Varoufakis' Rücktritt
„Ich trage die Abscheu der Geldgeber mit Stolz“

Griechenlands Finanzminister schmeißt hin – trotz des Siegs der „Nein“-Seite. Yanis Varoufakis wird noch am Montag zurücktreten und will damit den Weg freimachen für neue Verhandlungen mit den Gläubigern.
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Athen„Minister No More!“, Nicht mehr Minister! – das klingt wie ein Ruf der Befreiung. Unter dieser Überschrift verabschiedete sich Yanis Varoufakis am Montagmorgen in seinem Blog von seinem Amt als griechischer Finanzminister. Damit wirft der im Ausland umstrittenste, bei den Griechen aber populärste Minister des Kabinetts von Alexis Tsipras das Handtuch.

Dabei ist heute eigentlich der Tag seines größten Triumphs. Es ist der Tag nach dem „Nein“ bei der Volksabstimmung, dem „großartigen Nein“, wie Varoufakis in seinem Blog schreibt. Ein Abstimmungsergebnis, das „in die Geschichte eingehen wird als ein einzigartiger Moment, in dem eine kleine europäische Nation sich gegen seine Schuldenfesseln erhob“.

Nun, so schreibt Varoufakis, müsse man dieses Nein ummünzen in ein Ja zu einer Lösung der Probleme, in eine Übereinkunft mit den Gläubigern, das „eine Umstrukturierung der Schulden, weniger Spardruck, Umverteilung zugunsten der Bedürftigen und echte Reformen“ enthalte.

Daran wird Varoufakis aber nicht mehr beteiligt sein. Rücktrittspläne wurden ihm schon lange nachgesagt, aber jetzt geht er offenbar nicht ganz freiwillig: Nach dem Ergebnis des Referendums hätten einige Euro-Gruppen-Mitglieder den Wunsch geäußert, dass Varoufakis an den nun geplanten Treffen nicht teilnehme. Premierminister Tsipras habe es für hilfreich gehalten, auf diesen Wunsch einzugehen. „Deshalb verlasse ich heute das Finanzministerium“.

In Kreisen der griechischen Linken eilte Varoufakis bei seinem Amtsantritt Ende Januar der Ruf eines Star-Ökonomen voraus. Nach dem Studium der Mathematik an der Universität Essex lehrte Varoufakis als Dozent in Sydney, Athen und Texas. Bei seinen Studenten war Varoufakis beliebt – wohl auch, weil der kahlköpfige, modisch gekleidete, sportliche Akademiker, dem man seine 53 Jahre nicht ansieht, so gar nichts vom Habitus eines Professors hat. 2012 verhalf ihm sein Spezialgebiet, die Spieltheorie, zu einem Beratervertrag der Computerspielfirma Valve Corporation.

Schon als Oppositionsführer holte Alexis Tsipras den Ökonomen in sein Beraterteam und überredete ihn dann, sich bei der vorgezogenen Parlamentswahl um ein Mandat zu bewerben. Im Wahlkreis Athen 2 bekam Varoufakis mehr Stimmen als jeder andere Kandidat irgendeiner Partei.

Varoufakis gilt als brillanter Analytiker, aber auch als ein eitler, streitsüchtiger Querkopf, der gern provoziert. Gastgebern streckt er die rechte Hand entgegen, während er die linke tief in seiner Hosen- oder Jackentasche vergräbt. Manche halten das für unhöflich, Varoufakis findet es wohl cool. Er will anders sein. Der neue Finanzminister fuhr nicht im Fonds einer Limousine zu den Konferenzen in der Villa Maximos vor, dem Amtssitz von Ministerpräsident Alexis Tsipras, sondern mit dem Motorrad.

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Auf Twitter ist er bereits zurückgetreten

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  • ohh, der Arme. Wenn das die Art ist, wie Giechenland Geschäfte macht, wundert es nicht, dass Griechenland da steht, wo es steht. Mein Gott, es reicht halt nicht, mit kahlgeschorenem Schädel und engen Shirts Motorrad zu fahren und mit spieltheoretischem Ansatz und Provokationen einen Gipfen nach dem anderen zu generieren und die Zeit und das Geld der anderen zu verschwenden.

  • Vielleicht lese man mal folgendes Essay:

    http://www.cicero.de/kapital/varoufakis-und-sein-drehbuch-zur-griechenlandkrise-grexit-und-graccident-es-laeuft-doch

  • Mach das und zieh leine....!!!

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