Abgesagte Auftritte
Wirbelsturm bringt US-Wahlkampf durcheinander

Für Präsident Obama und Herausforderer Romney bleibt der Wahlkampf eine Zitterpartie. Nun müssen beide um den Endspurt bangen - denn Hurrikan „Sandy“ droht wahlentscheidende Bundesstaaten lahmzulegen.
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WashingtonHurrikan „Sandy“ wirbelt das Wahlkampffinale in den USA kräftig durcheinander. Der befürchtete Jahrhundertsturm an der Ostküste gefährdet die Terminplanung von Präsident Barack Obama und Herausforderer Mitt Romney. Beide sagten am Wochenende bereits wichtige Auftritte ab. Es gibt düstere Prognosen, wonach der Sturm zu weit verbreiteten Stromausfällen führen wird, die bis zum Wahltag am 6. November auch die Stimmabgabe beeinträchtigen könnten. Der vom Atlantik herannahende Hurrikan überlagerte auch neue Umfragen, wonach Obama in den beiden besonders heiß umkämpften Bundesstaaten Ohio und Virginia knapp in Führung liegt.

Wahlhelfer beider Lager befürchten, dass „Sandy“ Frühwähler davon abhalten könnte, ihre Stimme abzugeben. Tagelange, sturmbedingte Stromausfälle hätten außerdem zur Folge, dass die Wahlkämpfer ihre Zielgruppen nicht wie gewünscht erreichen könnten.

Präsident Obama sagte zwei Wahlkampfauftritte ab. Wegen des Wirbelsturmes könne er einen Termin mit Ex-Präsident Bill Clinton am Montag im US-Bundesstaat Virginia nicht wahrnehmen. Er wolle lieber im Weißen Haus sein, um die Sturmfolgen und Koordinierung der Hilfsmaßnahmen intensiv zu verfolgen, teilte sein Sprecher Jay Carney in Washington mit. Einen Stopp am Dienstag in Colorado strich Obama ebenfalls aus dem Programm.

Obama will vor der Wahl in anderthalb Wochen unbedingt ein Desaster wie nach Hurrikan „Kathrina“ im August 2005 vermeiden. Damals geriet Ex-Präsident George W. Bush heftig wegen der unkoordinierten Hilfe der Regierung in die Kritik.

Auch der republikanische Herausforderer Romney hatte seine Wahlkampfpläne sturmbedingt ändern müssen. Anstatt - wie geplant - nach Virginia, reiste er am Samstag nach Ohio.

In dem wegen seiner vielen Wechselwähler besonders heiß umgekämpften Bundesstaat Virginia liegt Obama nach einer Umfrage der „Washington Post“ mit 51 zu 47 Prozent vorn. In dem wohl wahlentscheidenden Staat führt Obama nach einer CNN-Umfrage mit 50 Prozent vor Romney mit 46 Prozent. Der Vorsprung sei allerdings so knapp, dass eine sichere Voraussage nicht möglich sei, erklärte der Sender.

Der Bundesstaat Ohio hat beim Rennen um die Präsidentschaft hohen Symbolwert. Wer hier gewinnt, hat den Wahlsieg praktisch in der Tasche. Noch niemals in der Geschichte der USA zog ein Republikaner ins Weiße Haus ein, ohne Ohio für sich gewonnen zu haben. Der letzte demokratische Kandidat, der es ohne Ohio ins Präsidentenamt schaffte, war John F. Kennedy vor mehr als 50 Jahren.

Weil Ohio möglicherweise über den Ausgang der Wahl entscheidet, kämpften beide Kandidaten um Stimmbezirk für Stimmbezirk, berichtete die „New York Times“ am Sonntag. Das Romney-Lager hatte bereits am Freitag erklärt: „Wenn wir Ohio nicht gewinnen, ist es hart, auf nationaler Ebene zu gewinnen.“

Der Staat im Mittleren Westen gehört zu sogenannten Swing States (Wechsel-Staaten), in denen traditionell sowohl Demokraten als auch Republikaner eine Chance haben. In etwas mehr als 40 Bundesstaaten steht in aller Regel bereits vor dem Wahltag fest, welches Lager gewinnt.

Wie wahlentscheidend diese Swing States sind, rechnete die „New York Times“ auf der Basis von Umfragen sowie Interviews mit beiden Lagern vor. Demnach hat Obama in anderen Bundesstaaten 185 der 270 Wahlmänner sicher. Gut aufgestellt sei er auch in Bundesstaaten, die weitere 58 Wahlmänner stellen. Romney komme auf insgesamt 206 Wahlmänner. Deshalb geht es nach Angaben des Blattes jetzt vor allem um die 89 Wahlmänner aus Wechsel-Staaten wie Colorado, Florida, Iowa, New Hampshire, Ohio, Virginia und Wisconsin. Die größten Preise sind dabei Florida mit 29 und Ohio mit 18 Wahlmännern.

Unterdessen bekam Obama Rückendeckung von der „New York Times“. Die linksliberale Zeitung rief am Samstag zu seiner Wiederwahl am 6. November auf. In einem in der Onlineausgabe veröffentlichten Leitartikel nennt das einflussreiche Blatt „beeindruckende Erfolge“ der bisherigen Arbeit des US-Präsidenten als Grund für die Parteinahme. Zugleich warnten die Autoren vor einer drohenden weiteren Rezession in den USA, „sollte sich die falsche Politik durchsetzen“.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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