Angsterfüllte Wähler
„Diese Wahl ist vergiftet“

Randalierende Gruppen vor Wahllokalen, Polizeipräsenz, Einschüchterungsversuche. Das sind nur ein paar der bislang 30.000 Beschwerden. So schlimm wie dieses Jahr, sagen Wahlbeobachtungsstellen, war es noch nie.

Washington D.C.Eine einzelne Stimme kann man in dem überfüllten Raum kaum ausmachen. Mindestens vierzig, meist junge Helfer sitzen in einem Kellerraum mitten in Washington und reden wild durcheinander. Es ist die Hauptstadtzentrale der Wählerschutzvereinigung Election Protection.
Im ganzen Land hat die Organisation solche Zentralen eingerichtet, um Anrufe und Beschwerden der Bürger entgegen zu nehmen, heute am Tag der Präsidentschaftswahl. Fast 7000 Freiwillige haben bis zum Nachmittag gut 30.000 Telefonate geführt. Bis die Wahllokale schließen, rechnet man mit bis zu 180.0000 Anrufen. Was die Wähler berichten, ist erschreckend. „So schlimm war es noch nie“, sagt Election Protection-Vorsitzende Kristen Clarke heute.

Bereits wenige Tage vor der US-Wahl wurde immer deutlicher, dass Donalds Trumps Gerede von den verschobenen Wahlen unter seinen Anhängern bedenklichen Aktionismus ausgelöst hat. Die ultrarechte Website The Right Stuff hatte angekündigt, Wahllokale heimlich mit Kameras ausstatten zu wollen, um sicherzugehen, dass Unterstützer von Hillary Clinton nicht mehrmals auftauchen. Die Organisation Stop the Steal plante eigene Umfragen direkt vor den Wahllokalen, um Manipulationen aufzuspüren. Und Neonazi-Führer Andrew Anglin kündigte an, am Dienstag eine ganze „Armee an Wahlbeobachtern“ aussenden zu wollen und in mehrheitlich schwarzen Bezirken hochprozentigen Alkohol und Marihuana auszugeben – um so die Chancen zu erhöhen, dass die überwiegend demokratischen Wähler zu Hause bleiben.
Und tatsächlich berichten Wähler von einschüchternd wirkenden Gruppen, die vor den Wahllokalen „rumlungern“ und den hineingehenden Sprüche wie „Na, wie viele Syrer nimmst du denn zu Hause auf“ hinterherbrüllen.

In Kalifornien und New York berichteten Bürger von Polizisten vor den Gebäuden. Auch das schüchtere viele Wähler ein, sagt Clarke. Besonders Minderheiten fühlten sich nicht sicher. „Gruppen, die mit dem Megafon aggressive Parolen vor den Lokalen hinausbrüllen und aggressives Verhalten waren eins der größten Probleme“, so Clarke.

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„Unruhen am Wahltag"

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