US-Wahlkampf
Obama schaltet um auf Angriff

Chancengleichheit, Privilegienabbau, Fairness - die Wahlkampfstrategie Obamas erinnert nicht zufällig an den Republikaner Roosevelt. Denn im selben Zuge geißelt der US-Präsident die Zerrissenheit der gegnerischen Partei.
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WashingtonGerade mal 4 600 Seelen zählt der kleine Ort Osawatomie im US-Bundesstaat Kansas. Doch für US-Präsident Barack Obama war er diese Woche der ideale Ausgangspunkt für seine Wahlkampagne. Denn schon einmal hat ein Präsident in Osawatomie Geschichte geschrieben: Theodore Roosevelt. Vor 101 Jahren, im August 1910, rechnete Teddy Roosevelt in einer Rede in Osawatomie mit seiner Partei ab und dort vor allem mit den erzkonservativen Kräften um seinen ehemaligen Kriegsminister William Taft. Roosevelts damalige politische Heimat: Die Republikaner.

Jetzt legte in Kansas der Demokrat Obama in einer Rede seine Vision für Amerika vor – und die hat viel mit jenen Werten zu tun, die auch dem Republikaner Roosevelt am Herzen lagen. Obama sprach über die Mittelklasse in den USA, die stetig an Boden verliert. Er sprach über die wachsende gesellschaftliche Ungleichheit in Amerika, bei der wenige ganz viel und immer mehr nur sehr wenig besitzen. Und er sprach über das Konzept, das die USA in die nächste Generation tragen soll, darüber, wie fair die amerikanische Gesellschaft heute überhaupt noch zu seinen Bürgern ist.

„Werden arbeitende Menschen künftig noch genug verdienen, um eine Familie zu ernähren, etwas anzusparen, ein Haus zu bauen und sich ihre Rente zu sichern?“, fragte Obama in seiner 55-minütigen Rede an der High School von Osawatomie. Am 31. August 1910 hatte Roosevelt an gleicher Stelle sinngemäß ähnliches gesagt: Es gehe darum, Chancengleichheit zu schaffen, Privilegien abzubauen und jeder einzelnen Existenz den größtmöglichen Wert zu geben.

Obama griff jetzt aber nicht nur die gleichen Themen auf, die nicht zufällig auch an die Forderungen der Occupy Wallstreet-Bewegung erinnerten. Er machte auch klar, wie er seinen Wahlkampf 2012 anlegen will. Denn aus Sicht Obamas ist die republikanische Partei heute so zerrissen wie vor 100 Jahren, mit Fundamentalisten auf der einen Seite und rational Konservativen auf der anderen. Obamas Botschaft: Der Wähler möge es sich deshalb gut überlegen, ob er einem Repräsentanten einer solchen Partei seine Stimme geben wolle.

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