US-Wahlkampf
Im Duett gegen Trump

Seite an Seite ziehen die voraussichtliche Präsidentschaftskandidatin, Hillary Clinton, und der amtierende US-Präsident, Barack Obama, in den Wahlkampf. Früher waren sie Rivalen, nun sind sie aufeinander angewiesen.

WashingtonDie Inszenierung kündet von größtmöglicher Harmonie. Während sie am Podium spricht, schaut er zu ihr hinauf, klatscht, nickt und streicht sich zufrieden übers Kinn. Bühne frei für Hillary Clinton und ihren wichtigsten Wahlhelfer: Barack Obama.

Dass der US-Präsident seine frühere Außenministerin unterstützt, dass Obama Clinton als Wunschnachfolgerin betrachtet, hat er schon vor ein paar Wochen klargestellt. Nun aber treten sie erstmals gemeinsam auf. In Charlotte, North Carolina, umgeben von ihren Fans. Sie rechts, er links, über ihnen Clintons Slogan: Stronger Together.

Obama genießt den Auftritt, stimmt das Publikum auf einen „Hillary, Hillary“-Sprechchor ein. Selbstbewusst und locker: Obama ist in seinem Element. „Fired up? Ready to go“, ruft der Präsident in die Menge. Wie vor acht Jahren, als er, damals ein unbekannter Schlacks, das Land verzauberte.

Obamas Präsidentschaft neigt sich dem Ende entgegen, und je näher sein Abschied rückt, desto wehmütiger wird das Land. Seine Umfragewerte sind so hoch wie lange nicht mehr. Mehr als die Hälfte der Wähler sind mit seiner Amtsführung zufrieden. So schnell kann sich die Stimmung ändern. Noch vor zwei Jahren, bei den Kongresswahlen, mieden viele Demokraten ihren Präsidenten, zu unpopulär erschien er ihnen. Jetzt ist Obama wieder der Star seiner Partei – und wird in Clintons Wahlkampagne eine zentrale Rolle spielen.
Um das Rennen um das Weiße Haus zu gewinnen, vertraut Clinton auf genau jene Strategie, die Obama zu seinen Siegen verholfen hat. Vor allem bei Frauen, Minderheiten und Jungwählern will sie punkten, ihr Ziel ist die Rekonstruktion der Obama-Koalition. Dafür braucht sie den Präsidenten – und gleichzeitig braucht er sie, die Kandidatin. Seine politischen Errungenschaften stehen auf dem Spiel. Die Gesundheitsreform, die Finanzregulierung, die Energiewende: Wenn die Wahl verloren geht, wird von Obamas Erbe nicht viel übrig bleiben.
Darum preist der Präsident Clinton in höchsten Tönen. „Sie kennt jeden Fakt, jedes Detail“, lobt er. „Niemand, keine Frau und kein Mann, war je so qualifiziert für diesen Job – niemand.“ Dann fangen seine Augen an zu flackern, er widmet sich seinem Lieblingsgegner: Donald Trump, „der andere Typ“, nennt der Präsident ihn nur. Jetzt ist es Clinton, die zufrieden aufschaut. Alles läuft nach Plan.

Dabei zuckten die Demokraten nur ein paar Stunden vorher kollektiv zusammen. Überraschend berief FBI-Chef James Comey eine Pressekonferenz ein, ein ungewöhnliches Vorgehen für die Bundespolizei. Comey verkündete die Ermittlungsergebnisse zu Clintons Email-Affäre und übte beißende Kritik: „Extrem unvorsichtig“ sei Clinton gewesen, als sie in ihrer Zeit als Außenministerin einen kaum geschützten privaten E-Mail-Server nutzte.

Zudem widersprach Comey der Kandidatin in einem zentralen Punkt: Clinton hatte behauptet, keine als geheim klassifizierten E-Mails erhalten zu haben, das FBI aber konnte acht E-Mail-Ketten mit streng vertraulichem Material aufspüren. Genug für eine Rüge, aber nicht für eine Anklage, befanden die Ermittler. Ein strafrechtliches Verfahren wegen der Gefährdung von Staatsgeheimnissen ist vom Tisch – und damit die größte Bedrohung für Clintons Kandidatur.
Juristisch mag der Fall erledigt sein, doch politisch schwelt die E-Mail-Affäre weiter. Erst vergangene Woche haben Clintons Ehemann Bill und Justizministerin Loretta Lynch ein informelles Treffen einräumen müssen. Die Republikaner wittern eine Verschwörung, vor allem einer: Donald Trump.

Kaum haben Obama und Clinton die Bühne verlassen, wendet sich Trump per E-Mail an seine Anhänger: „Wir müssen die verlogene, korrupte Hillary an der Wahlurne zur Rechenschaft ziehen.“

Moritz Koch ist USA-Korrespondent.
Moritz Koch
Handelsblatt / USA - Korrespondent
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