geführten Militäreinsatz in Afghanistan mit gut 90.000 der zurzeit 132.000 dort stationierten Soldaten die Hauptlast. Sie werden auch weitgehend die Kosten des in Europa geplanten Raketenabwehrsystems tragen. Beim Libyen-Einsatz stehen Großbritannien und Frankreich an vorderster Front. Beim Nato-Verteidigungsministertreffen hatte Gates angeprangert, dass zu wenige Länder bei der Aktion gegen das Militär des libyschen Machthabers Muammar Gaddafi mitmachen.

Am Mittwoch hatte er einige Partnerländer ins Gebet genommen. Deutschland und Polen, die sich aus der Militäraktion heraushalten, sollten Wege zur Unterstützung finden, forderte er Nato-Kreisen zufolge. Spanien, die Türkei und die Niederlande, die sich am Libyen-Einsatz beteiligen, forderte er auf, Luftangriffe zu fliegen.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Das ist eine hervorragende Bewerbungsrede für seinen Einstieg in die Militärindustrie als Top Lobbyist, Berater o.ä. Wen wundert? Das Business der USA ist KRIEG! Die USA als Gesellschaft und als Wirtschaft ist ein einziges Desaster. Einkommensverteilung, Wohnungsmarkt, Staatsverschuldung, Arbeitslosigkeit, Kriminalität, Ansehen in der Welt... Ein Desaster und doch so viel Geld für Rüstung und Kriege... Das sind nicht die USA des John F. Kennedy. Das ist eine von der Wall Street Mafia und militärische industrielle Lobby gekaperte Nation deren Executive (Bush, Cheney, Rumsfeld vorher, Obama, Gates, Clinton jetzt) gar nicht mehr versucht sein hässliches Gesicht zu zeigen (Wenn man hinter den Linien der Massenberichterstattung lesen kann bzw. alternative Medien). Als ich noch jung war fand ich es erst lustig wenn die USA in Granada den Sheriff spielte um dort seine Marionette auszutauschen. Aber: diese Cowboys haben schon 2 Atombomben abgeworfen, und die Einschläge die diese Heuchler (Obama mit Friedennobelpreis für die täglichen zivile Opfer in Afghanistan und Pakistan) und Lügner (Atomwaffen im Irak bzw. Bin Laden von Admiral Obama ins Meer beerdigt) um uns herum provozieren (Bush zum Irak: entweder Ihr seid mit uns oder gegen uns) gefährden uns in Europa immer stärker. Wacht auf!

  • "Bonjour"
    Shalom i Spiritui Sancto Vatikan,Got Bless the USA,Frankreich,Großbritannien,Italy:
    Vom Schizoiden,Schwulen,Viren,Poison-gas,Gestapo-Sekten-Antonym Betroffen:Ehre gebührt denen welche Staatliche Verfolgung Gnadenlos Bekämpfen,wo immer sie auch Stattfindet!!!

  • Im Gegensatz zu den meisten anderen Staaten führen die Amerikaner nun mal gerne Krieg. Das lenkt so schön von den inneren Problemen ab.
    Und überhaupt, wenn ich mich recht entsinne, dann war der Militäreinsatz in Libyen dazu gedacht, die verhängte Flugberbotszone durchzusetzen. Seit Wochen wird jetzt aber wild drauflos gebombt. Da bin ich doch froh, das wir da nicht mitmachen.

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