US-Vorwahlen
Iowa ist die große Chance für Außenseiter

Die republikanische Kandidatenkür beginnt in Iowa. Einen eindeutigen Favorit gibt es derzeit nicht, das bietet Chancen für Außenseiter. Der Vorwahl-Auftakt ist jedoch nur begrenzt aussagekräftig.
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WashingtonMit den Vorwahlen im US-Bundesstaat Iowa am morgigen Dienstag geht die Suche nach dem republikanischen Präsidentschaftskandidaten in die entscheidende Phase. Dabei gilt der frühere Gouverneur von Massachusetts, Mitt Romney, weiterhin als Favorit. Denn bislang wurde noch jeder Höhenflug eines der Konkurrenten von Romney schnell wieder beendet.

Als jüngster Aufsteiger glänzt indes in Iowa derzeit Rick Santorum, einst republikanischer Senator aus Pennsylvania. Obwohl Santorum in den letzten Monaten bestenfalls aus der dritten Reihe heraus agierte, erlebt der 53-Jährige einen erstaunlichen Aufschwung. In der Beliebtheit liegt Santorum inzwischen an dritter Stelle, hinter Romney und dem Libertären Ron Paul. Dagegen verliert Newt Gingrich, der noch kurz vor Weihnachten als härtester Konkurrent von Romney betrachtet wurde, täglich an Boden.

Gingrich fehlt Organisationstalent

Dazu beigetragen haben allerdings nicht nur massive Angriffe gegen den früheren Sprecher des Repräsentantenhauses, in denen Gingrich vorgeworfen wurde, nicht konservativ genug zu sein. Der heute 68-Jährige hat auch durch eigene Fehler seinen Höhenflug wieder gestoppt. So dürfte es ihm massiv schaden, dass er die offizielle Registrierung für die Vorwahlen in Virginia verpasst hat. Obwohl Gingrich in Virginia seinen Wohnsitz hat, scheiterte sein Wahlkampfteam an den rechtlichen Hürden für eine ordnungsgemäße Anmeldung. Die ohnehin stets vorhandenen Zweifel an Gingrichs Organisationstalent sind seither nochmals gewachsen.

Der Auf- und Abstieg so vieler republikanischer Kandidaten – von Michelle Bachmann über Rick Perry bis Herman Cain und Newt Gingrich – ist ein Zeichen für die Zerrissenheit der Konservativen in den USA. Obwohl die Republikaner im Herbst 2010 in einem Erdrutschsieg das Repräsentantenhaus von den Demokraten eroberten, sind sie nicht in der Lage, einen für alle akzeptablen Kandidaten aufzustellen. So ist Mitt Romney zwar Spitzenreiter, doch ist er das vor allem mangels besserer Alternativen. Romney gilt auch weiterhin als ungeliebt und vielen Traditionalisten im Kern als zu liberal. Dies ist der Grund, warum Romney in den vergangenen Monaten nie mehr als 25-Prozent-Zustimmung erhielt und sich nicht als uneingeschränkter Favorit positionieren konnte.

Wie aussagekräftig die Vorwahlen in Iowa morgen sein werden ist indes umstritten. Das altertümliche Wahlverfahren, in dem Parteianhänger in Turnhallen, Kirchen, Bibliotheken oder sogar in Privathäusern ihre Stimme abgeben, sorgt immer wieder für Überraschungen. So gewann vor vier Jahren der Ex-Gouverneur von Arkansas und Prediger Mike Huckabee den Caucus, musste sich danach aber schnell anderen Konkurrenten geschlagen geben. Der erste wirkliche Test erfolgt eine Woche später bei den Vorwahlen in New Hampshire.

Markus Ziener ist Korrespondent in Washington.
Markus Ziener
Handelsblatt / Korrespondent

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