US-Vorwahlen
Wie Romney zum „Rombo“ wurde

Kaum ein US-Wahlkampf war von so viel Schmutz und Intrige geprägt wie der aktuelle. Mit Enthüllungen über den Gegenkandidaten versuchen die Aspiranten, Stimmen zu gewinnen - und nehmen damit eigenen Schaden in Kauf.
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WashingtonWie Rick Santorums kreative Strategen den Konkurrenten Mitt Romney sehen, haben sie in einem Werbespot zusammengefasst: Ein Doppelgänger von Romney schießt Fäkalien aus einem Maschinengewehr auf Rick Santorum, trifft ihn aber nicht. Am Ende geht ein Schuss nach hinten los und Romney trifft sich selbst – mitten aufs Herz.

Der Spot mit dem Titel „Rombo“ ist eine Anspielung auf Romneys Wahlkampfmaschine, die seine Gegner im US-Vorwahlkampf so lange mit aggressiven Werbespots befeuert, bis sie die Zustimmung der Wähler verlieren. Auch in Michigan hat die Methode Romney zum Erfolg verholfen. Er gewann Dienstagnacht mit 41,1 Prozent der Stimmen. Santorum kam auf 37,9 Prozent. In der letzten Woche vor der Wahl gaben Romneys Unterstützer mehr als doppelt so viel Geld für Wahlkampfspots aus wie Santorum. Dabei lag Santorum gut zehn Tage vor der Wahl noch deutlich in Führung.

„Es gibt eine ungewöhnlich hohe Anzahl an negativen Werbespots in diesen Vorwahlen“, sagt Ken Goldstein von der Campaign Media Analysis Group, die politische Werbung auswertet. Das Rennen um das oberste Amt im Weißen Haus könnte in diesem Jahr das schmutzigste aller Zeiten werden. Aggressive politische Werbespots, sogenannte Attack-Ads, sind das mit Abstand beliebteste Mittel in der Schlammschlacht. Und sie werden von allen Lagern eingesetzt.

Es ist die dunkle Seite des hochprofessionellen US-Wahlkampfs. Meist stehen sogenannte Super-Pacs hinter den bösen Spots. Das sind Organisationen, die einen bestimmten Kandidaten unterstützen, aber nicht seiner offiziellen Kampagne angehören. Deshalb kann sich der Kandidat bequem von den Attacken distanzieren. Und der schmutzigen Kreativität sind keine Grenzen gesetzt: Zitate werden aus dem Zusammenhang gerissen, Lügen als Fakten dargestellt, die Gegner als „Abschaum“ (Gingrich) und „Unternehmenskiller“ (Romney) bezeichnet.

Für die schiere Flut der Attack-Ads gibt es nur einen Grund: „Sie wirken!“, sagt Jeff Miller, der Teil der Wahlkampfmaschine ist und seinen richtigen Namen lieber nicht in der Zeitung lesen will. Er wird für US-Präsident Barack Obama politische Werbespots produzieren, sobald Obama richtig in den Wahlkampf einsteigt. Im Schutz der Anonymität will der Video-Macher offen reden – über die Strategien hinter den aggressiven politischen Werbespots und über die Kunst der politischen Zerstörung.

Kommentare zu " US-Vorwahlen: Wie Romney zum „Rombo“ wurde"

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  • @Wartturm-ich gebe Ihnen recht. Wie ist es aber in Ihrem Land bestellt?

  • Die Muster Demokratie der Welt wählen einen neuen Präsidenten,mir wird so richtig Übel dabei wenn ich lese wir Moralisch verfallen die Kandidaten alle sind.


  • Faszinierend! Dem Wähler (der ja eigentlich die Wahlmänner bestimmt) wird dann ein Präsidentschaftskandidat präsentiert, der im Vergleich zu seinen innerparteilichen Wettbewerbern am wenigsten schlecht ist. Demontiert ist er aber auf jeden Fall. Im übrigen wird sich die US-amerikanische Politik nicht wesentlich ändern, ob nun ein Republikaner oder Demokrat Präsident ist.

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