US-Verteidigungsminister
Schwieriger Start für Hagel in Afghanistan

Der erste Besuch von Chuck Hagel als US-Verteidigungsminister in Afghanistan war geprägt von einem Selbstmordanschlag und Kritik von Präsident Karsai. Letztere wies der US-General allerdings entschieden zurück.
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KabulEin Selbstmordanschlag in Kabul, eine provokante Rede von Präsident Hamid Karsai und eine abgesagte Pressekonferenz haben den ersten Afghanistan-Besuch des neuen US-Verteidigungsministers Chuck Hagel überschattet. Der Anschlag mit neun Toten ereignete sich am Samstag, während sich Hagel in der afghanischen Hauptstadt aufhielt. Eine geplante Pressekonferenz Hagels mit Karsai wurde nach US-Angaben aus Sicherheitsgründen abgesagt.

Der Anschlag ereignete sich am Samstag vor dem Verteidigungsministerium in Kabul. Nach Ministeriums- und NATO-Angaben zündete der Attentäter seine Bombe etwa 30 Meter vom Haupteingang entfernt. Neun Zivilisten starben, zudem wurden nach Polizeiangaben 13 Menschen verletzt.

Hagel hielt sich zum Zeitpunkt des Anschlags in einer US-Einrichtung in Kabul auf. Für den Minister habe keine Gefahr bestanden, hieß es aus seinem Umfeld. Zu dem Anschlag bekannten sich die radikalislamischen Taliban, die von einer "Botschaft" an Hagel sprachen. Bei einem Selbstmordanschlag auf einen Kontrollposten afghanischer und internationaler Truppen in der Stadt Chost im Osten des Landes wurden am Samstag acht Kinder und ein Polizist getötet.

Karsai sorgte am Sonntag mit einer im Fernsehen übertragenen Rede für Unmut bei der US-Delegation und der NATO-Truppe ISAF. Die USA führten mehr als ein Jahr nach dem vorläufigen Abbruch wieder regelmäßig Verhandlungen mit den Taliban, sagte Karsai. Anführer und Vertreter der Taliban träfen die Amerikaner "jeden Tag in Europa oder den Golfstaaten". Die jüngsten Anschläge der Taliban spielten den USA in die Hände, so Karsai. Sie dienten der Washingtoner Regierung dazu, eine Präsenz ausländischer Truppen in Afghanistan auch in Zukunft zu rechtfertigen.

Ein hochrangiger US-Vertreter sagte, Karsai sei bedeutet worden, dass derartige öffentliche Kritik nicht hilfreich sei, "vor allem wenn sie keine Grundlage hat". Der US-General Joseph Dunford, der die NATO-Truppe in Afghanistan kommandiert, kritisierte Karsais Äußerungen. Dieser habe ihm gegenüber nie gesagt, dass die USA mit den Taliban verhandelten. "Es ist absolut falsch, wir haben keine Veranlassung, mit den Taliban zusammenzuarbeiten, wir haben keinen Grund, Instabilität in Afghanistan zu unterstützen", sagte er. Er verstehe nicht, warum Karsai sich so äußere.

Der Ende Februar vereidigte US-Vereidigungsminister war am Freitag zu einem unangekündigten Besuch in Afghanistan eingetroffen, bei dem es um den Abzug der internationalen Truppen bis Ende 2014 ging. Am Sonntag sollten Hagel und Karsai gemeinsam vor die Kameras treten. Die Absage der Pressekonferenz sei "aus Sicherheitsgründen" und "in Absprache mit unseren afghanischen Partnern erfolgt", hieß es von US-Seite. Hagels Sprecher George Little bestritt, dass die Absage mit Karsais Rede zusammenhing. Von afghanischer Seite wurden "Terminschwierigkeiten" als Grund genannt.

Agentur
afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur
Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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