US-Vorwahlen fast entschieden
Der Trumpinator

Dramatische Nacht: Der Republikaner Marco Rubio steigt aus dem Rennen aus. Donald Trump gewinnt die Vorwahlen in vier Staaten. Doch dass der Republikaner seinen Siegeszug fortsetzen kann, ist kein Zufall. Eine Analyse.

San FranciscoMarco Rubios letzte Rede als Präsidentschaftskandidat ist die wohl beste, die er in den vergangenen Monaten gehalten hat. „Amerika ist in der Mitte eines politischen Tsunami“, konstatiert er sichtlich emotional vor seinen Anhängern in Miami, „und wir hätten es sehen müssen. Die Menschen sind unzufrieden und frustriert.“

Anders als sein Konkurrent Donald Trump schiebt Rubio die Verantwortung dafür nicht etwa China, Mexiko oder den illegalen Einwanderern zu. Schuld sei das politische Establishment der Republikaner in Washington. Sie hätten nichts für ihre Wähler bewegt. „Wir brauchen ein neues Establishment“, ruft er seinen Fans zu und fügt wesentlich leiser hinzu: „Meine Kampagne ist beendet.“

Rubio war ebenso wie der bereits zuvor ausgeschiedene Jeb Bush einmal als Geheimfavorit gehandelt worden. Jetzt wirft auch er das Handtuch. Donald Trump setzt seinen Siegeszug derweil weiter fort. Neben den Delegiertenstimmen in Florida gewann der Unternehmer auch in Illinois, Missouri und North Carolina und konnte damit seine Führungsposition weiter zementieren.

Die Partei der Republikaner weiß unterdessen weder ein noch aus. Senator David Perdue aus Georgia fasst in einem Satz zusammen, was passiert ist und keiner seiner Parteigenossen zugeben will: „Die politische Klasse in Washington hat gerade den Panikknopf gedrückt“, sagt er.

Sie kann Trump praktisch nicht mehr am Kampf um das Weiße Haus hindern. In normalen Zeiten würde das bürokratische Politmonster Washington zwar selbst einen Präsidenten Donald Trump spielend fertigmachen, ganz so, wie es in der sarkastischen, aber treffenden Netflix-Serie „House of Cards“ gezeigt wird. Doch die Zeiten sind nicht mehr normal. Die Amtsträger in Washington bangen jetzt um ihre Machtpositionen.

Rubio, mit den Revolutionären der Tea Party groß geworden, hat am Ende Washingtons Geheimnis öffentlich gemacht. Das konservative Partei-Establishment, das ihn bis zuletzt unterstützt hat, hat ganz einfach jede Bodenhaftung und damit den Bezug zu seinen Wählern verloren. Trump ist kein Betriebsunfall. Er ist das Ergebnis einer bereits lange andauernden Entfremdung.

Jahrzehntelang hat die Partei ihre eigene Basis mit der Theorie der „Reagonomics“ an der Nase herumgeführt. Man müsse nur die Steuern der Reichen immer weiter senken und die Märkte deregulieren, so das von Kritikern „trickle down economics“ genannte Modell. Das freigewordene Geld ströme dann in die entfesselte Wirtschaft, schaffe Arbeitsplätze und Wohlstand und komme am Ende auch bei den Armen und Arbeitslosen an.

Verbittert stellen Millionen konservativer Amerikaner im Jahre acht nach der Finanzkrise fest, dass sie umsonst gewartet haben. Das Geld floss nicht in neue Fabriken in Kansas oder Ohio, sondern an die Wall Street, in die Schweiz oder auf die Cayman Islands. 90 Prozent der Einkommenszuwächse seit 2008 landeten bei einem Prozent der US-Bevölkerung. Die Börsen schweben auf Rekordniveau.

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