Vermächtnis des scheidenden Präsidenten
Obamas zweiter Frühling

Das Weiße Haus muss in diesem Jahr ohne lahme Ente auskommen. Denn der ruinöse Vorwahlkampf in den USA kennt einen Gewinner: Präsident Barack Obama. Beliebt wie lange nicht mehr, formt er sein politisches Vermächtnis.

New YorkDer Vorwahlkampf in den USA ist noch lange nicht vorbei, ein Gewinner steht allerdings schon fest: Es ist Barack Obama. Je niveauloser die Präsidentschaftskandidaten aufeinander eindreschen, desto souveräner erscheint der scheidende Amtsinhaber. Obama ist inzwischen deutlich beliebter als seine potentiellen Nachfolger.

Wie eine aktuelle Umfrage zeigt, haben 53 Prozent der Befragten ein positives Bild von Obama. Sein demokratischer Parteifreund Bernie Sanders bringt es auf 48 Prozent, seine frühere Außenministerin Hillary Clinton nur auf 40 Prozent. Bei den oppositionellen Republikanern, die ihren Wahlkampf vor allem zur gegenseitigen Demontage nutzen, sind die Werte noch schlechter. Am besten schneidet noch der moderate – und weitgehend chancenlose - Gouverneur John Kasich ab. Er erreicht eine Zustimmungsrate von immerhin 34 Prozent. Den Favoriten Donald Trump und seinen ärgsten Rivalen Ted Cruz sieht nur jeder fünfte Befragte in positivem Licht.

Obama ist die Wehmut, die viele seiner Landsleute beim Gedanken an seinem Abschied aus der Politik verspüren, nicht verborgen geblieben. Er treibt seine außenpolitische Agenda voran, schmiedet Pläne dafür, in den Hauptwahlkampf einzugreifen – und nimmt sich Zeit, in ausführlichen Interviews seine Amtszeit Revue passieren zu lassen.

Sogar etwas Selbstkritik gestattet er sich. Als seinen „schlimmsten Fehler“ bezeichnete Obama nun in einem Interview mit dem Fernsehsender „Fox News“ das Versäumnis, einen Plan für den „Tag nach der Intervention“ in Libyen gehabt zu haben. Im Jahr 2011 hatten die USA gemeinsam mit europäischen und arabischen Verbündeten den Despoten Muammar al-Gaddafi gestürzt, dann aber zugelassen, dass das Land im Chaos versank.

Das Libyen-Trauma erklärt auch, warum Obama seine Entscheidung, nicht in den syrischen Bürgerkrieg einzugreifen, als sein Meisterstück betrachtet. Sein eigener Sicherheitsapparat hatte ihn zu einer Intervention gedrängt, als der syrische Diktator Baschar al-Assad mit dem Einsatz von Chemiewaffen eine von Obama selbst gezogene rote Linie übertreten hatte.

Doch der Präsident blies den Angriff auf das Regime ab. Kritiker werfen ihm vor, dadurch die Glaubwürdigkeit der Vereinigten Staaten beschädigt zu haben. Obama kommt zu einem völlig anderen Ergebnis: „Ich bin sehr stolz auf diesen Moment“, sagte kürzlich dem Magazin Atlantic. Er ist der festen Überzeugung, dass seine Präsidentschaft anderenfalls im Nahe Osten versandet wäre – wie die seines Vorgängers George W. Bush.

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