Varoufakis vs. Schäuble
Schuldenmacher trifft Sparfuchs

Das wird kein Kaffeekränzchen: Griechenlands Finanzminister Varoufakis will nicht mehr sparen, Amtskollege Schäuble beharrt darauf. Nun treffen der „Marxist“ und „Mister Schwarze Null“ zum ersten Mal aufeinander.
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DüsseldorfDer eine ist „Mister schwarze Null“, der andere ist der „eigenwillige Marxist“, wie er sich selbst nennt: Wenn Wolfgang Schäuble (CDU) und Yanis Varoufakis in Berlin aufeinandertreffen, ist Ärger programmiert. Der eine Finanzminister hat die stärkste Volkswirtschaft der EU im Rücken, der andere Finanzminister den Schub einer Erdrutschwahl und die Wut von Millionen Griechen gegen die als Spardiktat empfundenen Auflagen der Troika für neue Hilfskredite.

Seit Tagen reist Varoufakis, der linke Ökonom mit Lederjacke und Rockstar-Image, durch Europa, um zu erklären, warum Griechenland eine Umschuldung von der EU verlangt. Der neue griechische Ministerpräsident schickt seinen Querkopf vor auf Europa-Tour.

Für Varoufakis gab es freundschaftliche Umarmungen und sogar Küsschen von EU-Kommissionpräsident Jean-Claude Juncker, warme Worte von EU-Parlamentspräsident Martin Schulz. Un doch zerschlug er schon einiges an Porzellan auf dem politischen Parkett. Zu einem ersten Eklat kam es mit Euro-Gruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem in Athen, als Varoufakis die Zusammenarbeit mit der Troika aufkündigte und bei der gemeinsamen Pressekonferenz Grimassen schnitt.

Die neue Links-Rechts-Regierung in Athen macht vor allem Deutschland für die harten Sparauflagen verantwortlich, die Griechenland wegen der Euro-Krise erfüllen soll. Varoufakis fordert von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) eine Art Wiederaufbauplan, wie ihn die USA nach dem Zweiten Weltkrieg mit dem Marshallplan aufgelegt hatten.

„Ich denke, von allen Ländern in Europa verstehen die Deutschen am besten diese simple Nachricht. Wenn man eine stolze Nation zu lange demütigt und sie Verhandlungen und Kummer einer Schuldendeflationskrise aussetzt, ohne Licht am Ende des Tunnels, dann gärt es in dieser Nation irgendwann“, sagte Varoufakis in einem ARD-Interview.

Hinter verschlossenen Türen wird Varoufakis verbal abrüsten müssen mit dem kühlen auf Zahlen bedachten Schäuble. Von „Gauleiter Schäuble“ und „sozialem Holocaust“ war außerdem die Rede gewesen und von drastischen weiteren Vergleichen. Varoufakis hatte die griechischen Sparauflagen in einem Atemzug mit dem Versailler Vertrag genannt: „Europa wäre viel Leid erspart geblieben, wenn er gebrochen worden wäre. Wenn wir glauben, dass die Rettungspolitik ein Fehler war, müssen wir sie ändern“, sagte der Athener Kassenwart.

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Große Worte versus große Zahlen

Kommentare zu " Varoufakis vs. Schäuble: Schuldenmacher trifft Sparfuchs"

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  • Vielleicht liegen die Autoren Matthias Weik und Marc Friedrich ja richtig mit ihrem Titel »Der Crash ist die Lösung«? Die Griechen sind dabei ihn zu provozieren. Lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende. Schulden kann man nur mit neuen Schulden zurückzahlen indem der Staat sich bei seinen Bürge(r)n verschuldet (in Form von immer höheren Steuern, Gebühren etc.) und dann noch stolz ist auf die schwarze Null – wie erbärmlich!

  • Der Name Sparfuchs für Schäuble ist total unzutreffend. Schäuble ist ein Abzocker ohne Ende. Letztes Jahr Rekordeinanhmen bei der Steuer - wieso: Kalte Progression (eigendlich Verfassungs-wirdrig), und massive Steuererhöhungen (Kernbrennelemente-Steuer, Luftverkehrsabgabe), bis an die Grenze der Legalität eines Rechtstaats gehender Einsatz von geheimdienstlichen Techniken zur Suche nach Steuerhinterziehern. Massive Angst und Hetzkampangie gegen solche.

  • dass Varoufakis als "Schuldenmacher" tituliert wird lasse ich gelten, obwohl er ja nur für das griechische System steht. Er selbst ist ja erst seit ein paar Tagen im Amt.

    Dass unser Finanzfuzzi als "Sparfuchs" gepriesen wird ist aber absolut lächerlich.
    Nicht mehr auszugeben als man einnimmt (schwarze Null) ist für mich nicht "sparen" sondern "von der Hand in den Mund leben".

    Und das bei Rekord-Steuereinnahmen!!!!

    Ob man der Sache trauen kann, steht sowieso auf einem anderen Blatt, da durch eine kreative Buchführung verdeckt, sicher noch so mache "Leiche im Keller" liegt.
    Offensichtlich ist hingegen der allgemeine Verfall bei Infrastruktur usw. und die Tatsache, dass man sowieso "nie Geld hat" und daher ständig auf der Einnahmenseite "suchen" muss.

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