USA
Edward Kennedy: Sex, Drugs and Politics

In den USA ist mit dem Tod von Senator Edward Kennedy eine Ära zu Ende gegangen: Er war der letzte überlebende Bruder einer Politikerdynastie und einer der einflussreichsten Politiker in der Geschichte der USA. Er liebte Frauen und Alkohol, aber auch das politische Risiko.

WASHINGTON. Das Risiko, das Edward („Ted“) Kennedy an diesem 28. Januar 2008 eingeht, ist ganz nach dem Geschmack des Senators. Vier Wochen nach Beginn des Wahlkampfes heißt die Favoritin für das demokratische Präsidentschaftsticket Hillary Clinton. In wenigen Tagen, am Super-Tuesday, will die ehemalige First Lady den Sieg einfahren. Und was tut Kennedy? Er stellt sich aufs Podium der American University in Washington und setzt sein ganzes Kapital auf den Herausforderer, auf Barack Obama. „Er ist der Kandidat, der uns inspiriert“, ruft Kennedy. Die Clintons sind entsetzt, für Obama ist das der Ritterschlag. Kein anderer als der letzte aus der Reihe der Kennedy-Brüder ist in der Lage, eine solche Ehre zu erteilen. Und kaum ein anderer wäre dieses Risiko eingegangen.

Edward Kennedy, der am späten Dienstagabend in seinem Haus auf Cape Cod im Alter von 77 Jahren starb, hatte stets die Grenzbereiche des Lebens ausgetestet. Er liebte die Frauen, liebte exzessives Trinken, liebte die große Show in der Öffentlichkeit, liebte das Wagnis. Doch zuletzt gab es für ihn nur noch ein Ziel: Die Reform des Gesundheitswesens. Diesen Auftrag gab Kennedy bereits beim Auftritt an der American University Obama mit auf den Weg: „Lasst uns die Gesundheitsfürsorge endlich das sein, was sie eigentlich sein sollte – ein Grundrecht für alle, nicht ein teures Privileg für wenige.“

Diesem Ziel blieb er bis zuletzt treu. Als der an einem Gehirntumor erkrankte Kennedy vor wenigen Wochen ahnte, dass er die Abstimmung über das Reformgesetz nicht mehr erleben wird, schrieb er einen Brief an den Kongress von Massachusetts. Darin bittet er, seine Nachfolge nach seinem Tod schnell zu regeln – damit den Demokraten im Senat keine Stimme verloren geht.

Jahre hatte Ted gebraucht, um mit den Tragödien zu leben, die die schillernde Kennedy-Familie wie ein Fluch zu begleiten schienen. Und Jahre, um mit der Gesundheitsreform sein Thema zu finden. Doch bis dorthin war es ein weiter Weg. Denn nach dem Tod der Brüder John und Robert wäre es dem jüngsten aus der Familie eigentlich ein Leichtes gewesen, in ihre Fußstapfen zu treten und sich für das Präsidentenamt nominiert zu lassen. Doch Kennedy kam weder zu Rande mit den Erwartungen, die auf ihn lasteten, noch mit der Familiengeschichte.

Vor allem ein Ereignis hing wie ein Mühlstein um den Hals, den er nie mehr abschütteln sollte. Und auch das hat ein Datum: Den 18. Juli 1969. Nach einer Party auf der Insel Chappaquiddick kommt Kennedy mit seinem schweren Oldsmobile Delmont 88 von der Straße ab und landete in einem Kanal. Auf dem Beifahrersitz: Mary Joe Kopechne. Kennedy rettet sich, nicht jedoch seine Begleiterin, die einst für den ein Jahr zuvor ermordeten Robert Kennedy gearbeitet hatte. Die 28-Jährige stirbt und Ted Kennedy, statt sofort die Polizei zu rufen, kehrt zunächst zur Party zurück, später in sein Hotel. Erst nach Stunden wird die Polizei informiert, die schließlich den Leichnam von Kopechne aus dem Autowrack birgt. Nie ist lückenlos aufgeklärt worden, was tatsächlich in dieser Nacht geschah. Doch für die politischen Ambitionen von Ted Kennedy zog der Vorfall eine Grenze: Senator konnte er bleiben, Präsident werden jedoch nicht. Ein halbherziger und unprofessioneller Versuch 1980, den amtierenden Präsidenten Jimmy Carter aus dem Sattel zu hieven, war zum Scheitern verurteilt.

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